Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 08.08.2019


Bezirk Landeck

600 Regner gegen die Trockenheit in Kaunerberg

Kaunerberg steht vor einer riesigen Aufgabe – die Bewässerungsanlagen am großen Hangkanal müssen erneuert werden. In dieser Woche wurde dafür eine neue Wassergenossenschaft gegründet.

Kaunerberg liegt in einem Trockengebiet – dort muss im Sommer laufend bewässert werden.

© NeunerKaunerberg liegt in einem Trockengebiet – dort muss im Sommer laufend bewässert werden.



Von Matthias Reichle

Kaunerberg – „Lebensader“ nennt ihn der Obmann der neuen Kaunerberger Wassergenossenschaft, Andreas Neuner. Seine Heimatgemeinde liegt in einem der trockensten Gebiete Österreichs – dass in Hitzesommern wie dem letzten das Gras trotzdem nicht auf der Wiese verdorrte, verdankt man dem Hangkanal. „Was damals nach dem Krieg zustande gekommen ist, war riesig“, betont er. Mit dem Marshallplan wurde von 1948 bis 1954 ein rund 20 Kilometer langer Bewässerungswaal gebaut, der das Wasser aus dem Gallruthbach in die Gemeinden Kaunerberg und Kauns bringt – ein beeindruckendes Vorhaben, für das sogar ein rund ein Kilometer langer Stollen in den Berg geschlagen wurde. „Man hat schon damals gesehen, wenn man nicht bewässert, ist das existenzbedrohend“, so Neuner.

Während der Kanal selbst laufend saniert wird, sind die abzweigenden Wasserleitungen in die Jahre gekommen. Auf die Kaunerberger kommt nun ein gewaltiges Projekt zu: Die Beregnungsanlagen müssen komplett erneuert werden. „Die Rohre sind 50 und mehr Jahre alt. Es ist höchst an der Zeit“, so Neuner. Es besteht die Gefahr, dass es zu Rohrbrüchen kommt.

Vor wenigen Tagen wurde nun die neue Wassergenossenschaft „Kaunerberg von Hangkanal“ aus der Taufe gehoben, die alle bisherigen Nutzer vereinen soll. Geplant ist, bis Herbst 2020 mit der Umsetzung zu beginnen – dabei wird die Bewässerung auf einer Fläche von 50 Hektar auf neue Beine gestellt.

Ein markanter Unterschied – wo im letzten Jahr mit Wasser aus dem Hangkanal bewässert wurde ...
Ein markanter Unterschied – wo im letzten Jahr mit Wasser aus dem Hangkanal bewässert wurde ...
- Neuner

Derzeit gibt es auf den Kaunerberger Feldern Entnahme­hydranten, die vom Hangkanal gespeist werden – von dort verlegen die Bauern fliegende Rohre zu großen mobilen Beregnern, mit denen in einem Radius von 40 Metern bewässert wird. Künftig soll auf eine Kleinflächenberegnung umgestellt werden, wie vor rund zehn Jahren auch in Kauns. „Wie man es aus Südtirol kennt“, beschreibt Neuner das System, das eine enorme Zeitersparnis für den Bauern bedeuten würde.

Dafür müssen allerdings auch 25 Kilometer neue Leitungen verlegt und rund 600 Beregner errichtet werden. Rund 65 Sekundenliter Wasser würde man künftig aus dem Waal entnehmen. Von einer „effizienteren und zeitgemäßen“ Art der Beregnung spricht auch der Kaunerberger Bürgermeister Peter Moritz. „Wir sind an dem Punkt angekommen, wo man sagt, Neubau oder irgendwann ist Sendepause“, betont er.

... war das Gras grün, sonst braun.
... war das Gras grün, sonst braun.
- Neuner

Die Kostenschätzung beläuft sich auf rund 800.000 Euro. Über die Sockelförderung und zusätzliche Erschwernispunkte käme man auf einen Landeszuschuss von 50 Prozent. Den Rest der Investitionskosten und den jährlichen Betrieb müssten die Mitglieder der Genossenschaft selbst stemme­n. „Es ist auch erwünscht, dass die Bauern Eigenleistungen miteinbringen“, so Neuner. „In der Politik hört man, dass es einen Schwerpunkt auf Beregnung geben soll. Der Klima­wandel ist nicht wegzudiskutieren. Wir hoffen, dass dadurch zusätzliches Geld hereinkomm­t.“

Bisher hängen 31 Nutzer an den sechs Wasseradern, die in Kaunerberg vom Hangkanal wegführen – 25 Bauern und sechs Private, erklärt Neuner.

Bei der Gründungsversammlung hätten bereits viele unterschrieben, viele haben eine mündliche Zusage gegeben. Man sei auch offen für weitere, die sich an das System anschließen wollen, so Neuner. Die Bauzeit würde drei Jahre in Anspruch nehmen, erklärt er. Die Pläne dafür wurden von der Abteilung Wasserbau des Bezirksbauamts Imst ausgearbeitet.

Dass es ohne Bewässerung in seiner Heimatgemeinde nicht geht, weiß er nur zu gut. Derzeit gibt es insgesamt vier Wassergenossenschaften in Kaunerberg. „Teilweise sind auch die anderen an Projekten dran.“ Ohne Beregnung wäre Landwirtschaft in dieser Form hier nicht möglich.

- Neuner