Letztes Update am Fr, 25.10.2019 06:02

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tourismus

Starke Sommerbilanz für Tirol, Söders Urlaubs-Warnung für Platter „lächerlich“

Nach Sommer-Plus hoffen Tirols Touristiker auf starken Winter. Für Wirbel sorgen Attacken aus Bayern, der Flughafen-Streit und die Thomas-Cook-Pleite.

Ausgangspunkt für die Debatte rund um den Innsbrucker Flughafen waren drei Anträge und eine Anfrage der Grünen im Gemeinderat - mit dem Ziel, eine Studie in Auftrag zu geben, die mögliche Zukunftsszenarien beleuchten soll.

© Thomas Boehm / TTAusgangspunkt für die Debatte rund um den Innsbrucker Flughafen waren drei Anträge und eine Anfrage der Grünen im Gemeinderat - mit dem Ziel, eine Studie in Auftrag zu geben, die mögliche Zukunftsszenarien beleuchten soll.



Innsbruck – Tirols Tourismus hat in der in wenigen Tagen zu Ende gehenden Sommersaison (läuft bis Ende Oktober) sowohl bei den Ankünften als auch bei den Nächtigungen ein leichtes Plus verzeichnet. Von Anfang Mai bis Ende September sind rund 5,5 Mio. Urlauber nach Tirol gekommen, was einem Plus von 0,5 Prozent zum Vergleichszeitraum des Vorjahres entspricht. Die Nächtigungen haben um ein Prozent auf 19,8 Mio. zugelegt – das ist der höchste Wert seit 1993. Mehr als die Hälfte der Nächtigungen (10,8 Mio.) kamen von den Deutschen, ein Plus gab es aber auch bei Holländern und Österreichern (allein 400.000 Nächtigungen von Tirolern), während es bei den Briten wegen der Pfund-Schwäche und Brexit-Unsicherheiten ein Minus um 6,5 Prozent setzte.

„Wir können sehr zufrieden sein“, bilanziert LH Günther Platter. Trotzdem gehe es ihm nicht um Nächtigungsrekorde, sondern um Qualität und Wertschöpfung. Und diese sei nach einer ersten Berechnung des MCI um 2,3 Prozent auf 1,9 Mrd. Euro gestiegen, die Umsätze legten auf über 2,7 Mrd. Euro zu. Die Auslastung sei weiter gestiegen, die Zahl der Gästebetten hingegen in den letzten zehn Jahren um 13.000 auf 330.000 gesunken.

„Der aktive Urlaub in den Bergen liegt im Trend und die Sommerfrische erlebt gerade eine Renaissance“, sagt Tirol-Werbung-Geschäftsführer Florian Phelps. Seit 2009 gehe es im Sommer in Tirol stets nach oben. Mit der Sommersaison seien 52 Prozent der Betrieb zufrieden und weitere 29 Prozent sogar sehr zufrieden gewesen.

Das genaue Ausmaß der Thomas-Cook-Pleite auf den Tiroler Tourismus sei noch immer unklar, sagt Hotellerie-Fachgruppenobmann Mario Gerber. „Speziell im Unterland ist es ein großer Fluch“, Man werde versuchen, die Thomas-Cook-Kontingente weiterzuverkaufen – im besten Fall privat, oder ansonsten über andere Plattformen.

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Optimismus herrscht für die mit den Weltcuprennen in Sölden startende Wintersaison. Die Buchungslage sei bei 80 Prozent gleich gut oder sogar besser als im Vorjahr, zudem sei die Ferienlage mit Ausnahme einer Kollision von Ferien in Bayern und den Krokusferien in Holland Ende Februar sowie dem wieder späten Ostern sehr gut. „Es ist angerichtet“, so Phleps. Ziel sei, das Ergebnis der letzten Saison (immerhin die zweitbeste Saison) zu halten. Das Gros der Betriebe rechnet mit stabilen Umsätzen, 22 Prozent mit einem Plus und 15 Prozent mit einem Minus.

Platter macht Druck bei Flughafen

In der Debatte rund um den Innsbrucker Flughafen hat Platter das Land als Mehrheitseigentümer ins Spiel gebracht. „Wenn Bürgermeister Georg Willi nicht zum Flughafen steht, können wir eine Debatte darüber führen, dass das Land Mehrheitseigentümer wird.“ Der Airport sei sehr wichtig für den Tourismus und für die Tiroler „das Tor zur Welt“. Er erwirtschafte alle Investitionen selbst und habe den Eigentümern Millionen-Dividenden beschert. Der Flughafen gehört zu je 24,5 % dem Land Tirol und der Stadt Innsbruck, 51% haben die Innsbrucker Kommunalbetriebe (an dieser hat die Stadt 50 % plus eine Aktie und 50 % minus eine Aktie die Tiwag). Auch Willis Grünen-Parteikollegin LHStv. Ingrid Felipe betonte: „Ich sehe mittel- und langfristig keine Schließung.“

Die Sommerfrische feiert laut Tirol Werbung eine Renaissance, hier Wanderer oberhalb von Eben/Maurach am Achensee.
Die Sommerfrische feiert laut Tirol Werbung eine Renaissance, hier Wanderer oberhalb von Eben/Maurach am Achensee.
- Achensee Tourismus

Massiv verärgert zeigt sich Platter über Aussagen des bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU), der als Reaktion auf die von Tirol angekündigten Winter-Fahrverbote von Urlauben in Österreich und speziell Tirol abgeraten hat. Solche Urlaubs-Warnungen seien „lächerlich“, sagt Platter. „Die Bayern lassen sich nicht von Politikern vorschreiben, wo sie Urlaub machen.“ Auch im Sommer habe es bei den Bayern ein deutliches Plus in Tirol gegeben. Gerade auch die deutschen Urlauber in Tirol würden von den Fahrverboten profitieren, weil der Ziel- und Quellverkehr ausgenommen sei. Außerdem seien die Bayern selbst verantwortlich für den „größten Stau, den wir haben“ – durch die Grenzkontrollen bei Kufstein, betonte Platter. „Die Grenzkontrollen sind nicht notwendig, damit sollten sie mal aufhören und ihre eigenen Hausaufgaben machen.“ (va)