Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 03.10.2019


Osttirol

Lienz: Neue Hoffnung nach Jahren der Arbeitslosigkeit

Die Einrichtung „Bora“ will Langzeitarbeitslose in die Gesellschaft zurückführen und sie jobfit machen. Die Teilnahme ist freiwillig.

Freuen sich über die offizielle Eröffnung: Mitarbeiterin Gabriela Seifert, Sabine Platzer-Werlberger vom AMS Tirol, die Mitarbeiter Burgi Waldnig und Karl Zabernig, Hannes Riedl vom der Trägereinrichtung „itworks“ und Otto Plattner vom AMS Lienz (v. l.).

© OblasserFreuen sich über die offizielle Eröffnung: Mitarbeiterin Gabriela Seifert, Sabine Platzer-Werlberger vom AMS Tirol, die Mitarbeiter Burgi Waldnig und Karl Zabernig, Hannes Riedl vom der Trägereinrichtung „itworks“ und Otto Plattner vom AMS Lienz (v. l.).



Von Catharina Oblasser

Lienz – An die 300 Menschen sind beim AMS Lienz zurzeit als langzeitarbeitslos vorgemerkt – das heißt, sie suchen seit mehr als einem Jahr vergeblich Arbeit. Etwa 100 von ihnen sind seit zwei Jahren oder länger ohne Job. Für sie gibt es eine neue Betreuungseinrichtung namens „Bora“ (das steht für Beratung – offener Raum – Aktivierung). Sie befindet sich im Dolomitencenter und wird von einem Sozialberater-Team geführt: Gabriela Seifert, Burgi Waldnig und Karl Zabernig.

Am Mittwoch fand die offizielle Eröffnung statt, dabei waren Sabine Platzer-Werlberger und Otto Plattner vom AMS, Hannes Riedl von der Trägerorganisation „itworks“, die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik sowie Vertreterinnen anderer sozialer Einrichtungen im Bezirk.

Das Besondere an „Bora“: Die Menschen werden zwar vom AMS zugewiesen, doch die Teilnahme ist freiwillig. In der Folge hat „Bora“ auch keine Vermittlungsquoten zu erfüllen, wie Sabine Platzer-Werlberger erklärt. „Und das Ziel ist nicht in erster Linie, die Klienten sofort in einen Job zu bringen“, führt Hannes Riedl aus. „Zuerst sollen die Vermittlungshemmnisse abgebaut werden.“ Was das konkret heißt, beschreibt Karl Zabernig: „Wir versuchen, die Leute in ihrem Alltag zu stabilisieren, sie wieder am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu lassen, sie zu stärken und ihnen Selbstvertrauen zurückzugeben.“ Das sind die Voraussetzungen, um überhaupt an ein Berufsleben denken zu können. Denn Monate und Jahre der vergeblichen Jobsuche lassen viele Arbeitslose verzweifeln und rauben ihnen jedes Selbstwertgefühl.

Bei „Bora“ gibt es Workshops zu Bewegung und Ernährung, es gibt Museumsbesuche oder EDV-Kurse. „Unser typischer Klient ist männlich, über 50, mit einem Bandscheibenleiden oder einer psychischen Beeinträchtigung“, schildert Zabernig.

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Im Mai hat das Büro im Dolomitencenter die Arbeit aufgenommen, 65 Personen werden betreut. Voraussetzung ist, dass man seit mindestens zwei Jahren arbeitslos ist, gesundheitlich eingeschränkt, über 45 Jahre und dass man über keine höhere Ausbildung verfügt. Finanziert wird das Projekt vom AMS.

„Bora“ gibt es auch in Innsbruck und Wörgl. In Lienz ist die Situation jedoch dramatischer. „Am Arbeitsmarkt läuft es zwar zurzeit gut, aber trotzdem ist in Osttirol die Vormerkdauer der Arbeitslosen immer noch doppelt so hoch wie im Tirol-Schnitt“, weiß Sabine Platzer-Werlberger.