Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 13.08.2019


Exklusiv

Kritik an Anleger-Hotel: „Ganz klar eine Umgehung“

Hotellerie-Obmann Gerber empört das Investoren-Hotel in Oetz. Liste Fritz wirft der ÖVP kollektives Wegschauen vor. Auch die FPÖ übt Kritik.

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© P8



Von Max Strozzi

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Oetz – Nach dem TT-Bericht über das Investoren-Hotel in Oetz kochen auch beim Tiroler Hotellerie-Obmann Mario Gerber die Emotionen hoch. „Wenn die Wohnungseigentümer ihre Appartements so nutzen sollten, wie es beschrieben wurde, dann ist das ganz klar eine Umgehung des Freizeitwohnsitz-Verbots“, sagt Gerber, gleichzeitig auch ÖVP-Landtagsabgeordneter.

Wie berichtet, hatte der Oberländer Anwalt Stephan Wijnkamp auf Anfrage der TT den Betreibervertrag des Investoren-Hotels All-Suite Resort in Oetz analysiert. Aus den Klauseln geht zusammenfassend hervor, dass Wohnungseigentümer, die sich in das Hotel einbuchen, sich ihre eigene Wohnung im Voraus reservieren können und im Endeffekt über Rabatte und Rückzahlungen praktisch nichts zahlen müssen. Aus Sicht von Wijnkamp würden die Vertragsklauseln die Umgehung des Freizeitwohnsitz-Verbots ermöglichen. Die Projektbegründer hatten diese Ansicht zurückgewiesen: Die Wohnungseigentümer hätten kein vorbehaltenes Eigennutzungsrecht, wurde betont. Der Wohnungseigentümer nutze die Suite aufgrund des Beherbergungsvertrags und nicht aufgrund seiner Eigentumsrechte. Land, BH und der Oetzer BM Hansjörg Falkner hatten sich mit einer Einschätzung zurückgehalten.

„Ich habe ein großes Problem mit diesem Investorenmodell in Oetz“, sagt dagegen Gerber: „Man darf als Investor eigentlich dort null Tage in seiner Wohnung wohnen und wenn, dann nur, wenn man auch den Aufenthalt bezahlt und nicht sein Geld wieder über Umwege zurückbekommt.“ Investorenmodelle seien nicht generell zu verteufeln, meint Gerber. Solche Modelle seien zu einem ganz anderen Zweck erfunden worden, nämlich zur Eigenkapitalsicherung. Dadurch könne beispielsweise eine Hotelfamilie Wohnungen verkaufen und in die Qualität ihres Hotels investieren. Es gebe Betreiber, die das gut machen, so Gerber: „Aber so wie in Oetz ist es de facto eine Umgehung. Genau das darf nicht passieren, weil dadurch alle Investorenmodelle in Verruf geraten. Ich fordere, dass wir Investorenmodelle mit Regeln belegen. Man muss die Regeln verschärfen.“ Wie genau, werde gerade vom Land eruiert.

Liste-Fritz-Mandatar Markus Sint ortet bei der ÖVP ein kollektives Wegschauen. Er wirft LH Günther Platter, Raumordnungs-LR Johannes Tratter und LHStv. Josef Geisler vor, zwar offiziell gegen noch mehr Freizeitwohnsitze in Tirol zu sein, sich in der Praxis aber nicht darum zu kümmern. „Durch derartige Investorenmodelle, die vom Arlberg bis Fieberbrunn wie Schwammerln aus dem Boden schießen, können über die Hintertüre zusätzliche, illegale Freizeitwohnsitze in Tirol entstehen“, so Sint. Der Ausverkauf Tirols werde befeuert, „zumal es hier nicht um touristische Vermietungsmodelle geht, sondern um Kapitalanlagen, Renditen und Profite“.

Auch die FPÖ übt Kritik an der ÖVP, die in Oetz den Bürgermeister stellt. „Wir bemühen uns, leistbaren Wohnraum zu schaffen, und einige Bürgermeister suchen nur Umgehungsmöglichkeiten“, so FP-Wohnbausprecherin Evelyn Achhorner. „Wenn es der Landesregierung ernst ist, den Freizeitwohnsitzwildwuchs einzudämmen, sollten endlich wirksame Mittel zur Kontrolle geschaffen werden.“