Letztes Update am So, 05.11.2017 23:18

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Paradise Papers

Schwedenbomben auf Karibik-Reise

ORF und „Falter“ zeichnen anhand neuer Dokumente ganze Unternehmensstrukturen nach. Laut Niemetz werden Steuern und Abgaben von Niemetz Schwedenbomben zu 100 Prozent in Österreich entrichtet.

Niemetz wurde von Heidi Chocolat übernommen.

© APANiemetz wurde von Heidi Chocolat übernommen.



Wien – Die Paradise Papers geben Einblicke in Unternehmensstrukturen, die so bisher nicht bekannt waren – auch in Österreich. Beispiel sind laut ORF die vermeintlich besonders österreichischen Niemetz-Schwedenbomben. Die Firma meldete 2013 Insolvenz an, gehört seither zur Schweizer Heidi Chocolat, die Teil des Meinl-Imperiums ist. Mit der Übernahme begann für die süßen Bomben auch eine Karibik-Reise.

Exotisch sind an den Schwedenbomben inzwischen also nicht mehr nur die Kokosstreusel in der entsprechenden Variante. Die Mutterfirma, Heidi Chocolat, sitzt im Schweizer Kanton Zug. Heidi gehört der Kex Confectionery in Bukarest, die zu fast 100 Prozent der Kex Confectionery Limited auf Malta gehört. Soweit ist die Unternehmensstruktur auch öffentlich bekannt. Aber: Auch diese maltesische Firma hat eine Mutter. Und zwar die Oryxa Capital auf den Cayman Islands, berichtet der ORF. Die Oryxa ist, wie die Paradise Papers zeigen, Teil des Meinl-Imperiums.

Warum dieses Konstrukt?

Die entsprechende Anfrage der ORF-“ZiB2“ und der Wiener Stadtzeitung Falter – beide gehören zur internationalen Rechercheplattform ICIJ, die Zugriff auf die Paradise Papers hat – bei Meinl wurde bisher nicht beantwortet. Niemetz hielt fest, dass „die Steuern und Abgaben von Niemetz Schwedenbomben selbstverständlich zu 100 Prozent in Österreich entrichtet werden“.

Das bezweifelt auch der Steuerexperte nicht. Aber warum endet all das auf den Cayman Islands? „Die Cayman Islands dürften einen historischen Grund haben. Man weiß ja schon von Meinl European Land und so weiter, dass da Cayman immer eingeschaltet wurde“, sagte Steuerexperte Gottfried Schellmann in einer Sonder-ZiB2 am Sonntag. „Das hat auch eine gewisse Tradition aus der britischen Sicht. Die Familie ist ja auch sehr britisch geprägt. Und da ist man halt, wenn man international tätig war in diese Lokationen, auf diese Inseln gegangen.“

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Was in den Gesellschaften im Detail passiert, lässt sich anhand der Paradise Papers nicht nachvollziehen, so der ORF. Die Muttergesellschaft auf den Cayman Islands ist allerdings steuerbefreit. Eine amtliche Bestätigung dafür finde sich in den Dokumenten. (APA)