Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 03.12.2019


Bezirk Imst

Imst sieht sich weiterhin als Zunfthochburg im Oberland

Vom späten Mittelalter bis heute sorgen sich mehrere Zünfte um soziale und kulturelle Belange in der Bezirkshauptstadt.

Der Spruch der Imster Vogler findet sich als Fresco in der Imster Pfarrkirche wieder.

© JaritzDer Spruch der Imster Vogler findet sich als Fresco in der Imster Pfarrkirche wieder.



Von Peter Jaritz

Imst – Eine der ältesten Zünfte in Imst ist die Zunft der Maurer und Zimmerleute. Sie wurde im Jahr 1460, als die Imster Bauhütte unter Heinrich Parlier entstand, gegründet. Zeitgleich fanden auch die Bautätigkeiten rund um die Imster Pfarrkirche statt. Eine von sechs Tiroler Bauhütten hatte in Imst ihren Wirkungsbereich. Alle Zunftmitglieder wurden in das so genannte Hüttenbuch eingetragen und der „Brudermeister“ nahm die Mitgliedsbeiträge entgegen.

Im Jahre 1674 verlieh Kaiser Leopold den Meistern und Gesellen des Schlosser-, Uhrmacher-, Tischler-, Glaser- und Büchsenmacherhandwerks eine Handwerksordnung. Diese regelte das Leben der Zunftmitglieder bis ins Detail. Auf das religiöse und sittliche Verhalten jedes einzelnen wurde geachtet. So wurde etwa das Fluchen auf Gassen und in Wirtshäusern bestraft.

Als Verkehrsknotenpunkt verdankte Imst über Jahrhunderte einen Gutteil seiner Wirtschaftskraft dem Verkehr. Die Gründung einer Fuhrmannszunft mit der heiligen Katharina als Patronin lag auf der Hand. Der Zunfttag wurde früher immer am 25. November gefeiert und war ein so genannter „Bauernfeiertag“. Heute wird er an einem Samstag abgehalten. Vor etlichen Jahren erbaute die Fuhrmannszunft an der Hahntennjochstraße eine ­Kapelle.

Das Rad als Symbol der Fuhrleute mit Zunftwirt Hannes Staggl und den Zunftmeistern Ander Thurner und Robert Mayr (v. l.).
Das Rad als Symbol der Fuhrleute mit Zunftwirt Hannes Staggl und den Zunftmeistern Ander Thurner und Robert Mayr (v. l.).
- Jaritz

Früher wurde im Winter das Bergheu oder das Holz von den Mittellagen per Schlitten eingebracht. Bei dieser Arbeit kam es öfters zu Unfällen. Um die Not der Verunglückten zu lindern, gründete man die Schlittenzieherzunft: eine in der Unterstadt und eine im „Obermarkt“ der damaligen Marktgemeinde Imst.

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Die Wiederbelebung der Köchezunft erfolgte in den 70er-Jahren. Mitinitiator Franz Krismer wies darauf hin, dass es in Imst bereits ein dem heiligen Laurentius geweihtes Kirchlein gibt. Heute pilgern die Köche, Konditoren, Müller, Bäcker und Metzger an ihrem Zunfttag zum Laurentiuskirchlein am Imster Bergl.

Die Anfänge der ­Voglerzunft, der Vogelzüchter und Vogelfreunde, reichen auf den Vogelhandel zurück, als die Imster nach dem Rückgang des Bergbaus einen neuen Broterwerb suchten. Heute nehmen die Vogelzüchter regelmäßig an Ausstellungen und Wettbewerben teil. Die Zunft kauft jährlich um rund 3000 Euro Vogelfutter für die Freilandvögel an. Der Zunfttag wurde früher „Voglerball“ genannt.

Stand früher der soziale Gedanke im Vordergrund, so werden heute kulturelle Einrichtungen gesponsert. In Imst ist die Mitgliedschaft bei einer oder mehreren Zünfte Ehrensache und verstärkt das kulturelle Leben in der Bezirksstadt.




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