Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 30.09.2019


Tirol

Ausbildung als Schlüssel am Wachstumsmarkt Indien

Der Haller Maschinenbauer Felder investiert im indischen Chennai in die Aufstiegschancen benachteiligter Jugendlicher – und profitiert davon.

Mädchen und Burschen machen am Don Bosco Technical Campus in Chennai die Ausbildung in der Holzverarbeitung und haben bessere Jobchancen.

© JugendEineWeltMädchen und Burschen machen am Don Bosco Technical Campus in Chennai die Ausbildung in der Holzverarbeitung und haben bessere Jobchancen.



Von Cornelia Ritzer

Wien — Indien ist geographisch weit von Tirol entfernt, für die in Hall ansässige Felder Group ist der Markt trotzdem kein Neuland. Bereits seit dem Jahr 2000 ist das Familienunternehmen am Subkontinent tätig. Mehr als 3500 Holzverarbeitungsmaschinen wurden dort bereits verkauft, die neue Mittelschicht und der Bedarf an Einrichtung und Möbeln pushen die Nachfrage. Doch wie auch in Österreich sind die Fachkräfte, die Tischler und Möbelproduzenten, rar. Großteils fehle schlicht das Wissen zur fachgerechten Bedienung der komplexen Maschinen. Das Tiroler Unternehmen will helfen, dieses Know-how mit aufzubauen: So wie man am Heimatmarkt viel in die Ausbildung investiere, sollte das auch am Wachstumsmarkt Indien geschehen.

„So etwas kann man nicht alleine durchziehen", erinnert sich Felder-Group-CEO Hansjörg Felder an den Projektstart. 2017 eröffnete der Maschinenbauer in der indischen Hafenstadt Chennai eine Niederlassung — insgesamt gibt es in Indien vier Büros mit rund 90 Mitarbeitern — und kam in Kontakt mit dem Don Bosco Technical Campus. Hunderte Jugendliche erhielten in dem Zentrum bereits eine Ausbildung, Mädchen und Burschen aus armen Verhältnissen, die ansonsten auf einfache Hilfstätigkeiten abonniert wären. Auf Initiative des Haller Unternehmens und mit Unterstützung der österreichischen Entwicklungsagentur ADA wurde ein neuer Zweig in der Holztechnologie geschaffen. Felder und ADA teilen sich die Kosten von je 200.000 Euro für drei Jahre.

Die Ausbildungen – zum Tischler oder zum Maschinenbediener – sind praxisnah, jährlich absolvieren 25 Jugendliche den Lehrgang.
Die Ausbildungen – zum Tischler oder zum Maschinenbediener – sind praxisnah, jährlich absolvieren 25 Jugendliche den Lehrgang.
- JugendEineWelt

Für Felder, der oft nach Indien reist und das Land gut kennt, eine Aufstiegschance für junge Menschen, die etwas erreichen wollen. „Eine Ausbildung bedeutet für sie und ihre Familien einen kleinen Wohlstand. Sie können nicht nur überleben, sondern gut leben", erzählt er. Die Jugendlichen — jährlich können 25 junge Leute ausgebildet werden — bekommen dank der erlernten Fähigkeiten die Chance auf einen gut bezahlten Job, gleichzeitig können lokale Produzenten hochwertigere Produkte herstellen, die Wertschöpfung vor Ort wächst. Und es gibt bereits Pläne, das Projekt aufzustocken. So soll den jungen Menschen das Arbeiten mit noch anspruchsvolleren Maschinen gelehrt werden.

Vergangene Woche fand am Haller Firmengelände ein Praxisaustausch zum Thema statt. „Bis jetzt geht unser Plan sehr gut auf", kann Unternehmens-CEO Felder interessierte Unternehmen für die Idee einer Wirtschaftspartnerschaft begeistern. Laut Gunter Schall, Leiter der Abteilung Wirtschaft in der ADA, sollen ähnliche Veranstaltungen in den Bundesländern öfter stattfinden.

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Wirtschaft ist Partner für Entwicklung

Wien — Sinnvoll Geld investieren und dabei gegen Armut ankämpfen — das kann mit einer so genannten Wirtschaftspartnerschaft gelingen. Die Austrian Development Agency (ADA) unterstützt nachhaltige Projekte von Unternehmen, allein 2017 wurden rund 6 Mio. Euro Fördergelder ausbezahlt. Seit 2004 wurden über 200 Kooperationen gestartet, fast die Hälfte davon (47 Prozent) in Südost- und Osteuropa. Derzeit laufen 99 aktive Projekte. Wirtschaftspartnerschaften sind in allen Entwicklungs- und Schwellenländern möglich. Bildung, Land- und Forstwirtschaft sowie Energie und Umwelttechnologie sind bisher die wichtigsten Themen. Ein Großteil der Engagements — 78 Prozent — gehen von Kleinstunternehmen (bis 9 Mitarbeiter) und Klein- und Mittelunternehmen (bis 49 Mitarbeiter bzw. bis 249 Mitarbeiter) aus. (TT)