Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 21.10.2019


Standort Tirol

Neues Lagerhaus wirft alte Fragen auf

Die Raiffeisengenossenschaft Osttirol ist mit allen ihren Einrichtungen an den Stadtrand gezogen, zuletzt mit dem neuen Lagerhaus. Was mit den leerstehenden Flächen in der Stadt geschieht, ist immer noch offen.

Modern, groß und stattlich präsentiert sich das neue Raiffeisen-Lagerhaus an der B100. Es wurde vergangenen Freitag offiziell eröffnet.

© OblasserModern, groß und stattlich präsentiert sich das neue Raiffeisen-Lagerhaus an der B100. Es wurde vergangenen Freitag offiziell eröffnet.



Von Catharina Oblasser

Lienz – Die Übersiedlung ist geglückt: Die Raiffeisengenossenschaft Osttirol (RGO) verfügt nun über ein Zentrum am Stadtrand von Lienz, direkt an der Drautalbundesstraße B100, das (fast) alle Geschäftssparten auf einem Fleck vereint. Die Vieh-Versteigerungshalle, die Tankstelle, eine Kfz- und Landmaschinenwerkstatt und nun auch das Lagerhaus, das vergangenen Freitag offiziell eröffnet wurde.

Auf 1500 Quadratmetern Verkaufsfläche finden sich dort auch die Produkte von Karnerta und der Tirol Milch, die bisher separat untergebracht waren. „Es gibt gemeinsame Kassen für alle Waren“, erklärt RGO-Geschäftsführer Thomas Diemling. „Im Obergeschoß des Gebäudes ist unsere Verwaltung untergebracht.“ Anders als am früheren Standort stehen jetzt genug Parkplätze zur Verfügung, 70 im Freien und 60 in der Parkgarage. Geheizt und gekühlt wird das neue Lagerhaus mit Hilfe eines Grundwasserbrunnens, sagt der Geschäftsführer. Rund sechs Millionen Euro wurden investiert, für die Architektur zeichnet das Büro Machne und Glanzl verantwortlich.

Um das Agrarzentrum zu vervollständigen, hat auch die Bezirksstelle der Landwirtschaftskammer ihr neues Büro vor Ort. Der Maschinenring ist schon länger dort vertreten. Einzig der Baumarkt der Raiffeisengenossenschaft ist in Dölsach verblieben.

Die Verlegung der RGO-Teilbereiche an den Stadtrand hat sich über mehrere Jahre gezogen und ist nun mehr oder weniger abgeschlossen. Nach wir vor ungewiss bleibt aber, was mit den frei gewordenen Flächen und Gebäuden in der Nussdorferstraße und Josef-Schraffel-Straße geschehen soll. Das rund zwei Hektar große Gelände liegt brach, die Bauten sind desolat. In der alten Versteigerungshalle sind einige Mieter untergebracht, doch eine Dauerlösung ist nach wie vor in weiter Ferne.

Und das, obwohl schon 2012, als sich die Übersiedlung der RGO abzeichnete, Ideen für die Nachnutzung gesammelt worden sind. Studenten der TU Graz haben bei einem Projektwettbewerb 31 Vorschläge eingereicht, konkrete Folgen hatte das nicht.

Die RGO als Grundbesitzerin hat es nicht eilig. „Es gibt keine Notwendigkeit, den Grund zu verkaufen“, sagt Geschäftsführer Diemling. Man denke da „bäuerlich“, Grundbesitz sei eine wertvolle Ressource. Fest steht, dass die RGO, wenn überhaupt, nur zu einem stattlichen Preis verkaufen würde. Die Genossenschaft, die aus bilanztechnischer Sicht als Konzern eingestuft wird, gilt als wirtschaftlich sehr zielstrebig.

Die Lienzer Bürgermeisterin Elisabeth Blanik will die wertvollen städtischen Flächen nicht auf ewig brachliegen lassen. Etwas müsse damit geschehen, sagt sie, eine Idee wäre ein Studentenheim. Blanik: „Es gibt eine klare Botschaft an die RGO: Bevor nicht klar ist, was mit diesen Grundstücken geschieht, wird es am Areal an der B100 keine neuen Widmungen geben.“

Damit ist klar, dass die RGO ihren Baumarkt nicht von Dölsach auf das neue Areal an der B100 holen kann, was eigentlich geplant war. Zumindest so lange nicht, bis sich am alten Standort etwas tut.