Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 14.06.2018


Unternehmen

Mehrere Szenarien für Kika/Leiner

Weiterhin warten Mitarbeiter und Lieferanten auf eine Lösung mit Kreditversicherern. Möbelmarkt in Österreich ist stark konzentriert.

© APA/FohringerSymbolfoto.



Von Stefan Eckerieder

Wien – Für die Beschäftigten und Lieferanten der Möbelhandelsketten Kika und Leiner heißt es weiter zittern. Auch fünf Tage nach der angekündigten Lösung mit den Kreditversicherern herrscht von Seiten des zweitgrößten heimischen Möbelhändlers Funkstille.

Die derzeitige Unsicherheit sei „eine Katastrophe für die rund 5000 Mitarbeiter von ­Kika und Leiner sowie für die Liferanten“, sagt der Tiroler Möbelhändler Martin Wetscher, der zugleich Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Tirol (WK) ist.

Weiter steht eine „österreichische Lösung“ im Raum, nachdem sich der heimische Marktführer XXXLutz für eine Übernahme ins Spiel gebracht hat. Unklar ist noch, ob es dafür eine wettbewerbsrechtliche Zustimmung geben würde. Der Chef der Wettbewerbsbehörde (BWB), Theodor Tanner, hat zwar in der vergangenen Woche eine Übernahme durch XXXLutz „unter Auflagen“ für „denkbar“ bezeichnet, Mitbewerber kritisieren aber die dadurch entstehende Marktmacht eines Möbelhändlers.

Wolfgang Richter, Chef des Standortberaters RegioData, hält daneben noch weitere Szenarien für denkbar. Während XXXLutz wohl nicht alle Kika- und Leiner-Filialen übernehmen würde, komme auch ein Kauf durch ein ausländisches Unternehmen in Frage. „Dann kann Kika/Leiner so weitergeführt werden“, sagt Richter. Interesse wird dem deutschen Möbelhändler Höffer nachgesagt. Auch die Übernahme durch einen Investor hält Richter für möglich. „Ein Finanzinvestor würde abspecken, das Unternehmen ertragreich machen und weiterveräußern“, sagt der Standortberater, der auch eine Zerschlagung als mögliches Szenario anführt. Beispiele dafür in der Vergangenheit wären Schlecker, Baumax oder Vögele. Zugleich würde damit aber Marktpotenzial frei werden, meint Richter. „Die Umsätze verschwinden dann nicht, sondern werden verschoben.“ Insgesamt habe der Möbelhandel im vergangenen Jahr rund 4,5 Mrd. Euro umgesetzt, neun Prozent davon online.

Der heimische Möbelmarkt sei stark konzentriert. Laut RegioData hatte Ende 2016 ­XXXLutz einen Marktanteil von 29 Prozent, Kika/Leiner 21 Prozent und Ikea 16 Prozent.

Bei der Möbelkette Kika/Leiner ist Feuer am Dach, nachdem ihr vor zehn Tagen ein Kreditversicherer abgesprungen ist. Dadurch werden etwaige Forderungsausfälle für Lieferanten nicht mehr gedeckt. Zudem steckt der Mutterkonzern Steinhoff tief in einer Krise.