Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 05.09.2019


Bezirk Landeck

Neue „touristische“ Route der Reschenbahn angestrebt

Unterstützer des Projekts gehen in die Offensive: Trasse soll touristische Interessen berücksichtigen und Anschluss an die Skigebiete bieten.

Am Bahnhof Landeck müssten die Züge der künftigen Reschenbahn links in einen Tunnel abbiegen.

© WenzelAm Bahnhof Landeck müssten die Züge der künftigen Reschenbahn links in einen Tunnel abbiegen.



Von Helmut Wenzel

Nauders – Sie kommt immer mehr ins Gespräch – die bereits im 19. Jahrhundert geplante und im 20. Jahrhundert teilweise gebaute Bahnlinie Landeck – Mals. Jetzt liegt der Plan einer „touristischen Trasse“ mit Anschluss an die Skigebiete im Umfeld der rund 80 Kilometer langen Strecke vor: Unweit der Nauderer Seilbahn-Talstation soll ebenso ein Bahnhof bzw. ein „Skilift-Eisenbahn-Knoten“ gebaut werden wie bei den Skigebieten Haideralm, Schöneben, Serfaus-Fiss-Ladis und Fendels. Vom Knoten Prutz aus sollen E-Busse in Richtung Kaunertaler Gletscherskigebiet starten.

In Nauders trafen sich kürzlich Proponenten des Bahnprojekts, das zahlreiche Unterstützer nördlich und südlich des Reschen hat. Almhofwirt Hans Kröll, der sich seit Jahren mit missionarischem Eifer für den Bahnbau mit Trasse über den Reschenpass einsetzt, hieß den „kreativen Querdenker“ Architekt Michael Prachensky, die Nachbarbürgermeister Helmut Spöttl (Nauders) und Heinrich Noggler (Graun) sowie den ehemaligen Interreg-Koordinator Siegfried Gohm willkommen.

Den Entwurf zur tourismusfreundlichen Trasse hat der Außerferner Prachen­sky vorgelegt. Er schlägt vor, den Schienenstrang von Mals bis Nauders und über die Norbertshöhe nach Valsot (Unterengadin) zu bauen. Vom Engadin geht es den Inn entlang nach Pfunds, Tösens, Ried, Prutz und Landeck. Alternativ wäre, so Prachensky, eine Trasse über das Sonnenplateau möglich. Die neue Antriebstechnik „Nano Fullerene Composite mit asynchronem Linearmotor“ erlaube Steigungen von bis zu 18 Prozent. Herkömmliche Oberleitungen zur Stromversorgung der Zugsgarnitur wären damit nicht mehr nötig. Damit verbunden wäre ein Kostenvorteil, kürzere Strecken und Tunnels könnten gebaut werden.

Die beiden Bürgermeister bekennen sich „mit Nachdruck“ zu einer Streckenführung über den Reschen. „Die Reschenregion zählt rund 8000 Gästebetten. Sie darf nicht länger von der Verkehrspolitik ins Abseits gestellt werden“, sagte Bürgermeister Spöttl am Mittwoch. „Nach dem Brenner ist der Reschen die zweitwichtigste Nord-Süd-Verbindung.“

Mit seinem Grauner Kollegen Noggler sei er einer Meinung, dass die Reschenbahn „eine extrem wichtige Alternative“ zum überbordenden Individualverkehr darstelle, so Spöttl. Noggler war für die TT gestern nicht erreichbar.

„Mit einer Anbindung an das internationale Bahnnetz sind besondere touristische Vorteile verbunden. Die Region wäre nicht ausschließlich von der Straße abhängig“, resümierte Siegfried Gohm für den Arbeitskreis „Mobilita Rae­tica“, der sich mit Verkehrsfragen im Dreiländer­eck (Engadin/Münstertal, Vinschgau sowie die Bezirke Landeck und Imst) befasst.

Spöttl kündigte weitere „Reschenbahn-Gespräche“ für kommende Woche in Nauders an. Am 4. Februar 2020 ist ein Verkehrsexpertenforum zum Thema Reschenbahn bei den „Schlanderser Gesprächen“ geplant. Für das Land Tirol war dort bisher stets LHStv. Ingrid Felipe dabei. Das Land­ecker Regionalmanagement regioL bestätigte den Termin in Schlanders.