Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 02.10.2019


Standort Tirol

Novartis bringt slowenisches Penicillin-Werk nach Kundl

Konzern verlagert Fertigformproduktion nach Kundl. Die Job-Umwälzungen an Tiroler Standorten dürften aber aufrecht bleiben. Sozialplan wurde fixiert.

Das Novartis-Werk in Kundl: Von Slowenien wird die Antibiotika-Fertigformproduktion ins Tiroler Unterland verlagert.

© Sandoz GmbHDas Novartis-Werk in Kundl: Von Slowenien wird die Antibiotika-Fertigformproduktion ins Tiroler Unterland verlagert.



Von Max Strozzi

Kundl – Der slowenische Pharmakonzern Lek, der zur Novartis-Gruppe gehört, wird innerhalb von zwei Jahren die Antibiotika-Produktion in seinem Werk in Prevalje einstellen. Die dortige Penicillin-Produktion wird an den Tiroler Standort in Kundl verlagert, berichtete die slowenische Nachrichtenagentur STA. Auf TT-Anfrage bestätigte die Geschäftsführung der Tiroler Novartis-Standorte Kundl und Schaftenau die Pläne. „Für Kundl ist das natürlich sehr positiv“, erklärte Geschäftsführer Michael Kocher.

In Kundl wird zum einen der Antibiotika-Wirkstoff selbst produziert, zum anderen die Antibiotika-Fertigformen. Von Slowenien wird die Fertigformproduktion nach Tirol verlagert. „Damit können wir die Auslastung in Kundl hochfahren“, so Kocher. Die Verlagerung sei ein Prozess über zwei bis drei Jahre. In der Fertigformproduktion in Kundl – in dem Bereich sind einige hundert Mitarbeiter beschäftigt – könne man mit dem gleichen Mitarbeiterstand oder sogar zusätzlichen Beschäftigten arbeiten. An den geplanten Job-Umwälzungen an den Novartis-Standorten Kundl und Schaftenau dürfte diese Verlagerung aber kaum etwas ändern. Das eine habe mit dem anderen nichts zu tun, so Kocher.

Kundl und Schaftenau sind der weltweit größte Produktionsstandort des Schweizer Pharmariesen und beschäftigen gemeinsam mehr als 4000 Mitarbeiter. Ende 2018 wurde – noch unter der alten Führung – bekannt, dass im Kundler Antibiotika-Werk 300 Mitarbeiter abgebaut werden, dafür im Biosimilars-Werk Schaftenau um 200 Jobs aufgestockt wird. Zudem will Novartis heuer und 2020 insgesamt 400 Mio. Euro in Tirol investieren.

Arbeitnehmervertreter gingen zuletzt von einem größerem Jobabbau in Kundl aus, wie aus der jüngsten Betriebszeitung hervorgeht. „Am Standort Kundl werden wir mehr als die 300 Stellen verlieren. Das geht aus den Ankündigungen der letzten Monate hervor“, informierte der Betriebsrat darin die Mitarbeiter. Allerdings würden jährlich 150 Mitarbeiter das Unternehmen freiwillig verlassen (Pension, Firmenwechsel, etc.) – was über zwei bis drei Jahre 300 bis 450 Jobs entspricht. Zudem würden eben 200 Jobs in Schaftenau geschaffen. Durch diese Effekte – natürliche Fluktuation und neue Schaftenau-Jobs – seien in den nächsten Jahren somit 500 bis 650 Stellen zu besetzen. Für die Novartis-Standorte Kundl und Schaftenau sei ein externer Aufnahmestopp verhängt worden, um diese freien Stellen intern zu besetzen. Die Novartis-Konzernspitze würde trotz des Jobabbaus in Kundl weiter großes Potenzial sehen, hielt der Betriebsrat fest.

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Fix ist: Betriebsrat und Geschäftsführung haben einen (ab 1.9. auf drei Jahre ausgelegten) Sozialplan verhandelt. Bei größeren Betriebsänderungen ist er gesetzlich vorgeschrieben. Wie viele letztlich tatsächlich den Sozialplan in Anspruch nehmen werden, ist offen.




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