Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 24.10.2019


Tirol

TT-Immo-Stammtisch: „Keiner will höhere Häuser, alle wollen gute Aussicht“

Beim TT-Immo-Stammtisch wird klar. Ohne Verdichtung und Aufstockung wird Wohnen nicht billiger. Aber: Die meisten sind dagegen.

Innsbrucks Bürgermeister Georg Willi, Franz Mariacher (Tigewosi), Ingmar Schwabl (SREAL Immobilien), Frank Tschoner (TT), Sabine Lässer (Fachgruppe Immobilien WK) und Michael Kugler (Carsima Immobilien) diskutieren die Situation am Tiroler Wohnmarkt.

© Vanessa Rachlé / TTInnsbrucks Bürgermeister Georg Willi, Franz Mariacher (Tigewosi), Ingmar Schwabl (SREAL Immobilien), Frank Tschoner (TT), Sabine Lässer (Fachgruppe Immobilien WK) und Michael Kugler (Carsima Immobilien) diskutieren die Situation am Tiroler Wohnmarkt.



Von Verena Langegger

Innsbruck – Wohnen muss günstiger werden, das war nicht der Beginn einer Wahlkampfrede, sondern der Einstieg in den TT-Immo-Stammtisch von gestern Abend. Erst Anfang des Jahres wurde zu diesem Zwecke vom Land ein so genanntes Wohnpaket beschlossen. Mit den geplanten Gesetzesänderungen will die Landesregierung nach eigenen Angaben Spekulationen mit Immobilien eindämmen und zudem Bauland für den geförderten Wohnbau mobilisieren. Michael Kugler, Inhaber und Geschäftsführer von Carisma Immobilien, findet darin „viele gute Sachen, die das Ziel unterstützen“, eine wesentliche Thematik fehlt ihm aber: „Wir bauen zu wenig Wohnungen.“ Für ihn seien die hohen Preise für Wohnraum eine „Sache von Angebot und Nachfrage“, in diesem Fall gebe es zu viel Nachfrage bei zu wenig Angebot. Und im Wohnpaket „zu viele Regulierungen“. Zudem will Kugler eine „höhere Dichte“ im Wohnbau. Er orte aber eine „Abwehrkultur in den Gemeinden“, in zu vielen Orten gebe es bereits Baustopps durch die Bürgermeister.

Der Innsbrucker Bürgermeister Georg Willi bezeichnet das Wohnpaket als „einen Versuch“. Und er betont: „Hinter Wohnbau steht eben die Raumordnung und in Tirol gibt es nur begrenzte Bodenressourcen.“ Politik könne nur an „Stellschrauben drehen“, „der Wohnungspreis richtet sich nach dem Grundstückspreis, nach dem Baupreis und der Baudichte, was heißt: je dichter, desto günstiger“. Dass mehr verdichtet und höher gebaut werden muss, darüber sind sich die Wohnexperten einig. Auch hier kann der Innsbrucker Bürgermeister Erfahrungen einbringen: „Sagen Sie das den Leuten, keiner will höhere Häuser, alle wollen eine gute Aussicht.“

Ebenfalls umstrittener Vorschlag im Wohnpaket des Landes: Die Neuwidmung von Bauland soll auf zehn Jahre befristet werden. Für Franz Mariacher, Geschäftsführer der Tigewosi ist klar, warum so wenig Bauland zu kaufen ist. „Die Leute horten das oder wissen nicht, was sie mit dem Geld machen sollen.“ Er spricht sich für klar eine befristete Widmung aus. Kugler will noch mehr Mut und sogar in bestehende Widmungen eingreifen. Willi lacht: „Ich habe es mit 28 Vorbehaltsflächen probiert, der politische Mut hat gefehlt.“ (Anmerkung: Für den Vorschlag der Fest­schreibung von Vorbehaltsflächen für geförderten Wohnbau erhielt Willi im Gemeinderat keine Mehrheit.)

Ebenfalls thematisiert wird der Weiterverkauf Wohnbau-geförderter Wohnungen. Sabine Lässer, Fachgruppe Immobilien in der Wirt­schaftskammer, kann sich etwa eine Überprüfung der Förderwürdigkeit alle fünf Jahre vorstellen. Das sei schon jetzt möglich, erklärt Franz Mariacher. Doch was machen mit dem, der jetzt knapp über der Grenze ist? Willi will jedenfalls, dass Wohnbau-geförderte Wohnungen nur zum Einkaufspreis plus Indexierung weiterverkauft werden können.

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Was in einer Wohndiskussion derzeit nicht fehlen darf, ist der PEMA-Turm Nummer 2. Er, Kugler, habe der Stadt etwa „ein ganzen Stockwerk schenken wollen“, wenn die Verdichtung eines Projektes wie geplant durchgegangen wäre. „Das hat ihrer Vorgängerin nicht gefallen“, erzählt Kugler. Und fragt weiter: „Warum bekommt jemand überhaupt dreimal eine Bewilligung für einen Turm und wir dürfen nicht verdichten?“ Das sei ordentlich schiefgelaufen, sagt Willi.




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