Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 13.08.2019


Bezirk Schwaz

Zillertalbahn: “Da ist etwas Sand ins Getriebe gekommen“

Die Zillertalbahn schreibt erneut schwarze Zahlen. Aber zwei große Zukunftsprojekte wurden eingebremst. Droht dort das Abstellgleis?

Die Zillertalbahn schreibt erneut schwarze Zahlen. Aber zwei große Zukunftsprojekte wurden eingebremst. Droht dort das Abstellgleis?

© thomas boehmDie Zillertalbahn schreibt erneut schwarze Zahlen. Aber zwei große Zukunftsprojekte wurden eingebremst. Droht dort das Abstellgleis?



Von Eva-Maria Fankhauser

Mayrhofen – Die Bilanz 2018 der Zillertalbahn kann sich sehen lassen. Bereits das vierte Jahr in Folge schreibt die Bahn schwarze Zahlen. Der Jahresüberschuss liegt bei 573.800 Euro. Auch die Hochrechnung der Fahrgastzahlen ließ die Anwesenden bei der Jahreshauptversammlung in Mayrhofen strahlen. Rund 2,9 Mio. Passagiere sollen im Vorjahr mitgefahren sein. „Das ist mit einer Steigerung von 16 % das größte Plus aller österreichischer Privatbahnen“, erklärt Aufsichtsrats-Vorsitzender Franz Hörl.

Nur eines trübt die sonnige Stimmung bei der Bahn. „Die Vorlaufkosten für das Projekt 2020+ belasten uns für 2019 natürlich. Wir werden so vielleicht nur ein ausgeglichenes Ergebnis statt eines Plus schaffen“, meinte Bahn-Vorstand Wolfgang Stöhr. Das dürfte aber das kleinere Problem sein. Denn das Zukunftsprojekt Zillertalbahn 2020+ mit einer Schmalspurbahn, die mit Wasserstoff angetrieben wird, ist ins Stocken geraten. „Der ‚Ibiza-Freitag‘ hat beim Bund in Wien unsere Planung etwas zurückgeworfen“, sagt Hörl. Für viele sieht es eher nach einem Stillstand aus. Das sieht Hörl anders: „Es ist etwas Sand ins Getriebe gekommen. Man könnte den Vertrag mit der Zillertalbahn ja notfalls einfach verlängern. Das würde schon auch gehen. Aber wir wollen den Verkehrsdienstevertrag ja weiterverhandeln.“ Hörl glaubt den Zeitplan einhalten zu können. 2020 soll der erste Prototyp emissionsfrei durchs Zillertal fahren. Ab Dezember 2022 solle­n nur noch Wasserstoffzüge zwischen Mayrhofen und Jenbach verkehren. Dadurch soll auch die Fahrtzeit von 55 auf 45 Minuten reduziert werden. „So wird die Bahn für die einheimischen Pendler attraktiver. Man kommt in 60 Minuten von Mayrhofen nach Innsbruck ins Stadtzentrum. Und das ohne Stau“, sagt Hörl. Laut ihm sei rund 60 % des Staus im Tal „hausgemacht“ und liege aufs Jahr gerechnet nicht zum Hauptteil an den Touristen. „Die spüren wir halt an Spitzentagen im Winter auf der Straße“, sagt Hörl.

Tag für Tag stehen unzählige Verkehrsteilnehmer im Zillertal im Stau. Für viele eine belastende Situation. Doch der Zug ist bis dato für die meisten Pendler keine Alternative. Die Fahrtdauer ist zu lang. Gestern Montag kam es vormittags wieder zu Block­abfertigungen beim Brettfalltunnel. „Wir haben in den Spitzenzeiten 30.000 Fahrzeuge, die den Tunnel passieren. Parallel zu Straßeninfrastrukturmaßnahmen braucht es auch die Alternative der Öffi­s. Da ist der Wasserstoffantrieb ein großer Hoffnungsschimmer“, sagt Aufsichtsrat und Fügens Bürgermeister Domini­k Mainusch.

Er wurde übrigens turnusmäßig aus dem Aufsichtsrat verabschiedet. Um dann, wenig­e Minuten später, von den Mitgliedern der Bahn wieder in den Aufsichtsrat gewählt zu werden.

Zum Zukunftsprojekt zählen aber auch andere Punkte, wie der Bahnhof in Mayr­hofen oder die neue Trasse zwischen Aschau und Zell am Ziller als Brückenschlag von der Schien­e zur Seilbahn. „Da sind wir aktuell mit den Grundeigentümern im Gespräch“, sagt Vorstand Helmut Schreiner. Doch auch dieses Projekt könnte schnell aufs Abstellgleis wandern. Denn noch besteht keine Einigkeit mit den Grundeigentümern. „Ohne ihre Zustimmung können wir dieses Projekt nicht umsetzen“, sagt Hörl. Er wiss­e, dass Grund und Boden im Tal wertvoll sind, aber das Projekt müsse Vorfahrt haben.