Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 16.06.2018


Unternehmen

Freude nach Benkos Coup

Bei Gewerkschaft und Möbelbranche löst die Ankündigung des Tiroler Investors René Benko, die Möbelkette Kika/Leiner zu übernehmen, Freude aus.

© www.picturedesk.com(Symbolfoto)



Von Verena Langegger

Wien, St. Pölten – Der Notverkauf der angeschlagenen heimischen Möbelkette Kika/Leiner an die Signa-Gruppe des Tiroler Immobilieninvestors René Benko wird von der Gewerkschaft positiv aufgenommen. Der Tiroler Vorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten, Harald Schwaighofer, ist optimistisch, dass die vier Kika-Standorte (Imst, Innsbruck, Wörgl, Lienz) und die Leiner-Filiale in Innsbruck bestehen bleiben: „Benko hat schon bei Kaufhof bewiesen, dass es nicht um Arbeitsplatzabbau geht.“ Schwaighofer geht daher davon aus, dass nicht nur die Arbeitsplätze, sondern auch die Standorte der gefährdeten Möbelkette gesichert seien.

Ein Aufatmen gibt es auch in der Möbelbranche, „weil der Wettbewerb prolongiert wird“, sagte Claudius Kollmann vom Fachverband Holzindustrie. Und: Benko habe gezeigt, dass er sanieren kann. Deshalb freut sich auch Christian Wimmer, Chef der Einkaufsverbände Garant und Wohnunion mit 147 Möbelfachhändlern und 129 Raumausstattern, weil „das Vertrauen der Kunden für alle Marktteilnehmer enorm wichtig“ sei. Es sei wichtig, dass der Großteil der Kika/Leiner-Standorte als Möbelhäuser erhalten bleibe. „Professioneller, gesunder Wettbewerb tut uns allen gut.“ Offen ist für Wimmer, wie sich Kika/Leiner preislich positionieren wird. „Wir gehen jedenfalls von einem positiven Fortführungsszenario aus, in dem keine Abmachungen im Hintergrund getroffen werden“. Dies würde „nur weitere Unruhe im Markt stiften und den fairen Wettbewerb beeinflussen“.

Die Mitarbeiter haben laut TT-Informationen über E-Mails von der neuen Per­spektive erfahren. Standortgarantie soll es darin offenbar keine geben, man wolle sich anschauen, welche Standorte funktionieren und welche nicht. Unklar sei auch, ob es wieder Möbellieferungen für den Verkauf gebe. In den vergangenen Tagen war Kunden bei größeren Einkäufen geraten worden, erst mit einem Anwalt oder dem Kreditschutzverband zu sprechen.

Erfreut über den „kapitalstarken österreichischen Investor“ zeigt sich auch Kika/Leiner-Chef Gunnar George. Denn Benko sei nicht nur an den Immobilien interessiert, sondern auch am Handelsgeschäft. Vorerst können die über 5000 Beschäftigte somit aufatmen, wenngleich der Deal noch nicht durch ist. Bis spätestens kommenden Dienstag (19. Juni) sollen die Verträge unterzeichnet werden. Laut Steinhoff soll der Verkauf (Closing) bis Ende September über die Bühne gehen.




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