Letztes Update am Fr, 21.04.2017 12:10

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Wertpapie-Anleihe

Streit um Treuhandgeschäft: Verfahren gegen Wiener Bank eröffnet

Gestritten wird seit längerem um ein Treuhandgeschäft in Form einer „Wertpapierleihe“ über 61,5 Millionen Dollar.

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© Thomas Böhm / TT(Symbolfoto)



Wien, Moskau – Nach einer Klage, die die Moskauer National Trust Bank (NBT) voriges Jahr gegen die Wiener Bank Winter & Co. AG eingebracht hat, wurde am Handelsgericht Wien Ende Februar 2017 ein Verfahren eröffnet, schreibt der Trend. „Die Klage entbehre jeder Grundlage, sagt die Bank Winter. Sie bereitet Widerklage vor. Am 13. Juni ist laut Magazin im laufenden Verfahren die zweite Tagsatzung.

Gestritten wird seit längerem um ein Treuhandgeschäft in Form einer „Wertpapierleihe“ über 61,5 Millionen Dollar (57,3 Mio. Euro), das die Bank Winter von 2011 bis 2013 für die NBT und deren damalige Eigentümer abgewickelt und dafür knapp 11,4 Millionen Dollar an Provisionen kassiert hat.

Vorwurf: Schneeball-Systems

Die NBT musste 2014 von der russischen Einlagensicherung vorm Bankrott bewahrt werden. Den seither flüchtigen Ex-Eignern wird vorgeworfen, die eigene Bank und ihre Anleger um 1,8 Milliarden Dollar erleichtert zu haben. Die Bank Winter sei, so die vom Trend zitierte Klage des Moskauer NBT-Nachfolgemanagements, Teil des „Schneeballsytems“ gewesen. In den Vorwürfen an die Wiener Bank ist von Beihilfe zur Bilanzfälschung und Verletzung der Sorgfaltspflichten zur Bekämpfung von Geldwäscherei die Rede.In einer Stellungnahme wies die Bank Winter alle Vorwürfe zurück und beschied dem Trend zu der umstrittenen Wertpapierleihe: „Die Mittel des Geschäftes flossen wieder an die Klägerin (National Bank Trust) zurück... Gegen Vertreter der Klägerin wurde in Russland ein Strafverfahren durchgeführt. Das russische Gericht hat festgestellt, dass Bank Winter gutgläubig gehandelt (und) redlich, im Rahmen des üblichen Interbanken-Geschäftsverkehrs, ein Treuhandgeschäft abgeschlossen hat.“

Die Wertpapierleihe sei nach international geltenden IFRS-Regeln korrekt bilanziert worden. „Kein Mitarbeiter unseres Instituts hat von kriminellen Machenschaften etwas gewusst“, wird Winter-Vorstand Botschen zitiert. Da es keinen Schaden gegeben habe, sei der Fall eigentlich erledigt. Auch die FMA sei umfassend informiert worden. Der Bank Winter sei, so heißt es im Bank-Statement, das „tatsächlich gewollte Ziel der Transaktion verschwiegen worden“, und das sei für sie auch nicht erkennbar gewesen.

Back-to-back-Strukturen

NBT-Anwalt Clemens Trauttenberg macht im Trend seine Zweifel daran an der Vorgeschichte der National Bank Trust fest. NBT wurde 1995 von Ilia Yurov, Sergey Beliaiev und Nikolai Fetisov (Kürzel: „YBF“) gegründet. Das Trio, so die Klagsschrift, „benutzte die Bank, um persönliche Projekte zu finanzieren“. Es habe „über viele Jahre hinweg Millionenbeträge mit Back-to-back-Strukturen an Offshore-Gesellschaften, die in ihrem Eigentum standen, verliehen“.

Im Erfolgsfall strichen YBF den Profit selbst ein. Ging etwas schief, musste NBT die Verluste tragen. Ende 2014 musste die Einlagensicherung die NBT mit gut 2 Milliarden Dollar retten. „YBF“ werden Medienberichten zufolge seither per russischem Haftbefehl international gesucht.

Das von Moskau installierte neue National-Bank-Trust-Management (Leitung: Dimitry Popkov) versuche nun überall, die vermeintlich veruntreuten Gelder wieder einzuklagen. In einem 2016 in London geführten Prozess sei es gelungen, 830 Mio. Dollar des YBF-Vermögens weltweit einfrieren zu lassen. Nun sei offenbar die Bank Winter dran, die laut der vom „Trend“ zitierten Klage das Wertpapierleihe-System für die NBT sogar „entwickelt“ habe.

61,5 Millionen Dollar „ nie wieder gesehen“

Demnach habe die NBT auf einem Wertpapier-Treuhandkonto bei der Bank Winter zwischen 2011 und 2013 russische Staatsanleihen in Höhe von rund 185 Mio. Dollar deponiert. Die Bank Winter wiederum habe diese Papiere - angeblich zur Finanzierung eines Immobilienprojektes am Schwarzen Meer - im Auftrag der NBT an eine zypriotische Offshore-Gesellschaft namens Black Coast verliehen, die angeblich im „indirekten Eigentum“ von YBF stand. Black Coast habe die Staatsanleihen schnell wieder zu Geld gemacht, von dem zumindest 61,5 Millionen Dollar nie wieder gesehen worden sein sollen.

In der „Presse“ hatte die Bank Winter schon im Herbst 2016 „die Unterstellung“, dass sie „auch nur ansatzweise in mögliche Malversationen (. . .) involviert gewesen sein soll, entschieden zurück“ gewiesen. Sie habe seinerzeit jedenfalls „keinerlei Hinweise für angebliche Unregelmäßigkeiten“ gehabt. Aufsichtsratschef Siegfried Sellitsch äußerte sich zum laufenden Verfahren damals nicht, er bestätigte aber, dass der Aufsichtsrat der Bank Winter mit den strittigen Transaktionen „natürlich“ befasst war. (APA)