Letztes Update am Sa, 25.01.2014 07:39

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Standort Tirol

Grundstückspreise steigen weiter

Nicht nur Luxusimmobilien erzielen in Kitzbühel extrem hohe Preise, sondern auch Grundstücke. Das wirkt sich auf die gesamte Region aus. Einheimischen-Wohngebiete federn den Effekt allerdings etwas ab.



Von Harald Angerer

Kitzbühel – Egal ob die Wirtschaft kracht oder boomt – die Grundstücks- und Immobilien-Preise in Kitzbühel steigen. Freie Flächen werden immer weniger, die Nachfrage aber immer größer. Die Folge ist klar: die Preise steigen. „Kitzbühel ist doppelt begünstigt. Wenn es in der Wirtschaft kriselt, dann sind Immobilien in Kitzbühel eine sichere Wertanlage. Wenn es gut läuft, kauft man sich gern was Schönes, also sind auch wieder Objekte in Kitzbühel gefragt“, sagt Immobilientreuhänder und Gerichtssachverständiger Christian Neumayr.

Die Wirtschaftskrise sei an den Preisen in Kitzbühel nahezu spurlos vorübergegangen. Die Quadratmeterpreise für ein Grundstück sind für Einheimische schon weit außer Reichweite. Ein schönes Grundstück sei in der Stadt kaum mehr unter 3000 Euro zu bekommen. Selbst in schwächeren Lagen werden immer noch hohe Preise bezahlt. „Selbst am Kitzbüheler Schattberg, mit viel Schatten im Winter, sind Immobilien sehr gefragt“, sagt Neumayr. Für die Attraktivität eines Grundstückes oder eines Gebäudes würden mehrere Faktoren wichtig sein. So ist der Blick auf die Stadt sehr wichtig, aber auch der Ausblick auf den Wilden Kaiser oder den Hahnenkamm.

„Zudem ist es in der Region sehr sicher und sie liegt sehr nahe bei München“, erklärt Neumayr. Deshalb sei Kitzbühel vor allem im süddeutschen Raum und in Österreich sehr gefragt. „Wenn aber die Lage und das Objekt passen, ist nahezu jeder Preis möglich. Hier gilt: Es gibt nichts, was es nicht gibt“, sagt der Immobilienexperte. Trotzdem liege für ihn derzeit die Grenze bei etwa 20 Millionen Euro für ein besonders exklusives Objekt, die kürzlich vermeldeten 40 Millionen Euro für ein Haus in Kitzbühel sieht er skeptisch.

Aber nicht nur Kitzbühel selbst, auch das Umland spürt diese Entwicklung. Reith und Aurach sind besonders beliebt. Es gebe aber einen Eisbergeffekt, wie Neumayr sagt. „Kitzbühel ist nur die Spitze. Doch wenn diese sich anhebt, zieht es die anderen Orte ähnlich einem Eisberg nach oben“, erklärt der Immobilientreuhänder.

So erlebte Kirchberg in den Jahren 2000 bis 2007 eine steigende Nachfrage. „Es ist nicht ganz erklärbar, warum Orte plötzlich gefragt sind. Aber meist macht einer den Anfang, weil es in Kitzbühel zu teuer wird, und der zieht dann weitere Käufer nach“, schildert Neumayr. Kirchberg liegt derzeit bei etwa 1000 Euro in Toplagen. Derzeit preislich stark im Kommen seien Westendorf und das Pillerseetal. Natürlich aber noch auf einem völlig anderen Preisniveau. So sind im Pillerseetal die Preise in den vergangenen Jahren auf etwa 200 Euro gestiegen. In Westendorf hat der gebaute Golfplatz Spuren bei den Grundstücks- und Immobilienpreisen hinterlassen. „Seit der Bau des Golfplatzes fix war, haben die Preise deutlich angezogen“, erklärt Neumayr. Keine Auswirkung hatte hingegen der Bau der Umfahrung in Brixen, die Preise im Ort sind nach wie vor stabil. „Brixen schläft noch etwas, obwohl es auch sehr schöne Lagen hat, ähnlich wie Kirchberg“, erklärt Neumayr.

Einen Ausweg für Einheimische sieht der Immobilienexperte nur in Einheimischen-Siedlungsprojekten wie Sonngrub in Kitzbühel. Die Gemeinden kaufen günstig den Grund und geben ihn an die Einheimischen weiter, mittels Vertragsraumordnung kann dann einem Missbrauch vorgebeugt werden. „Sonst wird es schwierig. Denn es ist verständlich, dass jeder den besten Preis für sein Grundstück bekommen will. Und wenn jemand nicht verkaufen muss, ist ein Grundstück nach wie vor eine sehr gute Anlage“, schildert Neumayr. Eine Wertsteigerung von an die zehn Prozent pro Jahr sei damit möglich. Eine weitere Möglichkeit sei, den sozialen Wohnbau zu verstärken.

Bei den Zweitwohnsitzen wünscht sich Neumayr eine sachliche Diskussion. So würden die sogenannten „Zweitwohnsitzler“ zweifelsfrei den Preis der Immobilien nach oben treiben, doch sie brächten enorm viel Geld in die Region. Er schätzt das Investitionsvolumen durch diesen Bereich auf 80 bis 100 Millionen Euro jährlich. Dies würde wieder viele Arbeitsplätze in der Region schaffen und auf Dauer sichern.