Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 16.07.2015


Unternehmen

Etwas kleiner und doch so groß

Die Raiffeisenbank Reutte konnte die Bilanzsumme trotz rauen Geschäftsumfelds halten. Der Mitarbeiterstand wurde auf 200 reduziert, das Bankhaus Bauer in Stuttgart verkauft.

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© Raiffeisenbank Reutte



Von Helmut Mittermayr

Reutte – Dieser Tage blickten die Gremien der Raiffeisenbank Reutte bei der Generalversammlung im Raiffeisensaal der Lebenshilfe Reutte auf das emotional schwierigste Jahr in der Geschichte der Bank zurück. Die Folgen der seit 2008 herrschenden Finanzkrise sorgten für eine markante Redimensionierung der Bank – vor allem im Umfeld der Geschäftseinheit Vermögensanlage. Durch ein strenges Restrukturierungsprogramm konnten Einsparungen im Ausmaß von 5,7 Millionen erzielt werden. „Einen wesentlichen Beitrag hierzu hat eine Mitarbeiterreduktion von 63 Personen auf nunmehr 200 Personen geleistet. Hiervon ist der Großteil durch eine einvernehmliche Auflösung im Rahmen eines fairen Sozialplanes ausgeschieden. Neben Pensionierungen oder durch Zeitablauf Ausgeschiedene musste lediglich bei zehn Mitarbeitern eine aktive Kündigung ausgesprochen werden“, erklärt der Vorsitzende des Vorstandes, Johannes Gomig.

„Die Geschäftseinheit Regionalbank ist von dieser Entwicklung weniger betroffen und darf auf ein zufriedenstellendes Jahr zurückblicken“, freut sich Christian A. Frick, zuständiger Geschäftsleiter. Frick verweist auf ein Kunden-Geschäftsvolumen von 654 Millionen Euro, 14.800 Kunden und einen Marktanteil von 56 Prozent im Außerferner Verbreitungsgebiet.

Anfang 2014 wurden die Bankstellen Elmen, Heiterwang und Höfen mit ihren Nachbarbankstellen zusammengelegt. An besagten Orten blieb das Selbstbedienungsangebot bestehen.

Bei den Vermögensanlage­einheiten, die unter der Marke „Bankhaus Jungholz“ internationale Bedeutung erlangt haben, konnte die Reduzierung des Geschäftsvolumens von Devisenausländern im Laufe des Jahres 2014 eingedämmt werden. „Mit einem Kunden-Geschäftsvolumen von 1,3 Milliarden Euro hat diese Geschäftseinheit eine gute Grundlage, ihre Kernkompetenz, die mehrfach ausgezeichnete Vermögensverwaltung, in der professionellen Form aufrechtzuerhalten“, sagt Gomig. Das in der Vergangenheit für viele ausländische Anleger so wichtige Bankgeheimnis in Österreich und der Schweiz spielt in der Zukunft keine Rolle mehr. So haben sich Österreich und die Schweiz mit Wirkung 2017 zum automatischen Informationsaustausch innerhalb der EU entschlossen.

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Die vermögenden Privatkunden der Bank aus dem süddeutschen Raum erwarten vermehrt eine mobile Betreuung zu Hause. Das Aufrechterhalten von zwei Vermögensanlagezentren innerhalb von 40 Kilometern machte keinen Sinn mehr. So wurde eine Verlagerung der Private-Banking-Einheit in Reutte (Haus Glocke) nach Jungholz vorgenommen.

„Im Zusammenhang mit unserem Bankhaus Bauer in Stuttgart konnte der Verkaufsprozess erfolgreich abgeschlossen werden“, teilt Gomig mit. Der Verkaufserlös sei durchaus zufriedenstellend gewesen, eine Beteiligungsgesellschaft habe die Bank samt 30 Mitarbeitern erworben.

Trotz der laufenden Veränderungsmaßnahmen wurde das Bankhaus Jungholz mit seinen Einheiten in Österreich und der Schweiz abermals für seine hervorragende Vermögensberatungs- und Vermögensverwaltungsqualität beim größten Test von Finanzdienstleistern des deutschsprachigen Europas, dem „Elite-Report“ des Handelsblattes, mit dem Premium-Prädikat „summa cum laude“ ausgezeichnet – zum 12. Mal in Folge.

Dank der hohen Reduzierungen bei den Betriebsaufwendungen konnte ein „zufriedenstellendes“ Konzern-Betriebsergebnis von 2,3 Mio. Euro erreicht werden. Eine funktionierende Risikopolitik sorgte dafür, dass auch das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) in dieser Größenordnung liegt. Die Bilanzsumme lag mit 662 Millionen Euro nur 0,15 % unter dem Niveau des Vorjahres. Die Steigerung des Regionalbank-Kreditvolumens um 20 auf 319 Millionen zeigt, dass für die Bank das Wort „Kreditklemme“ nicht existiert. Mit ihren Eigenmitteln von 90 Mio. Euro überschreitet die Raiffeisenbank Reutte den gesetzlich vorgeschriebenen Betrag von 37 Mio. Euro um das 2,5-Fache. „Damit sind wir eine der wenigen Banken, die den schärferen Eigenmittelbestimmungen von Basel III gelassen entgegensehen können“, erklärt der für Risikomanagement und Finanzen zuständige Vorstand Ralf Götz, der aber die Herausforderungen für die Zukunft weiterhin als sehr anspruchsvoll betrachtet.