Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 25.10.2019


Bezirk Schwaz

Suche nach dem Masterplan gegen Arbeitskräftemangel im Bezirk Schwaz

Wirtschaftskammer und AMS Schwaz luden Unternehmer und Personalleiter zur Diskussion über die Zukunft des Arbeitsmarktes.

Anton Kern, Martin Kocher, Mario Gerber und Christoph Walser (v. l.) in der von Martina Entner (Mitte) geleiteten Diskussion in der WK.

© DählingAnton Kern, Martin Kocher, Mario Gerber und Christoph Walser (v. l.) in der von Martina Entner (Mitte) geleiteten Diskussion in der WK.



Von Angela Dähling

Schwaz – „35.000 fehlende Fachkräfte in Tirol im Jahr 2035.“ Mit solchen Zahlen will AMS-Chef Anton Kern wachrütteln. Dabei haben Unternehmer schon längst Alarm geschlagen. „Es fehlt auch an Hilfskräften“, meinte etwa Hotelier Josef Stock als einer von vielen Unternehmern, die sich Mittwoch in der Wirtschaftskammer informierten. WK und AMS Schwaz hatten zur Diskussion „Arbeitsmarkt Bezirk Schwaz – wohin geht die Reise“ geladen.

Ökonom Martin Kocher, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Universität Wien und Direktor des Instituts für Höhere Studien, lieferte eingangs Zahlen und Fakten zur derzeitigen wirtschaftlichen Lage und Prognosen für die nächsten Jahre. Digitalisierung, Globalisierung, der demographische Wandel und der Klimawandel führen laut ihm zu Strukturveränderungen am Arbeitsmarkt. Ein Wandel, der Chancen birgt. Durch Digitalisierung würden nicht zwangläufig Jobs verloren gehen, sondern sich Jobprofile ändern und neue Jobs entstehen. Bildung und Ausbildung seien die beste Vorsorge gegen Jobverlust durch Digitalisierung. Innovationsfreude sei es im Fall der Globalisierung. Kocher: „Da muss sich Österreich besser positionieren.“ Tirols WK-Präsident Christoph Walser wusste auch wie: „Im Bereich Umwelt/Klima können wir Vorreiter werden.“

Die Bereitschaft zur Weiterbildung sei in Österreich laut Kocher nicht sonderlich hoch. Gesünder müsste das Volk auch werden. Vor allem im Alter. „Österreicher arbeiten nicht so gern. Sie haben die Tendenz zur frühen Pensionierung. Allerdings ist der Gesundheitszustand der über 55-Jährigen im EU-Vergleich besonders schlecht“, attestierte Kocher. Es brauche flexible Arbeitszeiten und Phasen der Erholung für die Dienstnehmer, meinte Walser. Mitarbeiter wie Zitronen auszupressen, das gehe nicht. Mario Gerber (WK-Fachgruppenobmann Hotellerie) plädierte für mehr Ehrlichkeit in seiner Branche. „Wir müssen die schwarzen Schafe, die unser Image kaputtmachen, noch mehr an den Pranger stellen. Leider gibt es immer noch zu viele. Aber insgesamt sind wir besser, als die Leute denken.“ Gerber kritisierte allerdings auch die Auswirkungen der wachsenden Bedeutung von Work-Life-Balance. „Es geht vielen nicht darum, 3000 Euro zu verdienen, sondern nur vier Stunden am Tag zu arbeiten. Wir haben zwar immer mehr Mitarbeiter, aber sie arbeiten immer weniger. Das wird auf Dauer nicht funktionieren.“ Tirol ist Teilzeitarbeit-Sieger in Österreich: Mehr als die Hälfte der Arbeitnehmer arbeitet Teilzeit. Walser: „Ein Wahnsinn für die Wirtschaft!“ Bessere Kinderbetreuung und mehr Zuwanderung zuzulassen, waren einige von Walsers Forderungen, der deshalb auf eine türkis-grüne Regierung hofft.

Einig war man sich am Podium, dass berufliche Auslandsaufenthalte für junge Österreicher wichtig sind. Kocher ging sogar so weit zu sagen, dass jeder Österreicher mindestens ein halbes Jahr im Ausland verbringen sollte. Konkrete Maßnahmen, um Mitarbeiter anzuwerben, wurden mit „Talents For Tourism“ durch Alois Rainer (WK) und Helga Steinberger (AMS) mit dem „1. European Online Job Day“ vorgestellt.

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