Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 28.08.2017


Unternehmen

Auch Maschinen werden intelligent

Ein Thema des diesjährigen Forum Alpbach ist Digitalisierung. Experten für Künstliche Intelligenz (KI) sprechen davon, was ist und was noch kommt.

Das menschliche Gehirn ist das Maß aller Dinge. Doch die Maschinen sollen von ihm lernen.<span class="TT11_Fotohinweis">Foto: iStock</span>

© iStockphotoDas menschliche Gehirn ist das Maß aller Dinge. Doch die Maschinen sollen von ihm lernen.Foto: iStock



Von Verena Langegger

Innsbruck, Wattens, Alpbach – Digitalisierung, Robotics und Künstliche Intelligenz (KI) sind zwar Begriffe, unter denen sich kaum jemand konkret etwas vorstellen kann, das, was dahinter steht, ist jedoch längst Realität. Künstliche Intelligenz ist die nächste große Welle der technologischen Entwicklung und wird eine wesentliche Basistechnologie der Zukunft sein, sagt der Technologievisionär und Investor Hermann Hauser. Im Informations- und Kommunikationssektor sei KI schon heute allgegenwärtig, weitere Sektoren wie die Landwirtschaft – Finanzwirtschaft und Transportwirtschaft adaptierten ebenfalls Entwicklung der KI-Forschung.

„KI wird vor keinem Sektor haltmachen und als nächster Schritt in der digitalen Revolution unsere Gesellschaft nachhaltig verändern“, sagt Hauser. Ein besonders wichtiges Thema der KI ist „Machine Learning“, das heißt wie Systeme immer besser werden, also wie Maschinen aus Daten lernen – anstatt vorprogrammierten Regeln zu folgen. Alois Saria ist Hirnforscher. Er beschäftigt sich damit, zu verstehen, wie das menschliche Gehirn funktioniert. Mit diesem Verständnis sollen dann Computer „gefüttert“ werden. Ob es jemals passieren wird, dass die Komplexität des menschlichen Gehirns auf ein Computerprogramm umgelegt werden kann, weiß auch der Hirnforscher nicht. Der Grund klingt vergleichsweise einfach. „Ein Supercomputer braucht ein kleines Kraftwerk, damit er betrieben werden kann. Das Gehirn läuft mit einer elektrischen Leistung von umgerechnet 30 Watt.“

Noch wisse man nicht viel über Gehirnregionen, gerade das Multitasking – wenn der Mensch also verschiedenen Dinge gleichzeitig erledigt – müsse noch erforscht werden. Dazu gebe es etwa das „Human Brain Project“. An den Forschungen sind 118 Universitäten beteiligt. In dem Projekt, das auf zehn Jahre angelegt ist und mit 500 Millionen Euro von der EU unterstützt wird, werden interdisziplinär – also von mehreren Disziplinen – Modelle des Gehirns konstruiert. Dann sollen die Netzwerke des Nervensystems in Computerchips umgesetzt werden.

Was danach kommt, ist Zukunftsmusik. Die Gehirnforschung als medizinische Disziplin will natürlich Krankheiten verstehen und behandeln. Doch auch die Industrie will am Wissen der Neurologen mitnaschen. Es sollen Technologien entwickelt werden, die besser funktionieren. Etwa im Bereich Robotics. So sollen selbstfahrende Autos, die wohl irgendwann auf den Straßen fahren werden, selbst entscheiden, ob sie im schlimmsten Fall in eine Felswand fahren oder einen Menschen niederfahren. Besonders wichtig bei KI, sagt Saria, sei aber auch die ethische Frage. Im „Human Brain Project“ werden alle Schritte der Entwicklung begleitet. Denn auch Computer müssten irgendwann verstehen, welche Auswirkungen ihre Handlungen haben.

Für Robert Trappl, den Chef des österreichischen Forschungscenter für Künstliche Intelligenz, braucht es mit einer Weiterverbreitung der KI vor allem eines: strengere Datenschutzrichtlinien. Denn durch die massive Anzahl an Daten, die jeder durch die Verwendung „intelligenter“ Technologien preisgibt, könnten sehr viele Programme sehr viel, aber möglicherweise das Falsche auslesen – und plötzlich sei man nicht mehr kreditwürdig, weil man komische Fotos auf Facebook gepostet hat.