Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 22.11.2014


Standort Tirol

Ein Haus und keine Personaldebatte

Die Marke Tirol soll breiter aufgestellt werden, wünscht sich Tourismusreferent LH Günther Platter. Standortagentur, Tirol Werbung und Agrarmarketing müssten näher zusammenrücken.

Das Tirol-Logo soll nicht nur für Tourismus, sondern auch für den Wirtschafts- und Bildungsstandort stehen. Bei den Produkten setzt die Agrarmarketing stark auf den „Ranzen“.<span class="TT11_Fotohinweis">Foto: Rathmayer</span>

© Das Tirol-Logo soll nicht nur für Tourismus, sondern auch für den Wirtschafts- und Bildungsstandort stehen. Bei den Produkten setzt die Agrarmarketing stark auf den „Ranzen“.Foto: Rathmayer



Von Anita Heubacher

Innsbruck – Seit mehr als zehn Jahren sitzt die Tirol Werbung in der Maria-Theresien-Straße in Innsbruck und bezahlt dafür 350.000 Euro Miete. Bei der Summe hätte man über Eigentum nachdenken sollen, meinte der Landesrechnungshof. Schon allein deshalb müsse die Landestourismusorganisation auf Herbergsuche gehen, heißt es aus dem Büro des Landeshauptmannes. Und wenn schon übersiedelt werde, mache es durchaus Sinn, dass die Standortagentur sich im selben Haus wiederfinde. Ob auch die Agrarmarketing umzieht, ist offen. Die neue Adresse in Innsbruck ist jedenfalls noch nicht gefunden.

Fix ist, dass Tirol Werbung, Standortagentur und Agrarmarketing näher zusammenrücken sollen. „Ich bin dafür, dass die Marke Tirol breiter aufgestellt wird“, erklärt LH Günther Platter gegenüber der TT. „Tirol ist ein starkes Tourismusland, hat aber auch einen starken Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort.“ Synergien würden bereits genützt. „Das muss aber noch besser werden.“ Eine Adresse, ein Dach und nur noch einen Chef? Nein, es gebe keine Personaldebatte, sagt Platter. Dass die Verträge sowohl von Tirol-Werber Josef Margreiter als auch Standortagentur-Chef Harald Gohm nur um drei und nicht mehr um fünf Jahre verlängert wurden, solle nicht zu Spekulationen führen.

In Südtirol ist die Marke bereits als Standortmarke etabliert (siehe unten). In Tirol ist die Sache nicht ganz so klar. Für die Agrarmarketing ist Agrarlandesrat und Obmann der bäuerlichen Marketingorganisation Josef Geisler zuständig. Bei der Agrarmarketing steht man sich auf den „Ranzen“. Dieser sei ein Gütesiegel und trage den Zusatz „gewachsen und veredelt in Tirol“. Er diene zur Konsumentenorientierung, erklärt Geisler. Anders als in Südtirol konzentriert sich die Agrarmarketing auf den heimischen Markt, der Export spielt keine Rolle. Man fährt also mit dem „Ranzen“ und bei manchen Produkten mit dem „Tirol-Logo“.

Das Logo hat vor allem im Tourismus einen hohen Wert. Die Touristiker fürchten, dass die Marke, wenn sie für Wirtschaft und Bildung gedehnt wird, leiden könnte. Außerdem geht es da auch um viel Geld, das bereits in die Marke gesteckt wurde. Weniger begeistert ist offenbar die heimische Industrie, die international tätig ist. Weder auf Swarovski-Produkten noch bei Plansee findet sich das Tirol-Logo. Auch der Marmeladenhersteller Darbo ist ohne „Tirol“ unterwegs. Verhandlungen mit der Tirol Milch sind ebenso gescheitert. Man sei sich nicht einig gewesen, wer bezahlen müsse: die Tirol Werbung oder die Tirol Milch für die Lizenz, das Logo verwenden zu dürfen. Bis dato prangt kein rot-weißes „Tirol“ auf den Milchpackungen.

Tirol-Werber Josef Marg­reiter sieht die Marke Tirol bereits seit 2006 als Standortmarke definiert. „Ein gemeinsames Haus für die drei Partner, die unter der Marke Tirol auftreten, macht durchaus Sinn.“ Die Agrarmarketing und die Standortagentur würden von einer starken Marke Tirol profitieren, meint er. Allerdings sei die Ausrichtung der Agrarmarketing sehr stark nach innen, die der Tirol Werbung auf internationale Märkte fokussiert. „Tirols Touristiker haben grundsätzlich kein Problem damit, wenn Spitzenqualitäten aus anderen Standortbereichen unter dem Dach der Marke Tirol kommuniziert werden“, meint Margreiter. „Wichtig ist, dass die touristische Strahlkraft nicht verwässert wird.“

„Wenig Berührungsängste“ verspürt der Leiter der Standortagentur, Harald Gohm. „Weder innerhalb Tirols noch mit Südtirol.“ Seit 2006 arbeite die Standortagentur mit der Tirol Werbung eng zusammen. „Wir sind seit acht Jahren als gemeinsame Marke unterwegs.“ Wenn die Häuser zusammengeführt würden, sei er, Gohm, „sehr entspannt“. „Die Frage ist dann, wer zuständig ist, der Landeshauptmann oder die Wirtschaftslandesrätin?“ Letztere hat die Standortagentur unter ihren Fittichen. Gohm will Nähe forcieren, wo sie Sinn mache. „Die Krebsforschung passt nicht zur Marke Tirol. Das haben wir gelernt.“ Für alpine Technik, Life Science oder Mobilität im alpinen Raum würden sich Synergien ergeben.

Für Gohm ist klar, dass Zusammenrücken der Organisationen auch heißt, dass der Internet-Auftritt stimmen muss. Dann wären auf tirol.at nicht nur touristische, sondern auch standortspezifische Inhalte nötig. Zumindest hat es die Standortagentur bereits auf die Homepage tirol.at geschafft: rechts unten und kleingedruckt.