Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 03.10.2019


Kufstein

Glaspapst Georg Riedel: „Nie Wein aus zweitklassigen Gläsern“

Glaspapst Georg Riedel, soeben mit dem Ehrenring der Stadt Kufstein ausgezeichnet, sieht die Zentrale der weltbekannten Glashütte auch langfristig in Tirol. Die nächste Generation führe das Unternehmen hervorragend.

Wein-Sir Georg Riedel sieht sich selbst als „sehr ehrgeizig und eigentlich mit Erreichtem immer auch noch nicht zufrieden“.

© Riedel GlasWein-Sir Georg Riedel sieht sich selbst als „sehr ehrgeizig und eigentlich mit Erreichtem immer auch noch nicht zufrieden“.



Von Alois Vahrner

Kufstein – Es ist eine Unternehmens- und Familiengeschichte im Zeichen des Glasmachens, die 263 Jahre zurückreicht: Johann Christoph Riedel begründete 1756 im nördlichen Böhmen die Glas-Dynastie. Die Familie musste im 2. Weltkrieg flüchten, Claus Riedel begründete in den 1950er-Jahren mit Hilfe der ursprünglich ebenfalls aus Böhmen stammenden Familie Swarovski und der Übernahme der bankrotten Glashütte in Kufstein einen Neubeginn in Tirol.

Claus Riedel verband Glashandwerk mit Kunst, sein Sohn Georg Riedel als Vertreter der bereits zehnten Generation verband dies noch dazu mit neuester Technik und Kaufmannskunst – der weltweiten Expansion, der Markenpflege und der Übernahme von Nachtmann und Spiegelau in Deutschland. Heute hat die Gruppe 1100 Mitarbeiter und setzte zuletzt 258 Mio. Euro um. Das Ruder der Firma hat Georg Riedel bereits vor einigen Jahren an seinen Sohn Maximilian J. Riedel übergeben, die Tochter Laetizia Riedel-Röthlisberger kümmert sich um die juristischen Belange.

Jüngst ist Georg Riedel pünktlich zu seinem 70er mit dem Ehrenring der Stadt Kufstein ausgezeichnet worden. Das sei „etwas Einzigartiges“, zeigt sich Riedel gegenüber der TT stolz und dankbar. Riedel Glas sei zwar international sehr bekannt und eine „Perle“, er selbst sei aber wegen seiner vielen Reisen, „obwohl ich seit 53 Jahren mit Leib und Seele Kufsteiner bin, zu selten da gewesen, dass ich nicht einmal dem Rotary-Club beitreten konnte“.

Die Familie sei immer an erster Stelle gestanden. Umso schöner sei es, dass sein Sohn die Gruppe ausgezeichnet führe und er heute auch schon fünf Enkel habe (vier Buben und ein Mädchen im Alter von 3 bis 14 Jahren) und somit auch die zwölfte Generation bereits in den Startlöchern stehe. „Toll ist, dass die gesamte Familie sogar freiwillig und gern gemeinsam Urlaub macht.“

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Er selbst sehe sich mittlerweile „am Spielfeldrand, auch wenn Ruhestand nicht mein Metier ist und ich heute mehr denn je arbeite“.

Unternehmen bräuchten ständige Innovation, seine sei auch der Versuch der „Demokratisierung elitären Genießens“ gewesen. Weingenuss sei „Emotion im Glas“, da habe man viel drauf und das habe man in die Welt getragen. Riedel selbst trinkt, wie er sagt, möglichst „nie Wein aus zweitklassigen Gläsern“.

Es gebe Umwälzungen im Handel, gleichzeitig aber Weingenuss auf immer breiterer Front in der Gastronomie und selbst auf vielen Skihütten. Zudem würden Länder wie China, das nach Spanien die zweitgrößte Wein-Anbaufläche der Welt habe, immer interessanter, so Riedel.