Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 01.11.2019


Bezirk Imst

Roppen: Harte Überlebensschule zwischen 13 Discountern

In Roppen kämpft ein kleines Lebensmittelgeschäft um seinen Bestand. Der Dorfchef richtete einen dramatischen Appell an die Mitbürger.

Lebensmittel, Postpartner, Lotto, Tabak und sogar eine kleine Kaffeecke hat Thomas Seelos seinen Kunden zu bieten.

© PaschingerLebensmittel, Postpartner, Lotto, Tabak und sogar eine kleine Kaffeecke hat Thomas Seelos seinen Kunden zu bieten.



Von Alexander Paschinger

Roppen – Wenn heute die Roppener zu Allerheiligen die Gräber besuchen, wird so mancher einen Seitenblick auf das kleine Geschäft zwischen Kirche und Totenkapelle werfen. Und sich vielleicht dabei an einen Postwurf erinnern, der Ende des Sommers viele Roppener doch aufgeschreckt hatte: Bürgermeister Ingo Mayr appellierte darin eindringlich an die Mitbürger, in diesem Geschäft einzukaufen, „zumal dies wohl die letzte Möglichkeit für die Erhaltung eines Lebensmittelgeschäftes in Roppen darstellt“.

„Es war durchaus dramatisch“, rechnet Händler Thomas Seelos bei einem kleinen Lokalaugenschein am Dienstag vor. Vor zweieinhalb Jahren hatte er das Geschäft gemeinsam mit seiner Frau Anja eröffnet. „Es ist ja nicht so, dass ich keine Perspektive gehabt hätte – Roppen wächst, der Bedarf ist gegeben und ich lebe hier“, sagt Seelos. Und dennoch hat ihn diese Lage an den Rand der Kräfte gebracht: „Ich weiß, dass es zwischen Ötztal und Imst 13 groß­e Discounter gibt“, lieferte BM Mayr in seinem Schreibe­n an die Gemeindebürger eine Erklärung.

Die Gemeinde Roppen wusste vor zweieinhalb Jahren, wie schwer es ein neuer Lebensmittelladen im Ort haben würde – deshalb hatte man viel Geld investiert. Und dem Pächter kam man auch noch einmal entgegen, indem er keine Geschäftsmiete und Betriebskosten zahlen muss. Und trotzdem: „In den ersten zwei Jahren habe ich selber 30.000 Euro hineinstecken müssen“, erklärt Seelos.

Am Dienstagvormittag läuft das Geschäft recht gut – es herrscht ein dauerndes Kommen und Gehen und die Kasse klingelt. Postpartnerschaft, Lottoannahmestelle und Tabakwaren sind ein Kundenbringer. „Der Aufruf hat Wirkung gezeigt“, sagt der Händler. Vielfach waren es freilich die bisherigen Stammkunden, die ihre Einkaufsfrequenz erhöhten. „Im Prinzip brauche ich mindestens zehn Euro pro Einkauf, damit es sich rechnet“, gibt Seelos Einblick in die Kalkulation – noch liegt er aber darunter. Doch er beruhigt: „Wir werden sicher nicht Ende des Jahres zusperren.“ Und: „Das wollen wir auch gar nicht.“ Sein Laden ist freilich gut sortiert – er leistet sich sogar eine Frischtheke und dort rattert auch eine kleine Kaffeemaschine. „Diese Frischtheke ist eigentlich das Herzstück“, ist Seelos stolz.

An seinem eigenen Engagement könne es nicht liegen, unterstreicht er: „Wöchentlich 60 bis 70 Arbeitsstunden“ sei er im Geschäft. Natürlich unternimmt auch BM Mayr alles, um die Frequenz zu erhöhen. „Wir versuchen die Vereine zu animieren, in unserem Geschäft einzukaufen“, nennt der Dorfchef ein besonders wichtiges Standbein. Da könne es nicht sein, dass man für Feste wegen ein paar Euro alles außerhalb von Roppen besorge.

Am kleinen Vorplatz bei Kirche und Schule ist das Geschäft zentral in Roppen gelegen.
Am kleinen Vorplatz bei Kirche und Schule ist das Geschäft zentral in Roppen gelegen.
- Paschinger