Letztes Update am Sa, 19.07.2014 06:57

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Standort Tirol

Rafting: Bis 40 Tage Wasser statt Strom

Nur wirklich gute Wasserkraft-Projekte sind laut Infra trotz Preistief zurzeit rentabel. Dazu zähle die Sanna.



Innsbruck – Die Realisierung des 58 Mio. Euro teuren Kraftwerks an der Rosanna im Stanzertal, das ab Oktober in Betrieb gehen soll, war ohne jeden Wirbel über die Bühne gegangen. Sogar von Umweltanwalt Johannes Kostenzer kam dafür Lob. Am Kraftwerk sind mehrere Gemeinden im Bezirk Landeck und die E-Werke Reutte, Imst und St. Anton beteiligt.

Umso heftiger sind die Widerstände und Diskussionen bei zwei anderen von Infra forcierten Kraftwerken: dem Sannakraftwerk ebenfalls im Bezirk Landeck und dem Kraftwerk an der Oberen Isel in Osttirol.

Infra-Geschäftsführer Wolfgang Widmann glaubt, dass das Kraftwerk trotz Natura-2000-Nominierung und auch mancher politischer Aussagen nicht unmöglich ist, man werde an den Plänen weiter festhalten. Im Virgental gebe es zudem eine Mehrheit für das Projekt.

Im Fall Sannakraftwerk gibt es vor allem heftige Widerstände von Raftingunternehmen. Widmann zeigt sich überzeugt, dass es hier eine für alle tragbare Lösung geben werde. So kann er sich vorstellen, die Sanna an 30 bis 40 Wunsch-Tagen der Rafter und Kajak-Fahrer tagsüber für mehrere Stunden voll fließen zu lassen und in dieser Zeit auf Strom für das Kraftwerk zu verzichten. An der Sanna fallen laut Widmann deutlich weniger als ein Zehntel der Rafting-Fahrten an, die Hauptstrecke mit über 80 Prozent sei zwischen Imst und Haiming (hier plant die Tiwag ein Kraftwerk). Von Kraftwerksprojekten ebenfalls betroffen sind Rafter im Ötztal bzw. im Oberen Gericht durch das GKI.

Laut Widmann und dem St. Antoner Energie-Experten Jakob Klimmer sind bei den derzeit sehr niedrigen Strompreisen momentan nur sehr gute Projekte rentabel. Dazu zählten aber beide Infra-Projekte. Wasserkraft sei aber auf viele Jahrzehnte ausgelegt. Die Preise sollten spätestens in drei bis fünf Jahren anziehen. Das Risiko liege bis zur Realisierung vor allem bei der Infra selbst und dann bei der E-Gesellschaft, die im Regelfall 60 bis 65 % übernehme. Die Gemeinden hätten außer der relativ geringen Stammkapital-Einlage praktisch kein Risiko. (va)