Letztes Update am Di, 27.11.2012 07:09

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Standort Tirol

Bunkern gegen die Wirtschaftskrise

Das Anlegen eines Notvorrates liegt im Trend. Europas größter Anbieter von Langzeit­lebens­mitteln hat seinen Sitz in Tirol und versorgt auch Banker.



Von Alexandra Plank

Innsbruck –Da wird einem halt angst und bang / Die Welt steht auf kein’ Fall mehr lang“, singt der Schuster Knieriem in Nestroys „Der böse Geist Lumpazivagabundus“ im berühmten Kometenlied. Dass die Welt nicht mehr lange steht, glauben immer mehr Menschen – allerdings beschränken sich ihre Befürchtungen auf die Finanzwelt. „Wir stehen vor einem nie dagewesenen weltweiten Zusammenbruch des Finanzsystems mit unvorhersehbaren Folgen. Das Geld, die Lebens- und Planungsgrundlage unseres Lebens, ist unrettbar zerstört und daher wird uns sprichwörtlich der Boden unter den Füßen weggezogen“, sagt der schwäbische Autor Gerhard Spannbauer im Interview mit der Tiroler Tageszeitung. Er ist sich sicher, dass demnächst das Geldsystem und in der Folge die gesellschaftliche Ordnung zusammenbrechen wird. Spannbauer hat vorgesorgt, und immer mehr Menschen tun es ihm gleich. Spannbauer sei ein Prophet des Untergangs, schreibt die Zeitschrift Datum – er sieht das nicht so. Spannbauer will eine Exitstrategie aus dem ultimativen Crash anbieten: Auf seiner Homepage krisenvorsorge.com verweist er auf einen Onlineshop, in dem alles angeboten wird, was das Herz des Hobby-Apokalyptikers begehrt: von der Gulaschkanone über das 500.000-Volt-Elektroschockgerät „Power Max“, einen Selbstverteidigungsregenschirm bis hin zu Langzeitlebensmitteln (30-Tage-Paket vegetarisch, 289 Euro). Im Internet finden sich viele Gleichgesinnte, die nicht nur über Notfallvorräte sinnieren, sondern auch darüber, ob Pfefferpistolen wirksame Mittel sind, um sich im Ernstfall gegen Plünderer zu wehren.

In Wörgl hat Hans­peter Kögl mit seiner Firma „Inno­va“ eine Trutzburg gegen Krisenfälle jeglicher Art eingerichtet. Nach eigenen Angaben ist er Europas größter ziviler Anbieter von Langzeit­lebensmitteln. Ein 365-Tage-­Paket kostet 3490 Euro. Er sei kein Pessimist, sagt der Mann, der nicht wie ein Spinner wirkt, wohl aber wie jemand, der eine Mission zu erfüllen hat. „Die Menschen glauben immer, dass der Staat für alles verantwortlich ist. Im Krisenfall geht aber, bis die Hilfe anläuft, gar nichts. Ich bin der Meinung, dass jeder für sich und seine Familie zuerst einmal selbst verantwortlich ist.“

Seit fünf Jahren verzeichnet Kögl ständig wachsende Umsätze. Über seine Einnahmen spricht er ungern. In Österreich erziele er einen Umsatz von 1,5 Millionen Euro. Doch auch in Deutschland, dem größten Markt, in Frankreich, der Schweiz und Italien ist er aktiv.

Seine Kundschaft sei bunt gemischt: von christlichen Vereinen über Esoteriker bis hin zu Bankern. „Seit Beginn der Wirtschaftskrise decken sich vor allem Personen aus der Finanzwelt mit unseren Produkten ein.“ Namen nennt er nicht. „Diskretion ist unser Geschäft, oder wollen Sie, dass jemand weiß, was Sie im Keller haben und es Ihnen wegnimmt?“

Kögl erzählt, dass ein Kunde sich um 40.000 Euro mit Langzeitlebensmitteln eingedeckt habe. Das Produkt BP-5, das auch von Hilfsorganisationen verwendet wird, bietet er zur Verkostung an. Es handelt sich dabei um eine Art Müsliriegel, der hauptsächlich aus gebackenem Weizen besteht. Wie schmeckt‘s? Wie Sägemehl mit Aromastoffen. Aber in der Not frisst der Teufel Fliegen. Bleibt nur ein Tipp : Zu Tode g‘forchten, ist auch g‘storben.




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