Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 05.04.2014


Standort Tirol

Bergsteigerdörfer ein Erfolg

Seit zwei Jahren läuft ein Interreg-Pilotprojekt der Alpenvereine Österreichs und Italiens. Das Interesse der Nachbarn im Belluno an dieser Idee ist groß.

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© Blassnig



Von Christoph Blassnig

Kartitsch – „Bergsteigerdorf: Das ist eine Antwort des Oesterreichischen Alpenvereins auf die massiven Erschließungen im Alpenraum“, sagt Projektleiter Roland Kals. „Vor zehn Jahren wurde die Idee aus dem wachsenden Unbehagen heraus geboren, dass der absurde Wettlauf um immer mehr Technik und Energieeinsatz in der Natur nicht der richtige Weg sein kann.“

Fast hundert Prozent der Skipisten in Österreich seien heute künstlich beschneibar, „vor wenigen Jahren war das noch Utopie, heute ist es Realität“, bedauert Kals. Er wurde damals beauftragt, durch Österreich zu reisen und ursprüngliche Bergsteigerdörfer ausfindig zu machen. „In manchen Bundesländern war das gar nicht so leicht, in Osttirol dagegen kein Problem.“

Der Alpenverein war sich des Erfolges selbst gar nicht so sicher. „Eine kleine Broschüre mit zwei Hand voll Bergsteigerdörfern haben wir vor acht Jahren veröffentlicht. Am Tag danach ist unsere Telefonanlage zusammengebrochen, weil so viele Anfragen kamen.“ Das Interesse einer breiten Öffentlichkeit habe die Initiatoren anfangs selbst überrascht, beweise aber bis heute, dass nachhaltiger Tourismus in einer intakten Bergwelt und Kulturlandschaft wirtschaftlich erfolgreich sei, so Kals. Viele kämen aus europäischen Ballungszentren, in denen sie gar kein eigenes Auto benötigten. „Darum ist ein guter Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs ein wichtiges Kriterium für uns.“

Von Donnerstag bis Sonntag beherbergen Untertilliach, Kartitsch und Obertilliach Gäste aus der Region Val di Zoldo, aber auch österreichische und bayerische Alpenvereinskollegen. Geführte Schneeschuhwanderungen und Skitouren, Vorträge und Diskussionen sollen die Kontakte weiter vertiefen.

Ein Vertreter aus Forno di Zoldo sieht das Pilotprojekt „Bergsteigerdörfer ohne Grenzen“ als große Chance für seine Region, die vor ganz ähnlichen Herausforderungen wie der restliche Alpenraum stehe. Noch heuer findet dort ein drittes Treffen aller Beteiligten statt, auch zwei Jugendlager sind geplant. Kals: „Weniger ist mehr. Ein Mehr an Genuss, Erholung und sportlicher Betätigung in unverfälschter Natur. Diese Initiative beweist, dass der Alpenverein Recht hat: Nachhaltiger Ganzjahres-Bergtourismus ist erfolgreich.“