Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 31.10.2019


Osttirol

Wenn der Lienzer Talboden wieder Bauernland wird

Eine Podiumsdiskussion lieferte Blicke in die Zukunft: Wasserreiches Osttirol könnte in der Landwirtschaft den trockenen Osten ablösen.

Ein Teil des Lienzer Talbodens, vom Hochstein aus gesehen: Landwirtschaft, Freizeit und andere Nutzungen teilen sich die Flächen.

© OblasserEin Teil des Lienzer Talbodens, vom Hochstein aus gesehen: Landwirtschaft, Freizeit und andere Nutzungen teilen sich die Flächen.



Von Catharina Oblasser

Nußdorf-Debant – Es ist eine Vision, aber eine, die Hand und Fuß hat: Wenn es in Ostösterreich noch trockener und heißer wird als jetzt und große Anbauflächen verdorren, verlagert sich die Landwirtschaft in höhergelegene und wasserreichere Gebiete wie Osttirol. Immerhin verfügt das Lienzer Becken über eine der größten Grundwasserreserven in Österreich. Und regional erzeugte Lebensmittel werden immer mehr geschätzt und gewinnen an Wert. Wird es im Lienzer Talboden also bald wieder mehr Bauern geben?

Diese Frage war Thema bei der Podiumsdiskussion „Zukunftsbilder Lienzer Talboden“, die das Ingenieur- und Landschaftsplanungbüro Revital in Nußdorf-Debant veranstaltete. Gastgeber Klaus Michor diskutierte mit dem ÖVP-Landtagsabgeordneten und Bauern Martin Mayerl, dem Dölsacher Bürgermeister und Planungsverbands-Obmann Josef Mair, dem Holzunternehmer Hannes Theurl und der Bodenschutz-Expertin Maria Legner vom Klimabündnis.

„Die Landwirtschaft wird bei uns wieder viel wichtiger werden“, ist Klaus Michor überzeugt. Denn die großen Ackerbauflächen im Flachland hätten keine Zukunft. Martin Mayerl erwähnt Studien, wonach die Ertragsfähigkeit der Böden in Ostösterreich in den kommenden 20 Jahren wegen des Klimawandels abnehmen würde. „Bei uns wird die Ertragsfähigkeit aber steigen, weil es wärmer wird.“ Maria Legner beschreibt ihre Vision für die Zukunft: „Dass wieder mehr Menschen in der Land- und Forstwirtschaft arbeiten.“

Was dabei nicht übersehen werden darf: Nur acht Prozent des Bezirks Lienz sind Dauersiedlungsraum, und verschiedene Nutzungsinteressen konkurrieren um die vorhandenen Flächen. Dabei haben bäuerliche Interessen einen guten Stand. „Landwirtschaftliche Böden sind durch die Widmung als Vorsorgeflächen geschützt“, sagt Mayerl. Hannes Theurl pocht darauf, dass auch Gewerbe, Industrie oder Tourismus Platz haben müssten. „Aber es ist nicht leicht, all diese Interessen unter einen Hut zu bringen“, räumt er ein.

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Das wäre Aufgabe einer überörtlichen Raumplanung. „Dafür sind die Planungsverbände ursprünglich geschaffen worden“, sagt Josef Mair. „Aber das hat nie funktioniert, so ehrlich muss man sein.“ Er hofft, dass das geplante gemeinsame Gewerbegebiet im Lienzer Talboden bald verwirklicht werden kann.

Gastgeber Klaus Michor, Politiker Martin Mayerl, der Dölsacher Bürgermeister Josef Mair, Unternehmer Hannes Theurl und Maria Legner vom Klimabündnis (v. l.) diskutierten am Podium.
Gastgeber Klaus Michor, Politiker Martin Mayerl, der Dölsacher Bürgermeister Josef Mair, Unternehmer Hannes Theurl und Maria Legner vom Klimabündnis (v. l.) diskutierten am Podium.
- Oblasser

Verbauung unter der Lupe

Mario Lumasegger vom Büro Revital hat in seiner Diplomarbeit die Verbauung und die Bodennutzung im flachen Teil des Lienzer Talbodens untersucht, beginnend mit 1823. Demnach hat der Anteil der landwirtschaftlichen Flächen bis in die 1950er-Jahre stetig zugenommen, und zwar auf Kosten des Auwaldes an der Drau. 70 Prozent waren es um 1950, heute sind es etwas mehr als 50 Prozent. Für die Stadtgemeinde Lienz etwa lautet die Prognose für 2040: 34 Prozent landwirtschaftliche Flächen gegenüber 55 Prozent Siedlungen bzw. Gewerbeflächen, so Lumasegger. Die Zunahme an Flächen für Freizeit und Erholung geht zum größten Teil auf das Konto des Golfplatzes in Lavant bzw. in Tristach. (co)