Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.08.2019


Standort Tirol

Beim schnellen Internet steigt Tirol aufs Gas

Das Verkehrsministerium legte eine neue Breitband-Strategie vor, zur Sicherung des Wirtschaftsstandortes gibt es weitere Förderungen.

Die Infrastruktur ist das Fundament der Digitalisierung. Die Leerverrohrung wurde durch die Zusammenarbeit mehrerer Gemeinden gesteigert.

© dpaDie Infrastruktur ist das Fundament der Digitalisierung. Die Leerverrohrung wurde durch die Zusammenarbeit mehrerer Gemeinden gesteigert.



Von Cornelia Ritzer

Wien, Innsbruck – Schnellere und damit auch intelligentere Telekommunikationsnetze – davon profitieren die Industrie, Unternehmen und natürlich alle Kunden von Kommunikationsunternehmen. Im Jahr 2013 wurde eine Fördermilliarde für den Breitband-Ausbau beschlossen, ein Großteil davon ist bereits vergeben. Gelegenheit für Verkehrsminister Andreas Reichhardt, den Startschuss für die Breitbandstrategie 2030 zu geben, denn auch im nächsten Jahr sollen Fördergelder fließen.

In welcher Höhe der angekündigte Fördertopf dotiert sein wird, ist noch unklar. Gespeist wird er erneut auch aus den Erlösen der geplanten Frequenzversteigerung im Frühjahr 2020. Die Förderungen lohnen sich für die öffentliche Hand, betont der Verkehrsminister: „Jeder Förder-Euro hat 2,5 Euro an Investitionen ausgelöst.“ Laut Reichhardt ist die Breitbandstrategie 2030 mit allen Stakeholdern abgestimmt.

„Die Infrastruktur ist die Mutter der Digitalisierung“, pocht Klaus M. Steinmaurer, Chef der Regulierungsbehörde RTR, auf den Glasfaserausbau für die nächste Mobilfunkgeneration. Die Vorgängerregierung gab das Ziel aus, eine flächendeckende Versorgung mit einer Übertragungsgeschwindigkeit bis zu 100 Mbit/Sekunde bis Jahresende 2020 zu erreichen. Steinmaurer geht davon aus, „dass wir dieses Ziel zu einem sehr guten Teil erreichen werden“. Laut Verkehrsminister Reichhardt gebe die präsentierte Strategie Planungssicherheit, sei aber auch flexibel: „Wir alle wissen nicht, wie 5G in drei Jahren sein wird.“ So spreche man heute bereits von noch schnelleren „Gigabit-Zielen“.

Vor allem die Industrie fragt die neuen Möglichkeiten durch das superschnelle Datennetz nach. Ob Internet of Things (IoT), maschinelles Lernen oder Smart Cities – für diese Trends brauchte es hohe Datenübertragungsraten. Laut Studie der Industriellenvereinigung (IV) werden in Österreich auf weniger als acht Prozent des Siedlungsraumes mehr als 50 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung erzielt. Umso weniger dürfe der ländliche Raum von der Digitalisierung abgekoppelt werden, lautet eine Forderung der Vertreterin der österreichischen Industrie.

„Viele Betriebe sind weit von den Ballungszentren entfernt“, weiß Peter Koren, Vize-Generalsekretär der IV. Die Breitband-Initiative des Verkehrsministeriums sei „sehr zu begrüßen“, und auch wenn für die meisten Industriebetriebe das schnelle Internet bereits Realität ist, meint Koren: „Gerade im ländlichen Raum sind wir nicht ausreichend versorgt.“ Die Industriellenvereinigung fordert – wie auch das Ministerium – den technologieneutralen Ausbau von Breitband-Infrastruktur, beschleunigte Vergabeprozesse für Förderungen und eine enge Abstimmung mit den Bundesländern.

Während das Burgenland, die Steiermark und Kärnten beim Breitband-Ausbau noch Luft nach oben haben, ist Tirol – neben Nieder- und Oberösterreich – im Spitzenfeld. Für laufende oder bereits abgeschlossene Projekte hat die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) als Partner des Ministeriums 510 Mio. Euro an Förderungen vergeben, rund 74 Mio. Euro gingen nach Tirol. „Tirol hat ein enormes Tempo vorgelegt und aktiv an Wettbewerben teilgenommen“, sagt FFG-Geschäftsführer Klaus Pseiner.

Laut der FFG ist Tirol vor allem im Leerverrohrungsprogramm stark engagiert. Bisher wurden Förderungen aus dem Leerrohrprogramm in Höhe von knapp 47 Mio. Euro nach Tirol vergeben. Die letzte Ausschreibungsrunde ist dabei noch nicht eingerechnet. „De facto“ sind laut Forschungsförderungsgesellschaft bereits 820 Millionen Euro vergeben.

- APA