Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 18.10.2019


Standort Tirol

Traumjob im Tourismus mit Barrieren

Knapp zwei Drittel der Lehrlinge in Gastronomie und Hotellerie planen den Absprung. Das ergab eine Studie der Tiroler AK.

Lehrlinge im Tourismus fühlen sich oft nicht gut betreut.

© Getty ImagesLehrlinge im Tourismus fühlen sich oft nicht gut betreut.



Innsbruck – Eine Ausbildung im Tourismus ist abwechslungsreich – die Rahmenbedingungen in Hotels und Restaurants machen die Jobs aber oft unattraktiv. Laut AK hat sich die Zahl der Lehrlinge in Tourismusberufen in Tirol von 2060 (im Jahr 2008) auf 1060 (2018) halbiert. Auch die Schülerzahlen in den Tiroler Tourismusschulen seien gesunken, und zwar von 1572 im Schuljahr 2009/10 auf 1103 im Schuljahr 2019/20.

Das Bewusstsein in der Branche sei in den letzten Jahren zwar gestiegen, berichtet Tirols AK-Präsident Erwin Zangerl. Aber: „Arbeitszeit inklusive unbezahlter Überstunden, die Ausbildung oder Wertschätzung und Kommunikation im Betrieb sind Dauerbrenner bei den Beschwerden in der AK-Jugendabteilung.“ Vor diesem Hintergrund beauftragte die Tiroler AK das Österreichische Institut für Berufsbildungsforschung mit der Studie „Ausbildung und Branchenerfahrung im Tiroler Tourismus“. Die Studienautoren befragten 307 Tiroler Lehrlinge sowie Schüler im letzten Ausbildungsjahr.

Die Studie zeige, dass die Jugendlichen die Betreuung im Betrieb unterschiedlich empfinden – je nachdem, ob sie Lehrlinge oder Praktikanten sind. So werden sämtliche Fragen zur Arbeitszeit, zur Wertschätzung der Arbeitsleistungen durch die Vorgesetzten, zum Führungsstil oder zur Betreuung durch die Ausbildungsverantwortlichen von Schülern deutlich positiver beantwortet als von Lehrlingen. Nur etwa die Hälfte der Lehrlinge gibt an, dass sie sich von ihren Ausbildern gut unterstützt fühlen.

Trotzdem ist für etwa die Hälfte der Tiroler Schüler die Ausbildung in hohem Maße auch die Wunschausbildung. Bei den Lehrlingen sagen sogar 57 Prozent, dass sie ihren Berufswunsch verwirklichen konnten. Doch nach der Ausbildung planen gut zwei Drittel der Lehrlinge, nicht in diesem Bereich weiter arbeiten zu wollen.

„Natürlich wissen wir, dass die Betreuung der Lehrlinge enorm wichtig ist“, reagiert der Wirtschaftskammer-Spartengeschäftsführer Peter Trost. Dass auch die AK erkenne, dass bei der Ausbildung viel verbessert wurde, freut den Branchenvertreter. Immer mehr Betriebe lassen sich als „ausgezeichneter Tiroler Lehrlingsbetrieb“ zertifizieren, das ist für Trost ein Zeichen, „dass das Bewusstsein der Unternehmer für eine hohe Qualität bei der Ausbildung 100-prozentig vorhanden ist“. (ritz)