Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 17.09.2019


Tirol

Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel in der Gastronomie umstritten

53 Prozent von 892 TT-Lesern wollen, dass die Herkunft der Lebensmittel auf der Speisekarte steht, 27 Prozent würden Wirte belohnen, die auspreisen und 20 Prozent meinen, das sei zu viel an Bürokratie.

© iStock53 Prozent von 892 TT-Lesern wollen, dass die Herkunft der Lebensmittel auf der Speisekarte steht, 27 Prozent würden Wirte belohnen, die auspreisen und 20 Prozent meinen, das sei zu viel an Bürokratie.



Letzte Woche hatte Landwirtschaftskammer-Präsident Josef Hechenberger vorgeschlagen, eine Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel auch in der Gastronomie einzuführen. Der Konsument wolle auf der Speisekarte lesen, woher Fleisch, Ei und Co kämen, meinte Hechenberger. Nach einer Übergangsfrist von zwei bis drei Jahren hält er das für umsetzbar. Widerstand gibt es nun von seinem Parteifreund aus Kitzbühel, Wilhelm Steindl. Hechenberger und er rittern um ein ÖVP-Mandat im Nationalrat. Steindl warnt davor, Bauern und Tourismus im Wahlkampf gegeneinander auszuspielen. Viele Betriebe würden freiwillig die Herkunft der verarbeiteten Lebensmittel bekannt geben. „Dazu braucht es keinen Zwang", meint Steindl. „Was ich mir als Gastronom wünschen würde, ist, dass es gelingt, die Suche nach kleinen Erzeugerbetrieben zu vereinfachen." Grundvoraussetzung sei zudem, „dass heimische Produkte ausreichend zur Verfügung stehen".

Rückenwind für Hechenberger kommt von den Grünen. „Gerade nach den ganzen Fleischskandalen, wie beispielsweise die Einfuhr von minderwertigem Hendlfleisch durch Umgehung der EU-Vorschriften aus der Ukraine, ist es unsere Pflicht, für völlige Transparenz im Sinne des Konsumentenschutzes zu sorgen", sagt der grüne Landwirtschaftssprecher im Tiroler Landtag, Georg Kaltschmid. Der Konsument müsse wissen, woher sein Schnitzel komme. Dementsprechend wollte Kaltschmid zwei Anträge auf Kennzeichnungspflicht für Lebensmittel in der Gastronomie im Landtag einbringen, scheiterte aber im Vorfeld am Widerstand der Wirtschaftskammer. „Es heißt immer, Österreich hätte nicht so viel Fleisch zur Verfügung. Als Wirt kann ich sagen, dass Gäste durchaus Verständnis haben, dass sie nicht jeden Tag ein Filetsteak bekommen, wenn man ihnen erklärt, dass man auf Regionalität setzt", sagt Kaltschmid. (aheu)

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