Letztes Update am Do, 07.11.2013 07:00

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Standort Tirol

Mit Mut wie Phönix aus der Asche steigen



Innsbruck – Was treibt einen ehemaligen Lehrer einer Waldorfschule dazu, den maroden Fotohersteller Leica zu kaufen? „Mut“, sagt Andreas Kaufmann. Es sei ein Abenteuer gewesen, auf das er sich da vor knapp zehn Jahren eingelassen habe, erzählte der Investor am Mittwoch beim Tiroler Wirtschaftsforum. Damals, es war im Sommer 2004, ist der Deutsche mit seiner Familienholding ACM bei der legendären Kamera-Firma eingestiegen. Leica lag zu dem Zeitpunkt nach einem missglückten Börsengang am Boden, die Pleite drohte. Man hatte den Wandel zur Digitalkamera verschlafen und noch so einige andere Probleme aufgetürmt. Mittlerweile hat Kaufmann den Konzern auf neue Beine gestellt – und wälzt große Expansionspläne. Der Umsatz lag im Vorjahr bei knapp 300 Mio. Euro – doppelt so viel wie noch zwei Jahre zuvor. Mittelfristig werden 500 Mio. Euro angepeilt.

Überzeugt und fasziniert hat Kaufmann an Leica die Kult-Marke, mit der sich Superstars wie Brad Pitt, Charlotte Rampling oder Brigitte Bardot ebenso gerne ablichten lassen wie die Queen. „Aber eine ikonische Marke allein genügt nicht“, betonte Kaufmann. Eine gelungene Sanierung brauche neben Mut auch Augenmaß, Vision, Strategie, Taktik und vor allem eines: Kapital. Letzteres besorgte sich Kaufmann bei Risikokapitalgebern. Nicht bei Banken, denn diese könnten wegen der zunehmend strengeren Regeln heute keine Finanzierung dieser Art mehr tätigen, bemerkte er.

Mit potenten Geldgebern im Rücken hat Kaufmann den Konzern umgekrempelt, kräftig in die Produkte investiert, die den Mythos Leica tragen. „Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche“, lautete fortan die Devise. Leica begann, rund um den Globus edle Boutiquen und Geschäfte zu eröffnen. „Ran an den Endkunden“, heißt Kaufmanns Motto. Heute gibt es 125 Shops – und die Expansion soll weitergehen. Als „Phönix aus der Asche“ sieht Kaufmann Leica selbst. Das Unternehmen habe Fotografie-Geschichte geschrieben – und diese Geschichte will Kaufmann fortschreiben. Er, der einst 15 Jahre lang an einer Waldorfschule unterrichtet hatte, kann aus dieser Tätigkeit einiges ableiten. „Man muss die Menschen mögen“, ist er überzeugt. Nur wer motivieren könne, werde auch langfristig Erfolg haben. (wer)




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