Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 13.06.2016


exklusiv

Post macht gute Geschäfte mit den Daten der Österreicher

Persönlich adressierte Werbung, die ins Haus kommt, hat einen Grund: Unternehmen wie die Post ermitteln Zielgruppen und verkaufen die Namen weiter. Die Konsumenten können sich wehren.

(Symbolfoto)

© APA(Symbolfoto)



Wien, Innsbruck – Die Post ist laut Eigenwerbung um gute Kontakte bemüht. Das beschränkt sich aber nicht nur auf das Zustellen von Briefen und Paketen. Der gelbe Riese macht auch mit bestimmten Daten von Frau und Herrn Österreicher Geschäfte.

Daten aus öffentlichen Quellen wie Homepages oder Telefonbüchern können ohne Zustimmung der Betroffenen gehandelt werden. „In der Regel verkaufen wir Namen und Adressen von Personen, die einer gewünschten Zielgruppe entsprechen“, informiert Post-Sprecherin Kathrin Schrammel.

Auf seiner Webseite post.at bietet der Postfuchs eine ansehnliche Sammlung zum Kauf an: „Wählen Sie aus über drei Millionen Adressen genau die aus, die zu Ihrer Zielgruppendefinition passen“, heißt es da. „Wir erheben die Daten selbst oder kaufen sie von Dritten zu“, ergänzt Post-Stimme Schrammel.

Ab 18 Cent kostet eine Adresse. Wird der gesuchte Personenkreis durch Auswahlkriterien genauer eingegrenzt, etwa nach Alter, Einkommen, Ausbildung oder Interessen, wird es teurer. Je größer die gekaufte Zahl an Datensätzen ist, desto günstiger wird es wieder. In einem Beispiel fielen für 15.100 Adressen Nettokosten von 2400 Euro an.

Wie viel die heimische Post mit den Daten ihrer Landsleute verdient, will das Großunternehmen nicht bekannt geben. „Unser Gesamtumsatz beläuft sich auf 2,4 Milliarden Euro“, ist Frau Schrammel lediglich zu entlocken.

Die Käufer der Daten, registrierte Unternehmen, setzen diese dann für gezielte Werbemaßnahmen ein („Direktmarketing“). Das erklärt, warum mitunter persönlich adressierte Werbung ins Haus flattert: Kreditkartenofferte, Spendenansuchen, der letzte Schrei in Sachen Geldanlage. Alles fein säuberlich in einem Kuvert mit Namen und Adresse. Da fällt es schwerer, das Briefl ungeöffnet gleich ins Altpapier zu verfügen.

Die Lizenz zum Datenverkauf hat die Post natürlich. Sie ist auch bei Weitem nicht das einzige Unternehmen, das damit handelt. Diese Tätigkeit ist in Österreich ein eigenes Gewerbe – jenes der „Adressverlage und Direktmarketingunternehmen“. Akteure dieser Branche werden im behördlichen Datenverarbeitungsregister (DVR) erfasst und haben eine DVR-Nummer zu führen.

Konsumenten müssen aber nicht tatenlos zusehen, wie ihr Postkastl vor lauter (direkter) Werbung dem Erstickungstod entgegensteuert. Man kann es der Post – und allen anderen Adressenhändlern im Inland – untersagen, persönliche Daten für Werbezwecke weiterzugeben.

Dazu muss man sich auf eine Sperrliste setzen lassen, informiert die Datenschutzbehörde in Wien. Der Antrag dazu kann online über die Wirtschaftskammer eingebracht werden (siehe den Adresshinweis am Textende). Die Kammer leitet die Sperrliste an die Adressverlage weiter. Und diese sind dazu angehalten, die übermittelten Namen aus ihren Datensätzen zu löschen.

Die Sperrliste ist auch als Robinson-Liste bekannt. Hier hat jemand Humor bewiesen. Denn der Name Robinson bezieht sich auf die Romanfigur Robinson Crusoe. Der war als Schiffbrüchiger auf einer Insel gelandet und hatte keinen Kontakt zur Außenwelt – ganz und gar unfreiwillig natürlich. Konsumenten von heute haben es da besser: Sie können sich ganz bewusst Ruhe vor unerwünschter Direktwerbung verschaffen.

Aber Achtung: Die Robinson-Liste gilt nur für persönlich adressierte Werbung. Massensendungen und Postwürfe („An einen Haushalt“) sind davon nicht berührt. Wünscht man solcherlei Info nicht an seiner Haustüre, kann man sich per Aufkleber auf dem Postfach behelfen: „Bitte keine Werbung!“

Link

Daten sperren: Unter https://apppool.wko.at/Robinsonliste/Registrierung.aspx kann man sich in die Robinsonliste der Wirtschaftskammer eintragen. Die Daten der betroffenen Personen dürfen dann nicht mehr gehandelt werden.