Letztes Update am Mi, 09.05.2018 09:43

DPA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutschland

Vodafone übernimmt Teile der Unitymedia-Mutter für 18,4 Mrd. Euro

Vodafone will große Teile des britischen Konkurrenten Liberty Global kaufen – und würde damit den kompletten Kabelfernsehmarkt in Deutschland kontrollieren. Jetzt müssen die Kartellbehörden zustimmen.

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Berlin – Die beiden größten deutschen Kabelnetzbetreiber kommen unter ein Dach: Der britische Telekom-Konzern Vodafone übernimmt für fast 19 Mrd. Euro große Teile des Europa-Geschäfts vom US-Kabelnetzbetreiber Liberty Global. Damit wandert die deutsche Liberty-Tochter Unitymedia in die Hände der Briten, die hierzulande seit dem Milliarden-Kauf von Kabel Deutschland bereits das größte Kabelnetz in Deutschland betreibt.

Dazu übernimmt Vodafone von Liberty Global die Geschäfte in Tschechien, Ungarn und Rumänien. Der Kauf soll bis Mitte nächsten Jahres über die Bühne gehen. Die Synergien veranschlagen die Briten mit jährlich 535 Mio. Euro – allerdings ohne Aufwendungen für die Integration der Liberty-Aktivitäten. Die Vodafone-Aktie legte zum Handelsstart in London am Mittwoch leicht zu. Liberty Global hatte bereits im Dezember 2017 den Verkauf des Kabelbetreibers UPC Austria an T-Mobile Austria bekanntgegeben. Die Sparte UPC Austria mit ihren 654.000 Kunden wurde damals mit rund 1,9 Mrd. Euro bewertet.

Druck auf Telekom erhöht

Vodafone-Chef Vittorio Colao sagte am Mittwochvormittag: „Vodafone wird zu Europas führendem Netzbetreiber der nächsten Generation, der die meisten Mobilfunkkunden und Haushalte in der Europäischen Union bedient.“ Vodafone ist bisher nicht in Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg aktiv, wo Unitymedia ausschließlich tätig ist. Unitymedia-Chef Lutz Schüler sagte: „Ich begrüße und unterstütze die geplante Zusammenführung von Unitymedia mit Vodafone ausdrücklich.“

Der Zusammenschluss dürfte den Druck auf die Deutsche Telekom erhöhen, die bisher auf einen Marktanteil bei den Breitbandkunden von rund 40 Prozent kommt. Vodafone kündigte an, in Deutschland aktiver zu werden und bis 2022 rund 25 Millionen Haushalte mit Gigabit-Anschlüssen versorgen zu wollen. Die Deutsche Telekom stemmt derzeit selbst ihre größte Transaktion in der Unternehmensgeschichte: Die US-Tochter T-Mobile US will sich den US-Mobilfunker Sprint ins Haus holen.

Wettbewerbshüter müssen Deal absegnen

Im Februar hatte der weltweit zweitgrößte Mobilfunker bekanntgegeben, Gespräche mit Liberty über einen Kauf von Kabelbeteiligungen in den Ländern zu führen, wo beide Firmen tätig sind. Beide Konzerne haben sich schon öfter am Verhandlungstisch gegenübergesessen. Vor drei Jahren konnten sich die Briten und US-Amerikaner noch nicht auf eine Kaufsumme einigen. Allerdings fusionierten sie 2016 in einer Art Testlauf für den aktuellen Deal ihr Geschäft in den Niederlanden zu Vodafone Ziggo.

Deutschland ist für Liberty Global nach Großbritannien der zweitgrößte Markt. Im ersten Quartal legte der Umsatz von Unitymedia, die hierzulande rund 2.500 Mitarbeiter beschäftigen, um neun Prozent auf mehr als 636 Mio. Euro zu.

Grünes Licht für die Übernahme muss aufgrund der Umsatzhöhe der beteiligten Unternehmen letztlich wohl die EU-Kommission geben. Auch für den rund zehn Mrd. Euro schweren Kauf von Kabel Deutschland zeichneten die Wettbewerbshüter in Brüssel verantwortlich. Sie genehmigten ihn damals ohne Auflagen und erklärten, dass sich die Geschäftsbereiche lediglich ergänzen würden. Es wird damit gerechnet, dass der Genehmigungsprozess einige Zeit in Anspruch nehmen wird. (APA/dpa)