Letztes Update am Mi, 30.04.2014 06:07

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Bergbahnstudie

Zusammenschluss Schlick/Lizum: Offensiv über die Kalkkögel drüber

Die Zukunft der Bergbahnen um Innsbruck liege im Zusammenschluss mit dem Stubaital: Die Bergbahnenstudie empfiehlt – wie erwartet – die große Regionslösung (rd. 120 Mio. €) und somit eine Überquerung des Ruhegebiets.



Von Manfred Mitterwachauer

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Innsbruck – An einer großen, offensiven Lösung führe wirtschaftlich kein Weg vorbei. Und das hieße: Sanierung der Patscherkofelbahnen inklusive Erneuerung der Pendelbahn, Zusammenschluss von Muttereralmbahn und Axamer Lizum und der „Brückenschlag“ von der Lizum über die Kalkkögel ins Stubaier Skigebiet der Schlick 2000. Darin waren sich bei der gestrigen Präsentation des Abschlussberichts der Bergbahnenstudie Autor Roland Zegg (grischconsulta), TVB-Obmann Karl Gostner und Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer einig.

„Ski Innsbruck Stubai“

Wie bereits von der TT im Vorfeld berichtet, kommt grischconsulta eindeutig zu dem Schluss, dass einzig die Variante „Ski Innsbruck Stubai“ (siehe Faktbox) auf lange Sicht betriebswirtschaftlich Sinn mache. Nicht nur, dass damit ein attraktives Großraumskigebiet von 84 Pistenkilometern geschaffen werden könnte. Auch träfe man im Stubai infrastrukturell auf das, was dem Mittelgebirge noch fehle: Betten. Zegg rechnet vor, dass dieser Zusammenschluss in der Lage sei, die Nächtigungen im Stubaital um 66.000 und im TVB Innsbruck und seinen Feriendörfern um 25.000 zu erhöhen und die Anzahl der so genannten Ersteintritte an den Liftanlagen um 38 Prozent zu steigern. Und auch der Tagesskiticketpreis könnte in der Folge auf 42 Euro angehoben werden. Derzeit, so die Kritik, würden einzelne Karten eher „verschleudert“. In Summe müssten für die favorisierte Zukunftsvariante an die 120 Millionen Euro in die Hand genommen werden. Allein 82 Millionen Euro davon würde auf der Innsbrucker Seite der Kalkkögel anfallen, so die Prognose. Das erwartete Minus halte sich mit 0,7 Mio. € pro Jahr in Grenzen und könne bestenfalls sogar unter gewissen Voraussetzungen in ein Plus verwandelt werden. Zentral ist für grischconsulta, dass ausschließlich die Großraumvariante interessant für private Investoren und Betreiber sei. Und Zegg sagt noch eines: „Unternehmerisch macht es wenig Sinn, die kleine Verbindung zu bauen, die große aber nicht.“ Von den beiden anderen Varianten, also „Inns’re Berge“ und „Ski Innsbruck“, rät Zegg TVB und Stadt, besser die Hände zu lassen.

Beteiligung der öffentlichen Hand

Alle drei Varianten, so Zegg, seien aber nur mit einer Beteiligung der öffentlichen Hand zu realisieren. Egal welche, die Entscheidung müsse rasch fallen, sagt Zegg. Derweil sollten, so der Ratschlag, die angedachte Holding zwischen Muttereralm, Lizum und Kofel angegangen und die bestehenden Bahnen spezialisiert werden. Für den Patscherkofel heißt das laut Zegg: „Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist ein voller Skibetrieb am Patscherkofel nicht empfehlenswert.“ Würde dies doch zusätzliche Netto-Investitionen von 6,5 Mio. € und einen um 800.000 Euro erhöhten Jahresabgang bedeuten. Erst im Zuge des Patscherkofelbahnen-Ankaufs hatte sich Oppitz-Plörer aber vorerst für den Erhalt des Skivollbetriebs ausgesprochen. Der Gemeinderat berät kommende Woche in einer Sondersitzung darüber. Zegg hingegen empfiehlt erneut den Abbau der oberen Skiliftsektionen und – zusammen mit dem Glungezer – die Fokussierung auf den Sommer. Im Winter müsse der Kofel als Berg für Freerider, Winterwandern und Skitouren ohne Pistenpräparierung ausgerichtet werden.

Der Realisierung der großen Lösung steht aber naturschutzrechtlich noch das Ruhegebiet der Kalkkögel im Weg. Rechtlich führt da vorerst kein Weg drüber. Oppitz-Plörer und Gostner setzen daher auf Meinungsbildung, auch Lobbying genannt. Bei der Wirtschaftskammer, dem MCI, der Uni. Und auch beim Land habe man schon um einen Präsentationstermin angesucht. „Es hat ja keiner gesagt, dass es definitiv nicht möglich ist, sondern nur derzeit nicht“, sagt Gostner zur Kalkkögel-Debatte. Grüne und Alpenverein kämpfen vehement dagegen. Auch wolle Gostner Brückenschlag-Skeptiker und Gletscher-Pionier Heinrich Klier „ins Boot holen“. Das Stubaital und Innsbruck dürften jedenfalls nicht gegeneinander ausgespielt werden.

Auch Oppitz-Plörer ist von der (politischen) Machbarkeit des Projekts im Ruhegebiet überzeugt: „Es geht um eine einzige Liftstütze. Die kann ich noch in fünfzig Jahren wieder wegtun. Dafür braucht es nur einen Hubschrauber.“