Letztes Update am Mi, 07.02.2018 17:13

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Signa

Pläne für Warenhaus-AG mit Kaufhof und Signa geplatzt

Laut Insider lehnt der kanadische Kaufhof-Eigentümer Hudson‘s Bay das Angebot von Karstadt-Eigner Rene Benko ab.

© APA/HANS KLAUS TECHTRene Benkos Signa Prime hatte erst Anfang Oktober ihr Eigenkapital um eine Milliarde Euro erhöht, um Spielraum für Zukäufe zu gewinnen.



Wien, Düsseldorf – Die Pläne für einen deutschen Warenhaus-Konzern aus Karstadt und Kaufhof sind einem Insider zufolge zerstoben. Der kanadische Kaufhof-Eigentümer Hudson‘s Bay (HBC) werde das 3 Mrd. Euro schwere Angebot der Signa-Holding des österreichischen Immobilien-Investors Rene Benko am Mittwoch ablehnen, sagte der Insider der Nachrichtenagentur Reuters.

Ein Signa-Sprecher wollte am Mittwoch zu diesen Gerüchten gegenüber der APA keine Stellungnahme abgeben.

Die WirtschaftsWoche hatte zuerst darüber berichtet. Benkos Signa-Holding hatte im November einen dritten Anlauf genommen, die beiden Ketten zusammenzulegen, und war auf HBC zugegangen. Der Verwaltungsrat des angeschlagenen Konzerns, der Benkos Angebot bereits mit Skepsis aufgenommen hatte, trifft sich am Mittwoch.

Kein Kommentar von HBC

Ein Sprecher von Hudson‘s Bay in Deutschland wollte die Informationen nicht kommentieren. Er verwies darauf, dass das Angebot pflichtgemäß geprüft und dann entschieden werde. Signa äußerte sich zunächst nicht. Der neue Kaufhof-Chef Roland Neuwald lehnte einen Zusammenschluss mit Karstadt im Interview mit der „Bild“-Zeitung ab: „Ich sehe nicht, dass dadurch ein besseres Geschäftsmodell entsteht. Unsere größten Konkurrenten sind die Amazons und Zalandos dieser Welt.“

Der Handelskonzern Metro hatte Kaufhof 2015 für rund 2,8 Mrd. Euro an HBC verkauft und ein Übernahmeangebot von Benko ausgeschlagen. Doch für Kaufhof läuft es unter dem neuen Eigentümer nicht rund. Die Kette kämpft mit Umsatzrückgängen und Verlusten. Die Bild-Zeitung berichtete online ohne Angabe von Quellen, in der Zentrale in Köln sollten 400 Arbeitsplätze gestrichen werden. Zudem fordert Neuwald von der Gewerkschaft Verdi Zugeständnisse beim Lohn, Urlaubs- und Weihnachtsgeld für die 21.000 Mitarbeiter. Wenn sie dazu nicht bereit sei, „dann müssen wir auf Sicht über Jobabbau in den Filialen sprechen“, sagte er der Zeitung. „Wir brauchen die wirtschaftliche Atempause, um wieder Wasser unter den Kiel zu bekommen.“ Auch das Management werde verzichten, die Lieferanten sollten ihren Beitrag über Preisnachlässe leisten.

Auch der kanadische Kaufhof-Eigentümer schreibt rote Zahlen und kämpft wie die Konkurrenz mit dem zunehmenden Wettbewerb durch Online-Händler wie Amazon. HBC gehört auch die Modekette Saks Fifth Avenue. Nach einer Reihe von Management-Wechseln hatte HBC am Montag eine neue Vorstandschefin ernannt: Helena Foulkes, die 25 Jahre lang beim Drogeriekonzern CVS Health gearbeitet hatte, soll ihr Amt am 19. Februar antreten. Sie löst dann Interimschef Richard Baker ab, der Mitglied des Verwaltungsrats bleibt. (APA/Reuters)