Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 28.08.2019


Osttirol

Protest gegen Schließung des TVB-Büros in Virgen

Vermieter wollen mit einer Unterschriftenliste die Schließungspläne verhindern. Der TVB verweist auf die schlechte Frequenz.

Das TVB-Büro im Virger Dorfzentrum hat eine ungewisse Zukunft. Der TVB spricht von baulichen Veränderungen.

© OblasserDas TVB-Büro im Virger Dorfzentrum hat eine ungewisse Zukunft. Der TVB spricht von baulichen Veränderungen.



Von Catharina Oblasser

Virgen – Neun Infobüros betreibt der Tourismusverband (TVB) Osttirol außerhalb von Lienz. Noch. Denn bei zweien davon ist die Schließung geplant: Kartitsch und Virgen. Mit Jahresende soll es die beiden Büros in der jetzigen Form nicht mehr geben, in Virgen ist das Büro schon jetzt nur noch an zwei Tagen pro Woche besetzt.

Doch dort regt sich Widerstand dagegen, dass die Gäste keinen persönlichen Ansprechpartner im Dorfzentrum mehr haben sollen. „Wir können nicht die Aufgaben des Tourismusverbandes übernehmen“, sagt Vermieterin Elke Obkircher. Mit 152 kleinen und kleinsten Beherbergungsbetrieben sei die Struktur dafür nicht da, die Vermieter hätten schon genug zu tun. Deshalb liegen im Bauernladen, in Gasthäusern oder in der Trafik Unterschriftenlisten für die Offenhaltung des TVB-Ortsbüros auf. Im Lauf der ersten Septemberwoche wollen die Vermieter die Listen entweder dem TVB oder dem Land übergeben und so ihren Protest zum Ausdruck bringen.

Mit einer Unterschriftenliste wollen die Virger Vermieter die Schließung des TVB-Büros verhindern.
Mit einer Unterschriftenliste wollen die Virger Vermieter die Schließung des TVB-Büros verhindern.
- Bauernladen Virgen

Auch der Bürgermeister der Gemeinde, Dietmar Ruggenthaler, pocht darauf, dass Touristiker und Urlauber nicht auf sich allein gestellt sein dürfen. „Die Gäste brauchen Auskünfte. Wenn das TVB-Büro geschlossen ist, werden die Trafik, die Gasthäuser oder das Gemeindeamt gestürmt.“ Es sei unerlässlich, dass der TVB in Virgen eine sinnvolle Anlaufstelle bereitstelle, ob in Form eines Büros oder auf andere Weise. „Mit guter personeller Besetzung“, fügt Ruggenthaler hinzu. Denn nicht alle Gäste seien so auf das Internet fixiert, dass sie keinen persönlichen Kontakt mehr bräuchten.

Der TVB hingegen ist beim Thema Internetinformationen davon überzeugt, dass dies die Zukunft sei. „Die Zeiten haben sich geändert, die Leute holen sich die Auskünfte nicht mehr persönlich ab“, meint TVB-Obmann Franz Theurl. Das erkenne man an der äußerst niedrigen Besucherfrequenz in den Info-Büros.

Theurls Stellvertreter Martin Gratz verweist auf die Kosten, die die Büros in den Tälern dem TVB verursachen. „Wir können nicht in jedem Dorf ein eigenes Büro haben.“ Die Lösung besteht für ihn in „Shared Jobs“, also der Kooperation mit Gemeinden und ihren Mitarbeitern.

Im Fall von Virgen ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, meint Franz Theurl. Neben dem Info-Büro befinden sich Räumlichkeiten des Nationalparks, beides zusammen ergibt eine große Fläche. „Es soll in Abstimmung mit dem Nationalpark eine bauliche Änderung geben“, kündigt der Obmann an.

Info-Stellen in zehn Gemeinden

Der Tourismusverband unterhält laut den Informationen auf www.osttirol.com zehn Anlaufstellen für Gäste und Touristiker in zehn Gemeinden: Lienz, Sillian, Obertilliach, Kartitsch, Innervillgraten, Matrei, Kals, Prägraten, Virgen und St. Jakob. Zwei davon, nämlich Kartitsch und Virgen, sollen mit Jahresende geschlossen werden. Die meisten Büros werden nicht ausschließlich vom TVB in eigenen Räumlichkeiten oder mit eigenem Personal betrieben. Es gibt Kooperationen mit Gemeinden, wo Mitarbeiter zum Teil für die Gemeinde und für den TVB arbeiten. Die Räumlichkeiten sind oft angemietet oder der TVB ist Mitbesitzer des Gebäudes. (co)




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