Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 08.11.2019


Bezirk Landeck

Via Claudia mit Hürden gepflastert

Mehr als 50.000 Radtouristen jährlich queren die Alpen auf dem 700 Kilometer langen Via-Claudia-Radweg. Sicherheitsauflagen verzögern Lückenschluss Pfunds – Nauders, Ausbau im Raum Landeck für 2020 geplant.

Radtourismus entlang der Via Claudia boomt: Beim Brückenturm von Altfinstermünz, einem der reizvollsten Punkte im Bezirk, legen die Radler gerne eine Pause ein.

© WenzelRadtourismus entlang der Via Claudia boomt: Beim Brückenturm von Altfinstermünz, einem der reizvollsten Punkte im Bezirk, legen die Radler gerne eine Pause ein.



Von Helmut Wenzel

Landeck, Nauders – „Bis zu 45 Prozent aller Sommergäste kommen mit dem Fahrrad nach Nauders“, weiß TVB-Geschäftsführer Manuel Baldauf. Aber Ankünfte sind nicht gleich Nächtigungen. „Die Nächtigungsdauer der Radler ist eher kurz.“ Trotzdem machen die Gäste mit Rädern aller Art – vom Rennrad, Mountainbike, Trekkingrad bis E-Bike – ein unverzichtbares Segment in der regionalen touristischen Wertschöpfung aus, wie Baldauf feststellt.

Der Tösner „Wilder-Mann-Wirt“ Elmar Senn, dessen Gasthaus an der Via Claudia liegt, bestätigt: „Bei uns kommen Radgruppen und Vereine mit bis zu 60 Leuten zum Mittagessen vorbei. Meistens melden sie sich schon am Fernpass an.“ Radler-Nächtigungen habe er allerdings weniger: „Weil die meisten die Etappe nach Nauders schaffen und am nächsten Tag auf dem Vinschger Radweg starten wollen.“ Senn sieht einen steigenden E-Biker-Anteil. „Nächstes Jahr werden wir eine Ladestation anbieten.“

Mit Eröffnung der Begegnungszone in Landeck können die Biker die volle Breite der Malserstraße nutzen. Der Bau der Etappe von der Stadtmitte zum Bahnhof Landeck-Zams ist für 2020 geplant.
Mit Eröffnung der Begegnungszone in Landeck können die Biker die volle Breite der Malserstraße nutzen. Der Bau der Etappe von der Stadtmitte zum Bahnhof Landeck-Zams ist für 2020 geplant.
- Wenzel

Laut Christoph Tschaikner vom Via-Claudia-Verein queren jährlich mehr als 50.000 Radtouristen die Alpen – auf der 700-Kilometer-Strecke von Donauwörth (Bayern) bis in den Raum Venedig. Es könnten aber auch 70.000 sein. Exakte Zahlen gibt es trotz Zählstellen nicht. „Einige fahren nur auf Teilstrecken. Oder nehmen den Shuttlebus nach Nauders, um von dort in Richtung Meran zu radeln.“

Mehr als zwei Drittel des Abschnitts Prutz – Nauders konnten im Zuge eines Förderprojekts bisher realisiert werden. Zwischen Pfunds und Nauders klafft aber weiterhin eine Lücke. Die als Königs­etappe bezeichnete Strecke mit kulturellen Kostbarkeiten führt über schwieriges Gelände von Altfinstermünz hinauf zur Festung bzw. Nauders-Dorf. Die Kosten sollen bei drei Mio. Euro liegen. Bereits 2015 hatte LH Günther Platter einen Förderbeitrag des Landes in Höhe von 2,1 Mio. Euro zugesagt. Die Fertigstellung ist wiederholt für 2020 angekündigt worden.

Wegweiser bei Fließ-Urgen: Dort war die Zählstelle längere Zeit defekt.
Wegweiser bei Fließ-Urgen: Dort war die Zählstelle längere Zeit defekt.
- Wenzel

Doch daraus wird nichts. „Das Problem liegt in der Geologie. Um die geforderten Sicherheitsauflagen zu erfüllen, sind Nachbesserungen nötig“, erläuterte Armin Falkner, Obmann des TVB Tiroler Oberland, auf TT-Anfrage. Vor diesem Hintergrund werde die Fertigstellung 2021 angestrebt. Aber auch das ist laut Falkner noch nicht sicher. „Der Baubeginn dieser Etappe wäre für heuer geplant gewesen“, bestätigt Radwegplaner Helmut Kofler. Wegen der Vorgaben der Landesgeologie beim Steinschlagschutz müsse mit höheren Kosten gerechnet werden.

In Landeck-Zams haben es Via-Claudia-Radler ebenfalls mit einer Lücke zu tun. Vom geplanten Talkessel-Radweg als Teil der Via-Claudia-Route sind bisher die Begegnungszone sowie eine 1,1 Kilometer lange Strecke in Zams-Ost fertiggestellt. Der Ausbau von der Stadtmitte zum Bahnhof soll im Frühjahr 2020 starten, wie Planungsausschussobmann VBM Thomas Hittler am Donnerstag bestätigte. „Die Verhandlungen zur Grundstücksablöse sind inzwischen abgeschlossen.“ Vorbehaltlich eines Gemeinderatsbeschlusses werde die Stadt mehr als eine Mio. Euro für den Radwegebau 2020 budgetieren.




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