Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 29.10.2019


Osttirol

Zukunftsranking: Bezirk Lienz zählt zu den besten in Österreich

Ein österreichweit durchgeführter Bezirksvergleich dokumentiert Aufwärtstrend. Die Wirtschaftskammer will neue Impulse setzen.

Christoph Walser, Präsident der Wirtschaftskammer Tirol, und Michaela Hysek-Unterweger, seit wenigen Tagen Obfrau der Wirtschaftskammer-Bezirksstelle Lienz, wollen die Aufwärtsentwicklung Osttirols absichern.

© Christoph BlassnigChristoph Walser, Präsident der Wirtschaftskammer Tirol, und Michaela Hysek-Unterweger, seit wenigen Tagen Obfrau der Wirtschaftskammer-Bezirksstelle Lienz, wollen die Aufwärtsentwicklung Osttirols absichern.



Von Christoph Blassnig

Lienz – Der Bezirk Lienz als Topaufsteiger im österreichweiten Vergleich – vor zehn Jahren hätte man das wohl für wenig wahrscheinlich gehalten. Das spezialisierte Unternehmen Pöchhacker Innovation Consulting hat heuer zum zweiten Mal ein bundesweites „Zukunftsranking der österreichischen Bezirke“ erstellt. Belegte Osttirol darin im Vorjahr noch Rang 68 von 94 österreichischen Bezirken, so konnte die Region heuer einen beachtlichen Sprung nach vorne machen und stieg mit Rang zehn gleich zu den besten in der Republik auf. In Tirol wurde nur der Bezirk Kufstein mit Rang drei besser eingestuft.

Für das Ranking vergleichen die Studienautoren 38 Indikatoren in den vier Bereichen Bevölkerungsentwicklung, Arbeitsmarkt, Wirtschaft und Gesellschaft. Besonders bei den Arbeitsmarktdaten (Rang 3) und den Wirtschafts- und Innovationsindikatoren (Rang 7) hat sich der Bezirk Lienz herausragend beweisen können. Für das vordere Mittelfeld reicht es noch bei der Bevölkerungsentwicklung (Rang 38), Aufholbedarf weist der Bereich Lebensqualität aus (Rang 64). Die Studienergebnisse sind auf www.zukunftsranking.at abrufbar.

„Wir dürfen uns auf diesen jüngsten Erfolgen nicht ausruhen, sondern müssen uns weiter einbringen“, appellierte die neue Obfrau der Wirtschaftskammer Lienz, Michaela Hysek-Unterweger, angesichts der erfreulichen Studienergebnisse. „Wer erfolgreich gestaltet, kann auch anderen helfen. Schlussendlich profitieren wir alle von der guten Stimmung.“

Für eine Trendwende in der negativen Bevölkerungsentwicklung sei die Rückkehr von gut ausgebildeten Osttirolern, die zum Teil zum Auspendeln gezwungen sind oder ihre Heimat ganz verlassen haben, nötig. „Ein erster erfolg­versprechender Ansatz in dieser Richtung war die Berufsmesse ‚Zruck hoam‘ im Frühjahr“, erinnerte die Obfrau. Der Bezirk Lienz weist im Zeitraum von 2008 bis 2018 einen negativen Wanderungssaldo von 1451 Personen auf.

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Funktionäre der Wirtschaftskammer Lienz haben im Frühjahr ein Leitbild „Wirtschaftsimpulse 2020 bis 2025“ erarbeitet, das nun schriftlich vorliegt und auch Daten der Pöchhacker-Studie zusammenfasst. Osttirol sei eine Kompetenzregion für den alpinen, ländlichen Raum, heißt es dort. Weiters ein Ort des guten Lebens, ein Entwicklungsraum der Talente sowie ein nachhaltiger und innovativer Wirtschaftsraum mit Tradition. „Die Digitalisierung bringt technischen Wandel auch in unsere klein- und mittelständische Wirtschaft“, erläuterte Hysek-Unterweger bei der Vorstellung. Kompetenzen für die rasanten Entwicklungen in der Technologie müsse die Bevölkerung möglichst früh und breit erlangen. Mit der Universität Wien und dem Institut für Informatik in Innsbruck schnüre man derzeit Angebote, die ähnlich wie der Campus Technik in Osttirol angesiedelt werden könnten, erklärte die Wirtschaftskammerobfrau.

Zur Präsentation der Wirtschaftsimpulse war auch der Tiroler Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Walser nach Lienz gekommen. Walser stimmte mit Hysek-Unterweger überein, dass man die Bevölkerung, die Arbeitnehmer und die Betriebe mitnehmen müsse, damit sich aus den jüngsten positiven Entwicklungen eine positive Grundstimmung im Bezirk entwickeln könne. „In der Digitalisierung ist Osttirol dank dem Lichtfasernetz ein echter Vorreiter, nicht nur in Österreich“, meinte der Wirtschaftskammer-Präsident. „Fragen Sie in ländlichen Regionen in Deutschland nach – dort träumt man von einem solchen Ausbaustand.“ Herausforderungen für Osttirol sieht Walser ebenfalls im Fachkräftemangel und in der Abwanderung. „Für die Tiroler Unternehmer steht inzwischen auch der Umwelt- und Klimaschutz weit oben.“