Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 30.04.2018


Unternehmen

Speed-Invest-Gründer: „Es scheitern weniger, als man glaubt“

Der Gründer von Speedinvest zu Wachstumschancen und Risiken in der Start-up-Szene.

© speedinvestOliver Holle ist der Gründer von Speedinvest, einem österreichischen Venture-Capital-Fonds, der in Technologie-Start-ups investiert.



Sie investieren als Risiko-Investor in Start-ups. Was unterscheidet diese von anderen Gründungen?

Oliver Holle: Grundsätzlich geht es um rasantes Wachstum. Das heißt für uns zweistellige Wachstumsraten im Monat und das über mehrere Jahre. Nur wenn das gelingt, kann man als Risiko-Investor eine vernünftige Rendite erwirtschaften.

Nach welchen Kriterien bewerten Sie Start-ups?

Holle: Im Monat kommen rund 100 bis 150 Anfragen herein und wir können uns bestenfalls mit 10 bis 15 Gründungen wirklich auseinandersetzen und machen maximal 15 Investments pro Jahr. Wir sehen uns das Team sehr genau an: Wie ist dessen Zusammenarbeit, ist es hungrig und lernfähig. Ein echtes ­K.-o.-Kriterium ist ein qualitativ schlechter Pitch.

Sie haben zwei Fonds aufgelegt, einen mit 10 Mio. Euro und den zweiten mit 95 Mio. Euro. Wie hoch war dabei Ihre Ausfallsrate?

Holle: Es scheitern viel weniger, als man glaubt. Wir haben im ersten Fonds 20 Firmen und hatten dabei zwei komplette Ausfälle. Wir haben sieben Exits gehabt, die erfolgreich waren. Von den elf anderen sind sechs dabei, die extrem gut funktionieren. Eines von diesen Investments dürfte allein den Fonds zurückspielen. Der Rest ist in Ordnung.

In welchen Bereich investieren Sie bevorzugt?

Holle: Wir investieren in alles, was mit Digitalisierung zu tun hat. Das können Anwendungen im Bereich Fintechs oder auch digitale Marktplätze sein. Das große Thema ist für uns Industrie 4.0, also alles, was mit Sensorik und Big Data im Industriebereich zu tun hat. Ein amerikanischer VC-Manager hat mir kürzlich gesagt, hier sei Europa besonders glaubwürdig. Er meinte: „Bringt mir doch die coolsten Industrie-4.0-Start-ups, die ihr finden könnt. Weil da glauben wir euch." Hier könnte die Politik einen wirklichen Schwerpunkt setzen.

Vor einem Jahr haben Sie sich bezüglich der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen vorsichtig optimistisch gezeigt. Wie geht es Ihnen ein Jahr später?

Holle: Gefühlt ist das Thema Start-ups nicht mehr auf der Agenda. Die Szene wird auch nicht mehr eingebunden. Aber ehrlicherweise: Hat das große Auswirkungen auf uns gehabt? Nein. Find ich das gut? Nein. Eine Gesellschaft hat nur eine Chance, wenn sie nach vorne ausgerichtet ist bzw. nach vorne blickt. Da gehört dieser Teil der Ökonomie dazu. Das Thema Rot-Weiß-Rot-Karte ist ein wesentliches Thema. Die Szene, aber auch die Wirtschaft im Allgemeinen wird nur wachsen, wenn wir es schaffen, Top-Talente aus dem Ausland nach Österreich zu holen. Immer wieder sehen wir, wie unsere Gründer monatelang in Schleifen hängen und dann es oft auch wieder zu spät ist, um die Leute zu bekommen.

Ist das Potenzial für Venture Capital in Österreich eigentlich groß genug?

Holle: Zum einen investiert Speedinvest zu 70 Prozent im Ausland. Wir sind ein europäisches Unternehmen mit dem Headquarter in Wien und Büros auch in München, Berlin, London und San Francisco. Ich glaube auch nicht, dass Venture auf ein Land limitiert funktioniert. Man muss sich global aufstellen. Das gilt für alle Bereiche der Wirtschaft.

Das Interview führte Hugo Müllner




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