Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 02.10.2019


Osttirol

Touristische Wertschöpfung stieg in Osttirol am stärksten

Laut MCI-Studie ist Osttirol Spitzenreiter bei der Umsatzsteigerung pro Bett und Nacht. Die absoluten Zahlen trüben das Bild ein wenig.

Viele Vermieter haben in den letzten Jahren sehr stark in die Qualität ihrer Unterkünfte investiert: Hier das Antonius-Appartement der Familie Kaplenig in Lavant.

© Armin BodnerViele Vermieter haben in den letzten Jahren sehr stark in die Qualität ihrer Unterkünfte investiert: Hier das Antonius-Appartement der Familie Kaplenig in Lavant.



Von Catharina Oblasser

Lienz – Möglichst viel Umsatz pro Bett und Gast zu erreichen, das ist das Ziel im Tourismus. Je höherpreisig die Unterkunft, desto größer die Wertschöpfung, lässt sich allgemein sagen. Und bei dieser Wertschöpfung hat der Bezirk Lienz die Nase vorn, teilt der Tourismusverband Osttirol mit. Er bezieht sich dabei auf die neuesten Studien „Destination Research“ des Management Center Innsbruck (MCI). Verglichen wurden die 34 Tiroler Tourismusregionen. Es handelt sich um eine Prognose, da die tatsächlichen Zahlen noch nicht vorliegen.

Laut MCI haben die Beherbergungsbetriebe Osttirols ihren Umsatz pro Nächtigung seit 2005 um knapp 27,5 Prozent steigern können. Das ist die höchste Steigerungsrate unter allen 34 Regionen. Der Tiroler Durchschnitt liegt bei 11,67 Prozent Plus. „Damit hat Osttirol alle Top-Destinationen des Landes hinter sich gelassen“, ist TVB-Obmann Franz Theurl stolz.

Er führt dieses Ergebnis auf die Investitionen der Beherberger in Qualität zurück. „Sehr viele Hoteliers, Privatzimmer- und Ferienwohnungsvermieter haben in den letzten Jahren investiert, um ihre Betriebe auf einen hohen Standard zu heben.“ Ein zweiter Grund für die gute Entwicklung sei die wachsende Beliebtheit der Destination Osttirol, meint der TVB-Obmann. Das mache sich in den steigenden Nächtigungszahlen bemerkbar. Laut den MCI-Daten, die unter www.ttr.tirol zu finden sind, konnte der Bezirk im vergangenen Jahr 2,106 Millionen Übernachtungen verbuchen, damit liegt Osttirol auf Platz acht unter den 34 Tourismusregionen. Die Sommersaison dominiert: 57 Prozent der Nächtigungen fallen in den Sommermonaten an, 43 Prozent im Winter.

Franz Theurl bezeichnet es als überaus wichtig, sich auf die Steigerung der Umsätze zu konzentrieren, nicht bloß auf Nächtigungszuwächse. „Die Bewusstseinsbildung Richtung Wertschöpfung gilt es zu forcieren, auch um die positive Stimmung zum Tourismus hochzuhalten“, sagt er. „Karrt man nur massenhaft Billigtouristen ins Land, mit denen niemand was verdient, droht die Tourismusgesinnung zu kippen.“

Dennoch hat die Top-Steigerungsrate bei den Umsätzen pro Bett und Nacht auch eine Kehrseite. Zwar ist ein Plus von 27,5 Prozent eine schöne Zahl, doch in Geld ausgedrückt sind das nicht einmal zehn Euro. Andere Tourismusregionen mit geringeren prozentuellen Steigerungen verzeichnen an dieser Stelle Summen von 10,40 Euro, von 13,29 oder sogar 20,10 Euro. Laut MCI-Zahlen hat Osttirol in den letzten fünf Jahren Gästebetten verloren. Das gilt allerdings für jede zweite Tourismusregion.

Besonders unerfreulich ist die Zahl von nur 108 Vollbelegstagen, die Osttirol an das unterste Ende der Skala verweist – ebenso wie der Umsatz pro Bett von nur 6185 Euro. 27 der 34 Tourismusregionen schneiden besser ab.