Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 05.12.2014


Standort Tirol

Tirols Tourismus steht im Web-Abseits

Eine Studie zeigt großen Verbesserungsbedarf für Tirols Touristiker. Weniger als 10 Prozent haben einen professionellen Internetauftritt.

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Von Gracia-Patricia Bond

Innsbruck – Der Tiroler Tourismus ist mehr als ausbaufähig, zumindest was den Web-Auftritt von Unterkunftsbetrieben betrifft. Zu diesem ernüchternden Ergebnis kam die Tourismusberatungsagentur WMP Martin Weigl gestern im Rahmen von Vorträgen aus der Tourismusbranche im Landhaus.

Bei der Studie von WMP wurden in einer nicht näher genannten Tiroler Tourismusregion mehr als 500 Betriebe hinsichtlich ihrer Onlinepräsenz unter die Lupe genommen. Demnach verfügten überhaupt nur 43 % aller Unterkünfte über einen Onlineauftritt, wobei bei etwa drei Viertel der Websites mangelhafte Suchmaschinenoptimierung oder veraltete Inhalte festgestellt worden sind. „Die älteste Preisliste, die wir auf einer Unterkunftsseite fanden, stammte aus dem Jahr 2004“, machte Martin Weigl auf ein bedenkliches Resultat der Erhebung aufmerksam. Auch rechtliche Fauxpas wie etwa beim Impressum seien zu Tage getreten, immerhin fehlte in 33 % der untersuchten Homepages überhaupt das Impressum. Die Einbindung von Videos, Social Media sowie die Buchbarkeit über das Internet sind der Onlinestudie zufolge zusätzliche Schwachpunkte der getesteten Websites. Schleppend verlaufe außerdem der Wandel hin zur mobilen Sichtbarkeit über Tablets und Smartphones: 89 % der überprüften Homepages, die innerhalb der letzten drei Jahre erstellt wurden, seien nicht oder nur mangelhaft mobilfunktauglich. Weigl kritisierte in diesem Zusammenhang Fehler in der Beratung der untersuchten Betriebe. Er fordert deshalb unter anderem ein Gesamtkonzept für den Onlinevertrieb.

Weitere Denkimpulse setzte Gernot Memmer von Kohl & Partner auf der Informationsveranstaltung. Er zeigte nicht nur die Funktionen von Tourismusverbänden auf, sondern erläuterte mögliche Zukunftsperspektiven touristischer Organisationen. Dabei sind laut Memmer die Tourismusverbände verstärkt als Service Center zu betrachten, die ein ganzheitliches Urlaubscoaching statt reiner Gästeinformation anbieten.