Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 13.08.2015


Exklusiv

Private Westbahn kämpft um Trassen bis Innsbruck

Der ÖBB-Konkurrent will ab 2017 im Zwei-Stunden-Takt von Wien nach Tirol fahren. Ein Gesetz soll den Taktfahrplan auf der Schiene absichern.

© APAMit dem Winterfahrplan werde der Halt Tullnerfeld aufgenommen.



Von Wolfgang Sablatnig

Wien, Innsbruck – Der Kampf der mehrheitlich privaten Westbahn gegen den früheren Monopolisten ÖBB bzw. die ÖBB-Infrastrukturgesellschaft geht in die nächste Runde: Im September wird ein Koordinierungsverfahren fortgesetzt, mit dem sich die Westbahn um eine Rahmenvereinbarung für eine Ausweitung ihres Betriebs nach Westen bemüht. Ab dem Jahr 2017 sollen die weiß-blau-grünen Doppelstockzüge im Zwei-Stunden-Takt Innsbruck mit Wien verbinden.

Die Westbahn hat im Dezember 2011 den Betrieb zwischen Wien und Salzburg aufgenommen. Größter Teilhaber ist nach einer im Frühjahr erfolgten Kapitalerhöhung die Familienstiftung des Industriellen Hans Peter Haselsteiner. Die französische Staatsbahn SNCF hält 17,4 Prozent. Das Betriebsergebnis ist nach wie vor leicht negativ. Haselsteiner wirft den ÖBB vor, die private Konkurrenz mit einem Preiskampf mürbe machen zu wollen.

Die Westbahn hat zehn neue Zuggarnituren bestellt. Mit diesen will sie künftig ihr Angebot im Westen ausbauen.Foto: APA/Neubauer
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Dennoch hat die Westbahn zehn neue Züge zusätzlich zu den bisher sieben Garnituren geordert, um ihre Expansion sicherzustellen. Aus Sicht der Westbahn stehen diese Zukunftspläne aber auf wackeligen Beinen. So genannte „Trassen“ – Nutzungsrechte für die Schiene samt genauen Zeiten – werden immer nur für ein Jahr vergeben. Die Westbahn wünscht sich aber Rechtssicherheit und fordert daher den Abschluss einer fünfjährigen Rahmenvereinbarung mit dem Streckenbetreiber ÖBB-Infrastruktur.

Letzterer winkte aber ab. Klärung soll ein Koordinierungsverfahren beim Regulator Schienen-Control bringen, das im September fortgesetzt wird. Scheitert dieses Verfahren, hält sich die Westbahn den Gang zum Bundesverwaltungsgericht offen.

Aus der ÖBB hieß es gestern, der Westbahn-Antrag hätte zu Konflikten mit den Plänen anderer Betreiber – sprich des ÖBB-Personenverkehrs – geführt. Ziel sei nun, allen Unternehmen unter gleichen Bedingungen Trassen zur Verfügung zu stellen. Keinesfalls solle die Expansion der Westbahn behindert werden.

Verbesserungen für die Bahnkunden verspricht auch Verkehrsminister Alois Stöger (SPÖ). Er will im Herbst im Eisenbahngesetz die Grundlage dafür schaffen, dass Züge im Taktverkehr bei der Vergabe von Trassen bevorzugt werden. Ziel ist, dass bis 2026 insgesamt 26 Umsteigebahnhöfe zu Taktknoten ausgebaut sind, an denen zu fixen Zeiten (volle/halbe Stunde bzw. Viertel-/Dreiviertelstunde) Züge in allen Richtungen verkehren. Die Umsteigezeiten sollen damit so kurz wie möglich gehalten werden.

In Tirol sei die „Vertaktung“ schon weit fortgeschritten, sagte Stöger. Bis zum Jahr 2018 soll die Umstellung in Innsbruck und Wörgl abgeschlossen sein.