Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 02.06.2017


US-Wirtschaftspolitik

voestalpine: Taskforce USA lotet Trumps Politik aus

Durch die Androhung von Strafzöllen und die Aufkündigung von Handelsabkommen droht der voestalpine Einbruch am US-Markt.

Die voestalpine stellt sich auf einen protektionistischen Kurs in der US-Wirtschaftspolitik von Präsident Donald Trump ein.

© APADie voestalpine stellt sich auf einen protektionistischen Kurs in der US-Wirtschaftspolitik von Präsident Donald Trump ein.



Wien, Linz, Washington – In den vergangenen Jahren investierte der Stahlkonzern voes­talpine massiv in den USA, jetzt wird dort auf die Bremse getreten. Zum einen müssen die getätigten Investitionen hereinverdient werden, zum anderen droht der neue US-Präsident Donald Trump mit Strafzöllen und bringt internationale Handelsabkommen ins Wanken. Deshalb hat die voestalpine bereits eine eigene „Taskforce USA“ eingerichtet. „Der Aufwand ist ein enormer“, erklärte Konzernchef Wolfgang Eder. „Wir sind derzeit dabei, unsere Position rechtlich auszuloten.“

In den nächsten vier bis acht Wochen soll sich die Lage – auch mit Hilfe von Anwälten in Europa und den USA – klären. Es gebe „massiven Schriftverkehr und aufwändige Ermittlungsverfahren“. „Parallel dazu sind wir dabei, Alternativkonzepte für die Produkte, die es betrifft, herauszuarbeiten“, so Eder. Es sei keine einfache Situation, aber man solle „die Kirche im Dorf lassen“. Mit dem Großteil der Investitionen in den USA habe die voest­alpine „keine Probleme“. Das Unternehmen stellt sich aber auf einen protektionistischen Kurs in der US-Wirtschaftspolitik ein. -

Die voestalpine erzielt in den USA laut Eder derzeit einen Umsatz von 984 Millionen Euro – weltweit sind es über 11 Milliarden Euro. Vom Schwenk in der amerikanischen Wirtschaftspolitik betroffen sei aber „nur der geringere Umsatzanteil“. „Im Wesentlichen geht es um 400 Millionen Euro an Umsatz“, sagt der Konzernchef.

„Von der Diskussion nicht erfasst“ seien etwa die sieben Weichenstandorte und das neue Roheisenwerk im texanischen Corpus Christi, betonte Eder. In den vergangenen fünf Jahren hat die voestalpine 1,2 Milliarden Dollar in den USA investiert. In Cartersville (Georgia) verstärkte der Konzern den Automotive-Bereich massiv, die dritte Ausbaustufe wird dort in den nächsten sechs Monaten abgeschlossen. „Wir können in dem Tempo in einem einzigen Markt nicht weitermachen; wir hätten – Trump hin und Trump her – in jedem Fall unsere Investitionen in den nächsten Jahren zurückgenommen“, erklärt Eder. Die voestalpine werde aber auch im laufenden Geschäftsjahr 2017/18 „über Abschreibung investieren“.

Nach über 1 Mrd. Euro 2016/17 dürften es heuer nur 850 bis 900 Mio. Euro werden. Finanziell fühlt sich der Stahl- und Technologiekonzern gut aufgestellt: Die Nettoschulden stiegen zwar im abgelaufenen Fiskaljahr von 3,1 auf 3,2 Mrd. Euro, doch die Eigenmittel befanden sich mit 6,1 Mrd. Euro (2015/16: 5,7 Mrd. Euro) auf einem Allzeithoch. (APA)