Letztes Update am Di, 13.05.2014 06:37

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Sannakraftwerk

Kraftwerksbetreiber sehen bisher kein K.-o.-Kriterium

Planer halten die Herausforderungen beim Sannakraftwerk für machbar. Die Wassermengen für den Wildwassersport sollen verhandelt werden.



Von Helmut Wenzel

Landeck, Pians – „Wir haben zuletzt gute Gespräche mit den Fischern geführt“, erläuterte der Pianner Bürgermeister Peter Rauchegger am Freitagnachmittag. Dass das so genannte Verschlechterungsverbot für die Sanna beim Kraftwerksbau berücksichtigt werde, sei nicht nur selbstverständlich – man strebe auch Verbesserungen der Gewässerökologie an.

Für die Planungsfirma Infra schilderte Projektleiter Hans Bayer, die Trasse des Druck­stollens von Wiesberg zum Krafthaus in Landeck-Perjen sei inzwischen fixiert. Bedenken aus der Bevölkerung wegen möglicher Belastungen in der Bauphase würden ernst genommen. Um das Ausbruchmaterial zu entsorgen, würden stündlich drei Lkw unterwegs sein. Man werde prüfen, ob ein Anschluss an die Arlbergschnellstraße S16 machbar ist. Mit dem Beweissicherungsverfahren werde alles dokumentiert, auch Erschütterungen. Bayer fasste zusammen: Ein „No go“ für das Projekt bzw. K.-o.-Kriterien gebe es derzeit nicht.

Nachdem der Entwurf einer Umweltverträglichkeitserklärung zum Kraftwerk bereits bei den Behörden liegt, soll die offizielle Erklärung laut Bayer im Herbst eingereicht werden. Rauchegger ortet eine konstruktive Stimmung in der Region: „Sicher ist nicht jeder erfreut, aber niemand sagt, das ist fürchterlich.“

Im bestmöglichen Fall und bei optimalen Rahmenbedingungen könnte das Kraftwerk 2016 genehmigt, ab 2017 gebaut und 2020 in Betrieb genommen werden. „Das gelingt aber nur, wenn es keinen Einspruch zum Behördenverfahren gibt“, sagte Bayer.

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Wie viel Wasser dann den Wildwassersportlern zur Verfügung steht, ist noch offen. „Das ist Verhandlungssache. Wir werden den Sportlern in Absprache mit den Gemeinden ein Angebot machen. Dazu sind auch Kompromisse nötig“, erläuterte Bayer.

Der Sprecher des Tiroler Raftingverbandes, Günter Kramarcsik, erklärte am Montag: „Es stimmt, dass uns die Kraftwerksbetreiber eine gewisse Kompromissbereitschaft signalisiert haben. Ein konkreter Vorschlag, der uns bis 30. März zugesagt wurde, ist aber noch ausständig.“

Auf Grund eigener Berechnungen kommt Kramarcsik zum Schluss, „dass für den Raftingsport inklusive Spaßfaktor rund 30 Kubikmeter Wasser pro Sekunde nötig sind“. Er bezweifle, ob das Kraftwerk dann noch wirtschaftlich ist. Sollten die Kraftwerksbetreiber die Schleusen für die Bootsfahrer morgens öffnen und abends schließen, hätte das außerdem einen Schwallbetrieb zur Folge. Er glaube nicht, dass dabei die Behörde mitspielt.

„Im ungünstigsten Fall ist ein Scheitern des Kraftwerks­projekts nicht ausgeschlossen“, räumte Bürgermeister Rauchegger ein.