Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 17.08.2019


Innsbruck

Ärger über Kündigung für den Markthallen-Leiter

Kurt Dengg muss mit 30. September als Marktleiter gehen. Dagegen wehren sich die Mieter. Doch der Bürgermeister will einen Neuanfang.

Die Markthalle bleibt eine Baustelle: Aktuell wird die Eingangssituation geändert. Bald gibt es einen Wechsel in der Marktleitung.

© WittingDie Markthalle bleibt eine Baustelle: Aktuell wird die Eingangssituation geändert. Bald gibt es einen Wechsel in der Marktleitung.



Von Marco Witting

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Innsbruck – 50 Unterschriften. Verteilt auf vier Seiten. Diese Liste haben die Mieter der Markthalle BM Georg Willi vor einigen Tagen gegeben. Ganz oben steht: „Wir sind mit der aktuellen Führung durch den Marktleiter Kurt Dengg zufrieden und daher für einen Verbleib!“ Die Mieter möchten damit erreichen, dass die Kündigung von Dengg mit dem 30. September rückgängig gemacht wird. Doch während die Gerüchteküche nach allen Seiten hin brodelt, stellt Willi klar: „Wir wollen hier einen Neustart in personeller Richtung mit den ersten Maßnahmen der Neuausrichtung der Markthalle verknüpfen.“

"Ich bin mit Herzblut bei der Sache. Klar ist, dass wir zuletzt schwarze Zahlen geschrieben haben." - Kurt Dengg
 (Marktleiter)
"Ich bin mit Herzblut bei der Sache. Klar ist, dass wir zuletzt schwarze Zahlen geschrieben haben." - Kurt Dengg
 (Marktleiter)
- Rudy De Moor / TT

Frank Triebert ist einer der Markthallen-Mieter, der mit der Entscheidung und dem Vorgehen des Bürgermeisters unzufrieden ist. „85 Prozent der Mieter haben für Herrn Dengg unterschrieben. Wir möchten kein Spielball sein, sondern sind zufrieden, dass es endlich bergauf geht. Wir haben kein Mitspracherecht, dürfen aber fleißig zahlen.“ Es habe keine Begründung gegeben, warum Dengg jetzt gehen müsse, sagen die Mieter. Triebert: „Man hat sich auf eine Umfrage berufen, die nicht gut ausgefallen sei. Wir haben diese Umfrage im Detail aber nie gesehen.“

Waltraud Feistmantl, die landwirtschaftliche Erzeugnisse in der Markthalle anbietet, sagt: „Es soll so bleiben, wie es ist. Die Markthalle schreibt jetzt endlich mal schwarze Zahlen und jetzt muss der Marktleiter gehen?“ Ähnlich sieht man es unter anderem bei Achleitner Manufakturen. „Es geht um Existenzen. Die Markthalle ist ein sensibles Gebilde.“

Der Vorwurf, der aus den Reaktionen der Unternehmen zu hören ist, geht an die IIG und BM Georg Willi: „Hier wird drübergefahren.“ Man vermutet „politische Gründe“ hinter der Kündigung.

Der Noch-Marktleiter Kurt Dengg gibt sich zurückhaltend. Er könne die Kündigung nicht verstehen. „Wir sind voll ausgelastet. Ich bin natürlich mit Herzblut dabei und wir haben eigentlich viel bewegt.“

Rundherum brodelt auch die Gerüchteküche. Da eine Nachfolgerin schon feststehen soll (offiziell ist das noch nicht), heißt es da und dort, dass BM Willi die neue Marktleiterin persönlich gut kenne. Das treibt den sonst sehr bedachten Bürgermeister auf die Palme. „Ich kannte sie nicht, sondern habe erst bei einem Hearing das erste Mal länger mit ihr gesprochen.“

Man könne Dengg anerkennend zugutehalten, dass er mit der Markthalle schwarze Zahlen schreibe. Aber Willi möchte besagten Neustart in Verbindung mit dem Marktplatz (die TT berichtete) auch mit einem personellen Neuanfang verknüpfen. Dies sei eine Entscheidung, die er, gemeinsam mit der IIG, als Eigentümervertreter gefällt habe. Angesprochen auf die Umfrage, die offenbar mitent­scheidend für die Kündigung gewesen sein soll, sagt Willi: „Man hat die Mieter, die Kunden und auch die Innsbrucker zur Markthalle befragt. Das hat viele Potenziale aufgezeigt.“ Es habe auch einen Punkt zur Marktleitung gegeben. Das Ergebnis daraus sei für die Mieter leicht herauszufinden, sagt der Bürgermeister. Das sei die Summe jener Meinungen, die die Mieter abgegeben haben.