Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 01.10.2019


Buch

Das feine Handwerk in Tirol: 20 Handwerksbetriebe im Porträt

Susanne Gurschler porträtiert in ihrem neuen Buch „Handwerk in Tirol“ 20 Handwerker aus ganz verschiedenen Professionen, die eines verbindet: ihre große Leidenschaft.

Der in Innsbruck ansässige Blechblasinstrumentenbauer Benedikt Sonnleitner ist nur einer von 20 kreativen Tiroler Handwerkern, die im neuen Prachtband vorgestellt werden.

© Kary WilhelmDer in Innsbruck ansässige Blechblasinstrumentenbauer Benedikt Sonnleitner ist nur einer von 20 kreativen Tiroler Handwerkern, die im neuen Prachtband vorgestellt werden.



Von Jara Majerus

Innsbruck – Traditionsreich, aber auf keinen Fall altbacken, klein, aber fein. So präsentieren sich viele Handwerksbetriebe in Tirol. Mit handgemachten Produkten, in denen Individualität, Leidenschaft und Affinität zur Technik stecken.

Eben dieser Mix aus Passion und Können begeisterte die Autorin Susanne Gurschler. In ihrem neuen Buch „Handwerk in Tirol“ (erschienen im Tyrolia-Verlag) erzählt sie die Geschichte hinter insgesamt 20 Tiroler Handwerksbetrieben und porträtiert die Menschen hinter den Berufen. Knapp ein Jahr lang hat sie dafür recherchiert. Leder, Holz, Metall, Stein, Porzellan, Glas, Seife: Diese und andere Materialien, mit denen Handwerker und Handwerkerinnen in Tirol arbeiten, bildeten die Basis für ihre Suche nach spannenden Betrieben. Sie besuchte die Werkstätten und machte sich ein Bild von den Meistern und ihren Metiers.

Die Bandbreite ist enorm: vom Innsbrucker Lederdesigner Gregor Mair über die Handweberin Regina Knoflach aus Igls, den bekannten Steindrucker Günther Stecher aus Affenhausen oder den Pfeifenmacher Ludwig Lorenz aus Götzens bis hin zur Holzschuherzeugerin Iris Waltl aus Hochfilzen. Doch auch wenn die Protagonisten und ihre Handwerke nicht unterschiedlicher sein könnten, hätten sie doch eines gemeinsam, meint Gurschler – die Leidenschaft für den Beruf, die Begeisterung für ihre Materialien, aus denen sie kleine Kunstwerke kreieren. Eben diese Kunstwerke begeistern die Autorin: „In handgefertigten Produkten steckt eine ganz andere Wertigkeit als in rein maschinell gefertigten. Es ist wichtig, dass wir diese Wertigkeit wieder schätzen lernen. “

Die Handwerker würden sich jedoch nicht stur in Traditionen verbeißen, sondern seien ständig auf der Suche nach neuen Herangehensweisen und würden sich so einen Platz in der heutigen Welt schaffen, sagt Gurschler.

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So funktionierte der junge Blechblasinstrumentenbauer Benedikt Sonnleitner eine ehemalige Wohnung in Innsbruck zu seiner eigenen kleinen Werkstatt um. Der Axamer Lampendesigner Stefan Fuchs hingegen tüftelt manchmal in der Gemeinschaftswerkstatt „Werkstattcouch“ im Innsbrucker Stadtteil Hötting vor sich hin und tauscht dort sein Wissen mit anderen aus.

„Mit Großproduzenten und Massenfertigung können die Handwerker mit ihren kleinen Betrieben nicht mithalten. Das ist auch gar nicht sinnvoll“, erklärt die Autorin. „Sie können sich nur durch die hohe Qualität und Individualität ihrer handgemachten Produkte behaupten.“

Das Interesse an den traditionellen Berufen und die Begeisterung für die feinen Produkte seien in der Bevölkerung durchaus vorhanden. Die kleinen Kunstwerke lediglich zu bestaunen, reiche aber nicht aus. Gurschlers Appell: „Wenn wir wollen, dass Handwerker weiter ihrer Arbeit nachgehen und ihr Wissen weitergeben können, dann müssen wir auch ihre Erzeugnisse kaufen.“ Für sie ist klar: Berufe wie etwa Glasbläser, Seifensieder oder Federkielsticker sind keine Liebhabereien. „Die Handwerker lieben ihren Beruf nicht nur, sie wollen auch von ihm leben.“

Die Autorin nennt noch einen Grund, warum die Unterstützung der Handwerker so wichtig sei: „Wenn die Handwerksberufe sterben, dann stirbt auch das Wissen um die Technik dahinter. Dann kann man die Berufe irgendwann nur noch im Museum sehen.“ Handwerk sei auch lebendiges Kulturgut und ein wichtiger Teil der Tiroler Identität. „Jeder Konsument kann im Kleinen etwas dafür tun, dass diese Handwerksbetriebe weiterhin existieren.“

Übrigens: Am Donnerstag, den 17. Oktober, präsentiert Gurschler ihr Werk in der Buchhandlung Tyrolia in Innsbruck, Maria-Theresien-Straße 15 (Beginn: 19.30 Uhr).