Letztes Update am Do, 22.12.2016 09:31

APA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Italien

Private Rettung gescheitert: Erhält Monte dei Paschi Staatshilfe?

Die Regierung in Rom ließ sich Pläne absegnen, wonach sie 20 Milliarden Euro zur Stützung in Schieflage geratener Kreditinstitute leihen kann.

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© APA (AFP)



Rom – Der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi di Siena ist der erhoffte Befreiungsschlag misslungen. Das Traditionshaus habe bei seiner Kapitalerhöhung weniger Geld eingenommen als die benötigten 5 Milliarden Euro, teilte das Institut Donnerstagabend der Nachrichtenagentur Ansa zufolge mit. Es wird erwartet, dass die Bank den Staat nun um direkte Hilfe bittet und dieser das nötige Geld zuschießt.

Experten hatten bereits damit gerechnet, dass Monte dei Paschi durch den Umtausch von Anleihen in Aktien und den Verkauf neuer Aktien nicht die nötige Summe zusammenbekommt. Die italienische Regierung hatte sich daher bereits am Dienstag beim Parlament die Erlaubnis für eine Kreditaufnahme von bis zu 20 Milliarden Euro geholt, um angeschlagene Banken im Notfall zu retten. Wann das Kabinett ein Notfall-Dekret verabschieden könnte, war zunächst unklar.

Monte dei Paschi ächzt unter einem Berg fauler Kredite, die nun teils abgestoßen werden sollen. Damit der Bank dieser Kraftakt gelingt, muss sie bis zum Jahresende fünf Milliarden Euro an frischem Kapital aufnehmen. Neben dem Verkauf neuer Aktien, der am Nachmittag geendet hatte, sollte dazu auch ein Umtausch von Anleihen in Aktien beitragen. Nach Angaben von Monte dei Paschi steuerte der Umtausch 2,06 Milliarden Euro an Kapital zu dem Rettungspaket bei.

Das Traditionshaus hatte bereits am späten Mittwochabend in Siena erklärt, bisher keinen sogenannten Ankerinvestor gefunden zu haben, also einen Geldgeber, der eine große Last bei der Kapitalerhöhung hätte schultern können.

Am Mittwoch hatte die Bank erklärt, dass ihr das Geld früher ausgehe als gedacht. Die flüssigen Mittel könnten nur noch für vier Monate reichen, hieß es in einer Kapitalmarkt-Mitteilung. Bislang hatte das schwer angeschlagene Geldhaus aus Siena angegeben, dass das Geld noch für elf Monate ausreiche. Zum Stichtag 16. Dezember hatte Monte dei Paschi 10,6 Milliarden Euro an Liquidität.

Es wird damit gerechnet, dass die Bank den Staat nun um direkte Hilfe bittet. Erst am Dienstag hatte das Parlament die Aufnahme neuer Staatsschulden in Höhe von 20 Milliarden Euro gebilligt, um Monte dei Paschi und andere Krisenbanken notfalls stützen zu können. Die italienische Finanzbranche leidet unter der schwachen Wirtschaft im Land, weshalb viele Schuldner ihre Kredite nicht bedienen können. (APA/dpa)

Hintergrund: Die Krisenbank Monte dei Paschi

Die Bank Monte dei Paschi di Siena wurde 1472 gegründet und gilt als das älteste noch operierende Geldhaus der Welt. Das Traditionshaus aus der Toskana steht im Zentrum der italienischen Bankenkrise. In der Schuldenkrise in Europa ist das Geldhaus in Schieflage geraten und hat sich seitdem nicht wirklich erholt.

Riskante Deals hatten der Bank hohe Verluste eingebracht, sie musste bereits mit mehreren Milliarden Euro Staatshilfen gestützt werden. Trotz zweier Rettungsaktionen durch den Staat und mehrerer Kapitalerhöhungen blieb die Lage wackelig. Das Geldhaus fiel mehrmals durch den Bankenstresstest der Europäischen Zentralbank (EZB), weil es die Kapitalanforderungen in den Testszenarien nicht erfüllte.

Im Sommer gelang die Rettung der Bank. Die Frist für den damals vereinbarten Sanierungsplan läuft Ende 2016 aus.