Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 03.04.2014


Standort Tirol

„Risiko der Gemeinden beträgt 7500 Euro“

Kraftwerkssprecher Rauchegger strebt rechtskräftigen Baubescheid für das Sanna-Projekt an. Wirtschaftskammer gegen „gewaltsamen Ausbau“.

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© Wenzel



Von Helmut Wenzel

Landeck, Pians – Laut Berechnungen des Tiroler Wirtschaftsprüfers Alois Pircher ist das Sanna-Kraftwerk unwirtschaftlich. Zudem seien die Gewinnausschüttungen an die Gemeinden leere Versprechungen – die TT berichtete am Mittwoch.

Er habe massive Zweifel, ob Pircher in seiner Studie „mit den richtigen Zahlen“ operiert hat, stellte der Pianner Bürgermeister und Kraftwerkssprecher Peter Rauch­egger am Mittwoch fest: „Die Kraftwerksgesellschaft und deren Partner können sich die wichtigen Dinge auch selber ausrechnen.“ Sollte eines der EVU (Energieversorgungsunternehmen) nur geringste Zweifel an der Wirtschaftlichkeit des Sanna­-Kraftwerks haben, würde man keine Sekunde mehr über eine Beteiligung nachdenken. Beim Kraftwerk Stanzertal ist zum Beispiel die Elektrizitätswerke Reutte AG der höchstbeteiligte Partner.

Laut Kraftwerksentwickler Infra ist geplant, dass sich die sieben Anrainergemeinden sowie ein oder mehrere EVU an der Wasserkraft Sanna GmbH beteiligen. Die Verhandlungen sind laut Infra-Projektleiter Hans Bayer derzeit im Laufen. Innerhalb eines Jahres soll feststehen, welches EVU einsteigt.

„Bis zu einem rechtsgültigen Baubescheid tragen die Gemeinden ein Risiko von je 7500 Euro“, betonte Rauch­egger. Sein Ziel ist es, „den Baubescheid in der Hand zu haben“, um dann endgültig entscheiden zu können, ob das Kraftwerk tatsächlich gebaut werden soll.

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Auch der heimische Kraftwerksexperte und Geschäftsführer Jakob Klimmer sieht sich zu kritischen Anmerkungen zur Pircher-Studie veranlasst: „Würde man diese Berechnungen auf bestehende Tiwag-Kraftwerke anwenden, so hätte man weder das Kaunertalkraftwerk noch Runserau-Imst bauen dürfen.“

Keinesfalls werde das Sanna-Kraftwerk zu 100 Prozent fremdfinanziert. Die Gesellschaft werde, so Klimmer, mindestens 30 bis 35 Prozent Eigenkapital einbringen. Bei der Strompreisentwicklung erwartet er eine Aufwärtsphase, „wenn sich die Politik von den derzeit hohen Subventionen für Windkraft und Photovoltaik verabschiedet“.

Gegenüber dem Tiroler Raftingverband hat Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Bodenseer vor wenigen Tagen erklärt: „Moderne Technik und nicht übertriebene Wassergier müssen es erlauben, dass Rafting wie bisher möglich sein wird und die Nutzung von Wasserkraft erhalten bleibt. Wo ein sinnvolles Nebeneinander von Wassernutzung, Tourismus und Freizeitsport nicht möglich ist, sollte auch in Tirol auf gewaltsamen Ausbau der Wasserkraft verzichtet werden.“