Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 04.10.2019


Bezirk Schwaz

Spatenstich in Fügen: Sozialer Wohnbau unter Druck

Die Hochkonjunktur in der Baubranche sorgt für steigende Preise. Darunter leiden auch soziale Wohnbauträger.

Marco Schmitt (slw), BM Dominik Mainusch, Hannes Gschwentner und Architekt Günther Gasteiger (v. l.) beim Spatenstich in Fügen.

© DählingMarco Schmitt (slw), BM Dominik Mainusch, Hannes Gschwentner und Architekt Günther Gasteiger (v. l.) beim Spatenstich in Fügen.



Von Angela Dähling

Fügen – Das Wohnen leistbarer zu machen, wird angesichts der Hochkonjunktur der Baubranche immer schwieriger. Das verdeutlichte Hannes Gschwentner, Geschäftsführer der Neuen Heimat Tirol, gestern einmal mehr in Fügen.

„Das ist ein sehr, sehr schwieriges Jahr für uns. Wir müssen Richtung Jahresende erkennen, dass es an allen Enden zwickt und die Projekt­abwicklungen immer teurer werden“, sagte er. Die Neue Heimat muss aber die Baukosten einhalten, allein schon um wohnbauförderungswürdig zu bleiben. „Das führt zu Projektüberarbeitungen und Nachverhandlungen, was bis zu sechs Monate dauert“, erklärt Gschwentner, warum Fertigstellungstermine nicht halten. Es wisse von anderen Bauträgern, dass diese daher auch Projekte aufs nächste Jahr verschieben mussten.

Jährlich im Frühsommer werde bei einer Fachausschusstagung von Kammer, gemeinnützigen Bauträgern, Wirtschafts-, Arbeiter- und Landwirtschaftskammer sowie Landesvertretern beraten, um wie viel die Baukosten für sozialen Wohnbau erhöht werden dürfen. „Heuer sind es 2,5 Prozent“, so Geschwentner. Real seien es in der Baubranche aber um die acht Prozent. „Da kriegt man kaum mehr Angebote. Aber wir wollen unsere Qualität auch nicht verschlechtern.“

Bürgermeister LA Dominik Mainusch betonte: „Politisch müssen wir die Auflagen und Vorgaben für Bauwerber reduzieren.“ Auch durch Vertragsraumordnung und Förderungen wolle man den gestiegenen Wohnpreisen entgegenwirken.

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In Fügen hat die NHT mit dem Bau einer Wohnanlage mit 18 Wohnungen gestartet. Die Baukosten liegen bei 4,2 Mio. Euro. Der Mietpreis (warm inkl. Anstellplatz) soll zwischen acht und neun Euro pro Quadratmeter liegen. „Immer noch ein hoher Preis, aber darunter ist es nicht mehr machbar“, meinte Gschwentner. „Weit unter sonst üblichen Mietpreisen“, bezeichnete es indes Mainusch. Dass es 80 Bewerber für die 18 Wohnungen gibt, zeigt, wie hoch der Bedarf ist. Die Nettonutzflächendichte liegt bei 0,7 und ist laut BM Mainusch die höchste, die in seiner Amtszeit genehmigt wurde. Ein Grund sei der Baurechtszins, der einst für den Grund beim Stollenberghaus mit den Sozialen Diensten der Kapuziner (slw) vereinbart wurde. Da sollte das Projekt einst verwirklicht werden. Weil der Platz dem neuen Gemeinderat nicht geeignet erschien, kam es zu einem Grundtausch. Die slw erhielten stattdessen den nunmehrigen Grund im Feldweg.