Letztes Update am Do, 10.12.2015 14:16

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Unternehmen

Casinos Austria steigern Umsatz und Betriebsergebnis

Asiaten kompensieren ausbleibende Russen. Díe Automaten-Anbindung an Finanzamt kostet Millionen.

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© Robert PariggerSymbolfoto



Wien – Die teilstaatliche Casinos-Austria-Gruppe ist heuer besser unterwegs als im Vorjahr. In den 12 inländischen Spielbanken wird das Unternehmen 2015 erstmals die Umsatzgrenze von 300 Mio. Euro überschreiten. Im Ausland ist man unterm Strich noch negativ, operativ aber deutlich stärker, so Generaldirektor Karl Stoss. Eine Zahl nannte der Casino-Boss nicht. 2014 hatte der Verlust 10,9 Mio. Euro betragen.

Die gesamte Gruppe, inklusive Lotterien, werde heuer den Vorjahresumsatz von 3,62 Milliarden Euro überschreiten, sagte Stoss am Donnerstag vor Journalisten im Casino in der Wiener Kärntner Straße. Das Betriebsergebnis werde einen Rekordwert von 92 Mio. Euro erreichen - nach 63 Mio. Euro 2014. Ähnlich hoch war der Wert nur im Jahr 2009 (91 Mio. Euro), damals gab es aber hohe Sondererlöse in Höhe von fast 42 Mio. Euro aufgrund des Verkaufs der Unternehmenszentrale an der Wiener Ringstraße und des Südafrika-Geschäfts.

Gestiegen sind auch die Gästezahlen. „2,7 Millionen Besuche werden wir 2015 haben. 2014 waren es 2,5 Millionen“, so Stoss. Allein auf den Standort Wien dürften 600.000 Gäste entfallen. Erstmals kamen mehr ausländische Besucher in die österreichischen Casinos. Bis November waren 1,21 Mio. Spieler aus Österreich und 1,25 Mio. aus anderen Ländern. Während russische Gäste „leider auslassen“, zockten Asiaten fleißig. Sie kompensierten den ausbleibenden Russen-Umsatz. „Sehr aktiv“ seien die Spieler aus Fernost sowie dem Mittleren Osten, also Chinesen, Vietnamesen, Philippinos, Kasachen, Aserbaidschaner oder Israelis.

Teuer zu stehen kommt den Konzern die verpflichtende Anbindung aller österreichischen Glücksspielautomaten an das Bundesrechenzentrum (BRZ), wobei der Gesetzgeber den Casinos hier teilweise Übergangsfristen bis Anfang 2019 eingeräumt hat. 2016 nehmen die Casinos bereits 16 Mio. Euro für den Austausch von 800 bis 1.000 Spielbank-Automaten in die Hand; insgesamt hat das Unternehmen 2.000 einarmige Banditen in seinen 12 Casinos stehen.

Bereits mit dem BRZ verbunden sind indes die Video Lottery Terminals (VLT) in den 15 WINWIN-Automatenhallen des Casinos-Konzerns. Dies verunsichert Spieler. „Manche glauben: ich bin direkt ans Finanzamt angebunden“, so Stoss. Dem sei natürlich nicht so. Deswegen und auch aufgrund von verpflichtenden Spielerkontrollen und -karten sind 2014 die Gäste in den WINWIN-Outlets ausgeblieben. Hinzu kommt, dass pro Standort nur mehr 50 VLTs betrieben werden dürfen. Die Einheit WINWIN schreibt 2015 deswegen einen Verlust von rund 1 Mio. Euro, sagte Stoss. „Wir hatten 800 VLT, jetzt sind es 671.“

Theoretisch erlaubt das Gesetz dem Casinos-Konzern den Betrieb von 5.000 VLT-Geräten in Österreich. Stoss will aber bei der Expansion „sehr vorsichtig“ vorgehen, sagte er. Es werde sicherlich eine Rolle spielen, wer der neue Eigentümer der Gruppe wird. Sollte es Konkurrent Novomatic werden, der bereits bei den Lotterien mit 23 Prozent Anteil den Fuß in der Tür hat, dürfte das VLT-Geschäft stark ausgebaut werden. In den WINWIN-Salons sind derzeit 43 Prozent der Geräte aus dem Hause Novomatic.

Zur Eigentümersituation meinte Stoss, er erwarte sich, dass ein Wechsel noch dauern wird. „Wenn wir Glück haben, ist das bis Ende 2016 erledigt.“ Grund sei, dass mehrere internationale Glücksspielbehörden einen Eigentümerwechsel prüfen müssten. In Australien, Belgien, der Schweiz und in Kanada seien die Behörden da besonders streng, eine Prüfung könne durchaus 12 bis 18 Monate dauern. Derzeit buhlen sowohl der Novomatic-Konzern als auch ein tschechisches Bieterkonsortium um die Mehrheit bei den Casinos Austria. (APA)