Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 06.09.2019


Bezirk Landeck

Spatenstich erfolgt: Offizieller Baustart für Silvretta-Therme

Bis zur Wintersaison 2022/23 soll in Ischgl eine neue Thermenanlage entstehen. Gestern erfolgte der offizielle Baustart für das 60-Mio.-Euro-Projekt der Silvrettaseilbahn AG.

So soll die Silvretta-Therme aussehen. Die Pläne stammen von der ARGE Krieger-Wimreite.

© Krieger-WimreiterSo soll die Silvretta-Therme aussehen. Die Pläne stammen von der ARGE Krieger-Wimreite.



Von Matthias Reichle

Ischgl – Die Silvrettaseilbahn AG verliert tatsächlich keine Zeit. Während der Spatenstichfeier schieben sich mehrmals Baufahrzeuge hinter den Medien und geladenen Ehrengästen vorbei. Für den Festakt gibt es keine Unterbrechung der Arbeiten.

In den kommenden drei Jahren wartet viel Arbeit auf die Ischgler Seilbahner – „die mit Abstand größte Investition ihrer Geschichte“, wie Vorstand Günther Zangerl betont. Über 60 Mio. Euro fließen in den Bau der neuen Silvretta-Therme, die derzeit unter dem Ortsteil Brand am so genannten Schmittaboden errichtet wird. „Donald Trump würde sagen, das wird die großartigste Therme, die die Welt je gesehen hat. Man kann das auch zurückhaltender formulieren. Wir können hier etwas schaffen, was einzigartig ist und über die Region hinaus- strahlt“, gibt sich Zangerl bescheidener als der amerikanische Präsident.

Dass es keine Kleinigkeit ist, die hier entsteht, zeigen schon die Zahlen: Es sind 75.000 m3 umbauter Raum. 1000 m2 Wasserfläche, ein 1500 m2 großer Saunabereich, eine 1300 m2 große Eislaufbahn, die rundum führt, sowie ein Veranstaltungssaal für 650 Personen sollen im Freizeitzentrum untergebracht werden. Seit dem 1. September wird gebaut.

Gestern gab es den offiziellen Baustart mit dem gemeinsamen Spatenstich der Verantwortlichen.
Gestern gab es den offiziellen Baustart mit dem gemeinsamen Spatenstich der Verantwortlichen.
- Reichle

Das Projekt wurde zweigeteilt. Heuer finden die Baugruben- und Sicherungsarbeiten statt. Die Detailplanungen für die Therme selbst sind in der Schlussphase – im kommenden Jahr wird mit dem eigentlichen Bau begonnen und mit der Bohrung von 35 Erdsonden, mit denen die Anlage später beheizt werden soll. „Sie gehen bis in eine Tiefe von 291 Metern“, wie Zangerls Vorstandskollege Markus Walser erklärt. Man will ohne fossile Brennstoffe auskommen. Bohrungen nach Thermalwasser gibt es in Ischgl allerdings nicht. Die Therme versteht sich als Wellnessanlage.

Bis zur Wintersaison 2022/23 soll sie in Betrieb gehen. Drei Jahre sind für Ischgler Verhältnisse eine lange Bauzeit. „Hannes Parth hat in vier, fünf und sechs Monaten gebaut“, erinnerte Walser an den langjährigen Vorstand, unter dem das Projekt gestartet ist und der gestern beim Spatenstich dabei war. Bei der Größe der Anlage ist das nicht möglich.

„2012 hat sich in einer Gästebefragung gezeigt, dass immer weniger Leute bereit sind, bei Schlechtwetter ins Skigebiet zu fahren“, erklärt Walser den Bedarf für die Einrichtung. Sie ersetzt das alte Hallenbad im Silvretta Center sowie das bestehende Freibad – eine Nachnutzung für die beiden Standorte gibt es noch nicht, wie Günther Zangerl erklärte.

Auch wenn es sich um das kostenintensivste Projekt in der Unternehmensgeschichte handelt – die Pardatschgratbahn war mit 35 bis 40 Millionen nicht halb so teuer –, ist der Vorstand, was die Wirtschaftlichkeit betrifft, vorsichtig. „Die Prognose ist sehr positiv. Ich gehe aber eher davon aus, dass es schwierig sein wird, eine schwarze Null zu schreiben. Ich lasse mich aber gerne überraschen.“

Die neue Silvretta-Therme wird deutlich kleiner als die nächste Anlage in Längenfeld – der Aqua Dome. „Wir könnten gar nicht so groß bauen, um die Spitzen in Ischgl mit 11.000 Gästen abzufangen“, betont Zangerl. „Es ist schon jetzt eine Herausforderung vom Betrieb her.“

Für Bürgermeister Werner Kurz ist das Projekt Silvretta-Therme erfreulich. „Es ist super, nicht nur für die Gäste, sondern auch für die Einheimischen und Schulen.“ Darüber hinaus gibt es 60 bis 80 Arbeitsplätze, die Kommunalsteuer fließt wieder in den Klingelbeutel der Gemeinde.